Anleihen-Handel: Corporate Bonds aus der zweiten Reihe punkten


07.11.14 13:49
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Notenbanken stehen in dieser Woche im Rampenlicht der Anleger, so die Deutsche Börse AG.

Wie erwartet, habe EZB-Präsident Mario Draghi im Rahmen der Ratssitzung seine Entschlossenheit untermauert, nach Bedarf neben Kreditverbriefungen und Covered Bonds weitere Anleihegattungen - dazu würden Unternehmensanleihen gehören - zu kaufen. Ansonsten sei Abwarten angesagt. "Richtig interessant wird der Dezember mit konkreten Zahlen zur Inanspruchnahme der Tender durch die Banken", erkläre Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Erst dann würde klar, ob das Ziel der höheren Kreditvergabe zur Ankurbelung der Wirtschaft habe erreicht werden können.

Vor dem Hintergrund deutlich schlechter als erwarteter Wachstumszahlen für die Euroländer und einer unter dem Zielwert von 2 Prozent liegenden Inflation seien auch die Zinserhöhungspläne der Bank of England in den Hintergrund gerückt. Statt mit prognostizierten 1,2 Prozent rechne Brüssel nun mit 0,8 Prozent wirtschaftlicher Steigerung für das laufende Jahr. "Ausgerechnet Deutschland schlittert nach der Herbstprognose der EU-Kommission in diesem Jahr am Rande der Rezession entlang", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank.

Nach Negativrenditen kämen erstmals Strafgebühren für besonders hohe Einlagen. "Die Skatbank im thüringischen Altenburg, wo angeblich das Skatspiel erfunden wurde, ist ausgerechnet zum Weltspartag auf die Idee gekommen, den Kunden das Sparen auszutreiben", berichte Stopp. Wer mehr als 500.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto der Bank habe, erhalte dafür keine Zinsen mehr, sondern müsse eine Strafgebühr von 0,25 Prozent bezahlen. "Hier bekommt die Deflation ein Gesicht", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Daneben hätten Renditen von 0,8 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen geradezu üppig gewirkt.

Durch die erfolgreiche Platzierung einer 15-jährigen Anleihe (ISIN IE00BJ38CR43 / WKN A1ZR7B) mit einem Kupon von 2,4 Prozent habe Irland 3,75 Milliarden Euro von Anlegern eingesammelt. Das bis Mai 2030 laufende Wertpapier notiere aktuell bei 99,80 Prozent, was einer Rendite von 2,416 entspreche. "Die Nachfrage war groß", wisse Brunner und nenne Irland als Beispiel für eine gelungene Rückkehr an den Kapitalmarkt.

Anders beurteile der Händler den Wunsch der Griechen nach Selbstständigkeit. "Das Land schafft es noch nicht allein." Der Meinung scheinen sich Anleger anzuschließen, so die Deutsche Börse AG. Das erkenne man an der größer werdenden Renditeschere zehnjähriger griechischer Anleihen mit aktuell 7,68 Prozent im Vergleich zu Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit.

"Ein sauberer Ausstieg aus dem Hilfsprogramm, wie es Irland, Portugal oder Spanien aus eigener Kraft geschafft haben, wird Griechenland nicht gelingen", denke auch Stopp. Der griechische Wunsch, mit seinen Geldgebern "auch über neue Beziehungen zu sprechen", lasse den Händler aufhorchen und an einen Schuldenschnitt nach dem Vorbild Zyperns oder zumindest eine zeitliche Streckung der Tilgung denken. "2013 hat Zypern Gläubiger durch einen Schuldenschnitt an der Rettung der maroden Banken beteiligt."

Mit der Stückelung von 100.000 Euro eher ein Angebot für Profis nenne Brunner zwei Neuemissionen von Apple. Aufgenommen habe der Branchenriese jeweils 1,4 Milliarden Euro für eine achtjährige Anleihe (ISIN XS1135334800 / WKN A1ZR66) mit einem Kupon von 1 Prozent und ein im Jahr 2026 fälliger Bond (ISIN XS1135337498 / WKN A1ZR67) mit einer jährlichen Verzinsung von 1,625 Prozent. "US-amerikanische Unternehmen nutzen die niedrigen Zinsen in Europa und profitieren zusätzlich von der Euro-Schwäche."

