FED-Chef Powell geht von einer fallenden Inflationsdynamik aus


15.05.24 10:40
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Vor den heute anstehenden US-Verbraucherpreisdaten hielten gestern vor allem die europäischen Anleger:innen ihr Pulver trocken, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Auch bessere Konjunkturdaten aus Deutschland hätten nicht geholfen. So seien die ZEW-Konjunkturerwartungen zuletzt weiter gestiegen und hätten den höchsten Stand seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine erreicht, was durchaus als ein zunehmendes Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung gesehen werden könne. Konkret habe das Sentiment-Barometer für den Monat Mai um 4,2 Punkte auf 47,1 Zähler zugelegt, was auch den zehnten Anstieg in Folge dargestellt habe. Die Erwartungen seien bei 46,0 Punkten angesiedelt gewesen. Weniger erfreulich sei die Entwicklung der US-Erzeugerpreise für April ausgefallen. Im Vergleich zum Vormonat seien diese um 0,5% und damit stärker als erwartet gestiegen. Im Aggregat sei lediglich mit einem Anstieg um 0,3% gerechnet worden. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hätten sich die Erzeugerpreise um 2,2% erhöht, was wiederum den Erwartungen entsprochen habe. Der zuletzt vermeldete Anstieg vom März sei hingegen von 2,1% auf 1,8% nach unten revidiert worden.

Dementsprechend dürften die Investor:innen dies- als auch jenseits des Atlantiks heute gespannt auf die anstehenden US-Verbraucherpreise für den April blicken, welche traditionell einen wichtigen Eindruck über die Inflationsentwicklung in den USA geben würden. Zuletzt sei nämlich der Rückgang der Inflation im Gegensatz zu Europa etwas ins Stottern geraten, wodurch sich die Erwartungen bzgl. der lang herbeigesehnten US-Zinssenkungen durch die US-Notenbank immer weiter in die zweite Jahreshälfte verschoben hätten. Passend dazu habe sich gestern auch FED-Chef Powell geäußert, indem er gesagt habe, dass er zwar immer noch von einer im Jahresverlauf fallenden Inflationsdynamik ausgehe. Allerdings habe er auch hinzugefügt, dass die Zuversicht aufgrund der jüngsten Daten schon etwas gelitten habe.

In diesem solcherart von Vorsicht geprägten Umfeld hätten sich die europäischen Indices seitwärts entwickelt. Während der deutsche DAX mit einem leichten Minus von 0,14% seine Konsolidierung auf hohem Niveau weiter fortgesetzt habe, sei es seinem europäischen Pendant EURO STOXX 50 mit einem marginalen Kursanstieg in Höhe von 0,03% kaum viel besser ergangen. Deutlich signifikanter sei der Anstieg hingegen beim heimischen ATX ausgefallen, der die Ziellinie zu Handelsschluss mit einem Kursplus in Höhe von 0,97% überquert habe. Auch in den USA seien die Anleger:innen anfangs auf der Seitenlinie geblieben, ehe sie zu späterer Handelsstunde doch noch etwas Mut gefunden hätten. So habe der mehrheitlich mit Standardwerten bestückte Dow Jones zum Schluss ein kleines Kursplus von 0,32% ausgewiesen, während der marktbreite S&P 500 mit einem Zuwachs von 0,48% etwas höher aus dem Handel gegangen sei. Deutlich besser sei es hingegen dem Technologie-Auswahlindex NASDAQ 100 ergangen, der schlussendlich den Tag mit einem Kursanstieg von 0,68% beendet habe.

Auf den Rohstoffmärkten hätten die Ölpreise gestern Federn lassen müssen. Hintergrund hierfür sei unter anderem, dass die acht Mitglieder des Ölverbunds Opec+, die sich zu freiwilligen Kürzungen bereit erklärt hätten, ihre Förderquoten im April überschritten hätten. Aktuell notiere das schwarze Gold im Vergleich zum gestrigen Schlusskurs wieder etwas höher, wobei der Preis heute Morgen für die Sorte Brent um die Marke von USD 83 je Fass schwanke. Gold sei im gestrigen Umfeld gefragt gewesen und notiere aktuell knapp unter USD 2.360 je Feinunze. Der Bitcoin als bekanntester Vertreter der Kryptos habe von der freundlichen Stimmung kaum profitieren können und notiere er heute Morgen bei rund USD 62.000.

Was unseren Datenkalender betrifft, so ist dieser heute prall gefüllt: Am Programm stehen neben den Q1-Beschäftigungszahlen und der März-Industrieproduktion für die Eurozone auch noch die US-Einzelhandelsumsätze für April, so die Analysten der RBI. Stärker im Mittelpunkt des Interesses würden aber das ebenfalls heute vermeldete vorläufige BIP-Wachstum für die Eurozone sowie die US-Inflationsdaten für April stehen. Letztere würden vor allem als Indikator für den zukünftigen FED-Kurs in Bezug auf die lang herbeigesehnten US-Zinssenkungen dienen, weswegen die Daten besonders kritisch beäugt werden dürften. In Bezug auf die aktuelle Berichtssaison stehen neben Cisco Systems aus den USA vor allem europäische Unternehmen in den Startlöchern, um uns wieder einen Einblick in ihre Bücher zu gewähren, so die Analysten der RBI.

Die asiatischen Märkte würden sich heute Morgen gemischt und in Summe recht wenig verändert präsentieren. Für Europas Börsen würden die Frühindikatoren aktuell einen im Vergleich zu den gestrigen Schlusskursen leicht höheren Handelsauftakt signalisieren. (15.05.2024/alc/a/a)