Inflationszahlen der Eurozone für Dezember im Fokus


03.01.25 14:27
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach einer kurzen Ruhephase über Weihnachten und Neujahr stehen kommende Woche bereits einige Datenhighlights in den Startlöchern, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

In der Eurozone werde der Fokus auf den Inflationszahlen für Dezember liegen. Diese dürften das Ende einer Ära markieren, da es sich um die letzte Veröffentlichung mit signifikanten Schocks und/oder Basiseffekten handeln sollte - ein Phänomen, das mit der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 begonnen habe. Die Analysten würden erwarten, dass die Gesamtinflation im Dezember 2024 auf 2,5% p.a. angestiegen sei (November 2,2% p.a.). Ein Grund dafür sei ein anhaltender Basiseffekt bei den Lebensmittelpreisen, der im Januar wegfallen werde. Ein zweiter Faktor sei das Auslaufen des Basiseffekts bei den Energiepreisen, welcher bereits seit 2022 eine bedeutende Rolle gespielt habe.

Die Kerninflation dürfte ebenfalls leicht anziehen und im Dezember von 2,7% auf 2,8% im Jahresvergleich steigen, was - wer habe es gedacht - auf einen Basiseffekt, insbesondere bei Pauschalreisen, zurückzuführen sei. Während sich die Inflation im Jahresvergleich also zu beschleunigen scheine, sollten Momentum-Indikatoren zeigen, dass sich die Inflation in Wahrheit zuletzt bei knapp 2% normalisiert habe. Würden neue Schocks ausbleiben, dürfte sich die Inflation Anfang 2025 beruhigen und im Laufe des Jahres um das Inflationsziel herumbewegen.

Darüber hinaus werde mit dem Sentix der erste Eurozonen-Vorlaufindikator für das Jahr 2025 erscheinen. Im Dezember sei der Index überraschend stark von -12,8 auf -17,5 Punkte abgefallen. Die Analysten würden für Januar eine weitere Abnahme auf -18,9 Punkte prognostizieren. Ebenfalls auf der Agenda stünden in der Eurozone weitere Stimmungsindikatoren (Sentiment-Indikatoren der europäischen Kommission) sowie Daten zu Arbeitslosigkeit und Industrieproduktion im November.

In den USA stehe mit dem Arbeitsmarktbericht für Dezember ebenfalls ein maßgeblicher Datenpunkt zur Veröffentlichung an. Der US-Arbeitsmarkt habe sich zuletzt weiterhin robust gezeigt, im November stehe mit einem Beschäftigungs-Plus von 227 Tsd. Stellen (exkl. Agrar) selbst unter Berücksichtigung von Einmaleffekten ein solides Ergebnis zu Buche. Auch der leichte Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,1 auf 4,2% werde keinen akuten Grund zur Sorge darstellen.

Auch im Jahr 2025 werde sich die Frage stellen, ob die Resilienz der Arbeitsmarktbedingungen weiterhin Bestand haben werde, oder ob sie mit einem Ablaufdatum versehen sei. Für Dezember würden verfügbare Konsensschätzungen jedenfalls ein Beschäftigungswachstum von 150 Tsd. Stellen und keine Veränderung der Arbeitslosenquote veranschlagen. Weitere Aufschlüsse hinsichtlich der aktuellen konjunkturellen Lage in den USA werde der ISM für das nicht-verarbeitende Gewerbe liefern. Dieser liege im November mit 52,1 Punkten klar auf expansivem Niveau, aktuelle Konsensschätzungen würden von einem weiteren Anstieg auf 53,5 Punkte ausgehen.

Am Beginn des Jahres werde ein Blick zurück am Zinsmarkt nochmals lohnen. Im Dezember und insbesondere bis vor den Feiertagen sei viel los bei Treasuries und Bunds gewesen. Die Renditen hätten sich deutlich nach oben bewegt, wobei jene von langlaufenden US-Staatsanleihen den stärksten Move verzeichnet hätten. Die Verzinsung von 10-jährigen Treasuries sei von rund 4,15% Anfang Dezember auf über 4,6% knapp vor Jahreswechsel erhöht worden. Die US-Kurve sei steiler geworden - der Renditeunterscheid zwischen zweijährigen und zehnjährigen Anleihen habe sich auf rund 30 Basispunkte erhöht - der höchste Wert seit Frühjahr 2022.

Zur Erinnerung: EZB und Fed hätten vor Weihnachten nochmals Zinssitzungen abgehalten. Wichtiger als die (erwarteten) Zinssenkungen um 25 BP seien die Botschaften gewesen, die damit einhergegangen seien. Während in der Eurozone in H1 2025 mit einer zügigen geldpolitischen Lockerung zu rechnen gewesen sei (Reduktion der Leitzinsen um 25 BP pro Sitzung), dürfte die Fed zunächst pausieren und es sei ungewiss, ob, wann und um wie viel die Leitzinsen im Jahr 2025 reduziert würden. Trotz der unterschiedlichen Ausrichtung der beiden Notenbanken habe sich der Spread zwischen Bunds und Treasury nur unwesentlich verändert. Insofern könnte ein guter Teil der oben beschriebenen Renditebewegung als Sog der Bewegung am langen Ende der US-Zinskurve interpretiert werden.

Immerhin habe eine überraschend hawkische US-Fed das kurze Ende stärker nach oben gebracht (Verflachung der Kurve). Zudem hätten auch die langfristigen US-Inflations- und Leitzinserwartungen bis zur Fed-Sitzung ein wenig zugelegt. Auffallend sei aber seit längerer Zeit das Anziehen der Laufzeitenprämien bei Treasury und auch Bunds, welche wohl mit den erhöhten politischen / fiskalischen Unsicherheiten einhergegangen seien. Tatsächlich habe im Dezember die US-Notenbank als Grund ihrer abwartenden (zögerlichen) Haltung die gestiegenen Unsicherheiten genannt, die zwar unausgesprochen, aber zweifelsohne mit der anstehenden Amtsübernahme Trumps zu tun gehabt hätten. Mit Blick auf diese Details werde das kommende Woche zur Veröffentlichung anstehende Protokoll der FOMC-Dezember-Sitzung auf viel Interesse stoßen. (03.01.2025/alc/a/a)