Zusätzliche Liquidität habe sich auch das Biotechnologie- und Pharmaunternehmen Novartis über zwei Schuldverschreibungen zu je 600 Millionen Euro verschafft, wie Stopp berichte. Eine bis September 2021 laufende Anleihe (ISIN XS1134758116 / WKN A1ZR2J) mit einem Kupon von 0,75 Prozent sei zu einem Kurs von 99,134 Prozent ausgegeben worden. Eine Anleihe mit geplanter Rückzahlung im Jahr 2026 und einer jährlichen Verzinsung von 1,625 Prozent hätten sich Anleger zu einem Preis von 99,697 Prozent ins Depot gelegt.

Immer noch auf der Suche nach höherer Ausbeute hätten Anleger nach Beobachtung von Stopp im Anleihehandel vermehrt zu Mittelstandswerten gegriffen. Gesucht sei beispielsweise ein Corporate Bond (ISIN XS0542369219 / WKN A1EWSC) von Rheinmetall mit einer aktuellen Rendite von 1,77 Prozent und einer Laufzeit bis September 2017. "Bei einem Kursniveau von rund 109,65 Prozent notiert der Wert auf seinem Jahreshoch."

Rege gekauft würde auch eine im Juli 2018 fällige Unternehmensanleihe von Wienerberger, mit der Anleger eine Rendite von rund derzeit 1,7 Prozent erzielen könnten. Zuspruch gebe es zudem für eine Anleihe (ISIN FR0011567940 / WKN A1HQZP) von Peugeot, die im Januar 2019 zur Rückzahlung anstehe und gegenwärtig 2,633 Prozent Rendite bringe.

Viel gehandelt würden bei Daniel derzeit Fremdwährungsanleihen (ISIN XS0864257349 / WKN A1RE8Q, ISIN XS0875628165 / WKN A1RE81) in Türkischer Lira, die in Summe aus den Depots raus kämen. "Die Währung ist zugunsten der Anleger gelaufen, die vermutlich ihre Gewinne glattstreichen", begründe der Händler.

Nachdem Golden Gate die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens angekündigt habe, sei die Anleihe (ISIN DE000A1KQXX5 / WKN A1KQXX) des Unternehmens nach einer Aussetzung nun wieder regulär handelbar, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichte. Das Immobilienunternehmen habe am 11. Oktober 2014 weder die fällige Anleihe noch den Zins bedienen können. Einen Kupon gebe es aufgrund ausstehender Zinszahlungen derzeit allerdings nicht.

"Damit besteht für Anleger zumindest die Möglichkeit, sich von ihren Wertpapieren zu einem Marktpreis von aktuell 16 Prozent zu trennen." Während der Handelsaussetzung hätten unseriöse Angebote für die Bonds zu Preisen von zum Teil 1,25 Prozent die Runde gemacht. Käufer der Schuldverschreibungen hätten auf mögliche Ansprüche aus einer Haftungserklärung des ehemaligen Geschäftsführers spekuliert, die der vorläufige Insolvenzverwalter geltend machen wolle. "Investoren hoffen, dass etwas raus kommt, wenn man den ehemaligen Chef auf den Kopf stellt und schüttelt."

Unter spekulativen Anlagen verbuche Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank die Nachfrage nach argentinischen Anleihen. Neben Altanleihen seien auch Papiere (ISIN XS0205545840 / WKN A0DUDG) betroffen, die bei den zwei Umschuldungsrunden 2005 und 2010 neu ausgegeben worden seien. Weil seit Juni zweimal die Zinsen nicht bedient worden seien, könnten diese Gläubiger jetzt die so genannte Cross-Default-Klausel aktivieren. In dem Fall kämen die gesamten betroffenen Schulden zur Rückzahlung. Allerdings müssten sich zur Aktivierung der Klausel 25 Prozent der Eigentümer einer Bond-Gruppe zusammenfinden. Stoppen könne die argentinische Regierung die Aktivierung der Klausel, indem sie mit Besitzern der Hälfte einer Anleihen-Gruppe eine Einigung erziele. Zudem sei fraglich, ob Argentinien die Mittel zur Rückzahlung habe. (07.11.2014/alc/a/a)





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