Inflation im Euroraum im August verlangsamt


02.09.24 10:25
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat sich die Inflation im Euroraum im August nach der HVPI-Schnellschätzung verlangsamt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Dies sei jedoch auf einen Basiseffekt bei den Energiepreisen zurückzuführen. Die Gesamtinflation habe bei 2,2% p.a. gelegen, nach 2,6% im Juli. Die Energiepreise hätten sich in den negativen Bereich bewegt und bei -3,0% p.a. gelegen, nach +1,2% im Juli. Die Kerninflation habe bei 2,8% p.a. gelegen, ein Rückgang gegenüber 2,9% im Juli, aber die allgemeine Entwicklung bleibe dieselbe und sei sogar noch ausgeprägter.

Mit einer Verlangsamung der Kerngüter-Inflation auf 0,4% p.a. und einer leichten Beschleunigung der Dienstleistungsinflation auf 4,2% p.a. würden die Dienstleistungspreise nun fast im Alleingang dafür sorgen, dass sowohl die Gesamtinflation als auch die Kerninflation auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben würden. Der erwähnte Basiseffekt dürfte die Inflation zwar noch einige Monate lang nahe bei 2% halten, doch werde er sich mit der Zeit verflüchtigen. Solange sich die Dienstleistungsinflation nicht verlangsame, sei das Inflationsziel von 2% außer Reichweite.

Diese Woche stünden in der Eurozone keine bahnbrechenden Datenveröffentlichungen an. So stehe neben ersten nationalen Industrieproduktionszahlen (Deutschland, Frankreich) für Juli eine weitere Schätzung zum BIP-Wachstum im zweiten Quartal auf der Agenda. Gegeben aktueller Informationen würden die Analysten erwarten, dass die initiale Wachstumsschätzung von 0,3% p.q. abermals bestätigt werden sollte. Getrieben werde das Wachstum in der Eurozone weiterhin insbesondere vom Dienstleistungssektor. Wenn man den August-Schnellschätzungen der PMIs der letzten Woche Glauben schenken dürfe, dann sollte dieser Umstand auch im dritten Quartal weiterhin vorherrschen.

Während bei der Komponente für den Industriesektor abermals Abnahmen ersichtlich gewesen seien, habe die Dienstleistungskomponente stark zulegen können, was aber wohl auch durch einen starken Anstieg der französischen Maßzahl aufgrund der olympischen Spiele bedingt gewesen sei. Insgesamt bleibe die Industrie klar auf einem Gebiet abnehmender Aktivität, während der Dienstleistungsbereich sich expansiv entwickele. Diese Woche würden die ausstehenden PMI-Zahlen auf Länderebene erscheinen.

Das definitive Datenhighlight dieser Woche stelle der US-Arbeitsmarktbericht für August dar. Zur Erinnerung: Der Arbeitsmarkbericht für den Monat Juli sei unter den Erwartungen zu liegen gekommen, so sei die Arbeitslosenquote von 4,1% auf 4,3% angestiegen (Konsens: 4,1%) und die Beschäftigung (exkl. Agrar) habe um 114 Tsd. Stellen zugelegt - entgegen Erwartungen in Höhe von 175 Tsd. Stellen. Für August werde aktuell allerdings eine positivere Entwicklung erwartet, erste Konsensschätzungen würden einen Beschäftigungszuwachs in Höhe von 163 Tsd. Stellen veranschlagen.

Bezüglich der Arbeitslosenquote werde ein Rückgang von 4,3% auf 4,2% prognostiziert. Informationen bezüglich der Anzahl der offenen Stellen im Juli würden bereits vor dem Arbeitsmarktbericht verfügbar sein. Die unbesetzten Stellen hätten sich zuletzt nach einer graduellen Abnahme bei einer Anzahl von etwa 8 Millionen eingependelt. Generell könne gesagt werden, dass der Arbeitsmarkt inzwischen deutlich weniger überhitzt sei als noch vor einigen Quartalen.

Auch die Entwicklung der ISM-Indices im August werde aufmerksam verfolgt werden. Der jüngste Rückgang des ISM für das Verarbeitende Gewerbe auf 46,8 Punkte habe für ein Aufflammen von Rezessionsängsten hinsichtlich der US-Wirtschaft gesorgt, ein deutlicher Anstieg des ISM für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe auf 51,4 Punkte habe die Wogen aber bereits ein wenig später wieder glätten können. Aktuell würden für das Verarbeitende Gewerbe und das Nicht-Verarbeitende Gewerbe Anstiege auf 47,8 Punkte bzw. auf 51,5 Punkte erwartet, eine solche Entwicklung würde wohl kaum einen Anlass für neuerliche Rezessionssorgen bieten.

Nach den Marktturbulenzen in der ersten Augustwoche hätten sich die Zinsmärkte wieder beruhigt. Die Renditen hätten sich seither weitgehend seitwärts bewegt. Die Renditekurven seien jedoch steiler geworden, da am kurzen Ende der Renditekurve ein gewisser Abwärtsdruck angehalten habe und das lange Ende stabil geblieben oder sogar angestiegen sei. Die Kurven von Treasuries und Bunds seien nun nur noch im einstelligen Basispunktbereich invers. Ein Grund für den anhaltenden Abwärtsdruck auf das kurze Ende der Renditekurve sei die Kommunikation der US-Notenbank. Nach Meinung der Analysten habe Powells Rede in Jackson Hole den offiziellen Beginn des Lockerungszyklus der FED markiert. Eine erste Zinssenkung werde zwar erst auf der FOMC-Sitzung im September erfolgen, doch die eindeutig taubenhafte Positionierung von Powell - die sogar einen taubenhaft bewerteten Markt überrascht habe - habe den Zweck erfüllt, die Finanzierungsbedingungen bereits vor der ersten Zinssenkung zu lockern.

Der Wechsel von der Sorge um Aufwärtsrisiken für die Inflation zur Sorge um Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt sei vollzogen. Aus diesem Grund würden die Zinsmärkte sehr empfindlich auf die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt reagieren, und zwar noch stärker als dies in den vergangenen Quartalen bereits der Fall gewesen sei. Die in dieser Woche in den USA veröffentlichten Daten hätten das Potenzial, die Märkte nach oben (Arbeitsmarktbericht stärker als erwartet) oder nach unten (Arbeitsmarktbericht schwächer als erwartet) zu bewegen. Im Euroraum sei es eine Kombination aus US-Spillovers und Inflationsdaten aus dem Euroraum, die die Renditen bestimmen würden. Die Marktreaktion auf die August-Inflationszahlen sei jedoch verhalten ausgefallen, obwohl die Veröffentlichung bestätigt habe, dass sich die Kerninflation eher über als unter den Erwartungen der EZB befinde. (Ausgabe vom 30.08.2024) (02.09.2024/alc/a/a)