USA: Wirtschaftswachstum und Inflation im Rampenlicht


19.07.24 15:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den USA stehen bereits nächste Woche Wirtschaftswachstum und Inflation im Rampenlicht, so Markus Tschapeck, Tibor Lorincz und Franz Zobl, Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Konsensschätzungen würden aktuell davon ausgehen, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal um 1,8% (p.q., annualisiert) habe zulegen können, was ein etwas stärkeres Wachstum als noch im ersten Quartal (1,4%) bedeuten würde. Die ebenfalls erscheinenden Schnellschätzungen zu den PMIs sowie der ISM für das Verarbeitende Gewerbe (beide Juli) würden indessen erste Einblicke hinsichtlich der Stimmungslage im noch jungen dritten Quartal erlauben. Während beide PMI-Subkomponenten zuletzt über der 50-Punkte-Marke gelegen hätten, habe der ISM für das Verarbeitende Gewerbe mit 48,5 Punkten auf einem Niveau abnehmender Wirtschaftsaktivität rangiert.

Inflationsseitig erscheine es realistisch, dass die PCE-Inflationszahlen für Juni die positiven Inflationsdynamiken der bereits erschienenen VPI-Zahlen weitestgehend bestätigen sollten. So weise der Nowcast der Cleveland FED aktuell für Gesamt- und Kerninflation monatliche Änderungsraten von 0% aus. Abgerundet werde der Datenkalender zu guter Letzt vom Erscheinen des Arbeitsmarktberichts für Juli. Wie gewohnt würden hier insbesondere die jüngsten Entwicklungen hinsichtlich der Beschäftigungslage und der Lohndynamiken im Fokus stehen. Auf dem politischen Parkett habe in den USA der Präsidentschaftswahlkampf während der letzten Wochen deutlich an Fahrt aufgenommen.

Die Zinssitzung der EZB habe keine Überraschungen gebracht. Die Leitzinsen seien wie erwartet unverändert bei 3,75% (Einlagesatz) bzw. 4,25% (Hauptrefinanzierungssatz) belassen worden. Das Interesse habe vor allem darauf gelegen, ob der EZB-Rat Signale hinsichtlich einer Leitzinssenkung im September setzen werde. Hier habe man sich diesmal äußerst bedeckt gehalten. Dennoch zeige man sich hinsichtlich des Inflationsausblicks optimistisch.

Trotz jüngster Anstiege der Inflationsdynamik in der Eurozone sehe der EZB-Rat den mittelfristigen Inflationsausblick als bestätigt an. Wenn sich daran bis September nichts ändere, so würden die Analysten denken, dass der EZB-Rat auf der September-Zinssitzung eine Leitzinssenkung beschließen werde. Sie würden ihre Prognose von zwei Zinssenkungen im Jahr 2024 als weiterhin gut unterstützt erachten.

Ende Juli werde auch der Offenmarktausschuss der US-Notenbank FED zusammenkommen, um über etwaige Anpassungen der Leitzinsen zu entscheiden. Die Analysten würden nicht davon ausgehen, dass die US-Notenbanker die Leitzinsen, welche sich aktuell in einer Bandbreite zwischen 5,25 bis 5,50% befinden würden, verändern würden. Die datengetriebene Notenbank habe bis vor wenigen Monaten noch ihre abwartende Haltung betont, da sich die Inflationsdynamik im ersten Quartal nachteilig entwickelt habe. Die letzten beiden Monate hätten aber stärkere Disinflation gebracht und daher Erwartungen für Leitzinssenkungen geschürt.

Die jüngste Inflations-Volatilität werde die FED aber wohl dazu veranlassen, noch weitere Daten abzuwarten, um das Vertrauen in den Disinflationsprozess zu stärken. Die Analysten würden demnach ihre Prognose einer ersten Zinssenkung der FED im September als gestärkt erachten. Es sei nicht auszuschließen, dass FED-Präsident Powell indirekte Signale in diese Richtung setzen werde.

Der Zinsmarkt verstehe die Reaktionsfunktion der FED jedoch sehr gut und reagiere somit weniger auf die FED, sondern vielmehr auf Datenveröffentlichungen, welche das Handeln der FED beeinflussen würden. Demnach seien die Renditerückgänge am US-Treasury-Markt infolge der niedriger als erwarteten Inflationsdaten im Juni als Reaktion auf eine wahrscheinlichere Zinssenkung im September zu verstehen. Dies schränke die potenzielle Marktreaktion im Zuge der FED-Sitzung nach Meinung der Analysten ein. (19.07.2024/alc/a/a)