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Anleihen: Fallende Kurse und hohe Nachfrage
22.01.24 08:30
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Jahresauftakt an den Rentenmärkten bleibt unverändert von fallenden Kursen geprägt, so die Deutsche Börse AG.
Die Renditen langlaufender Staatsanleihen seien daher sowohl in der Eurozone als auch in den USA auf die höchsten Niveaus seit mehr als einem Monat gestiegen. Als Grund für diese Bewegungen würden die gedämpften Hoffnungen auf schnelle Zinssenkungen gelten. "Die Märkte haben zu viel vorweggenommen", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank, der schon zu Jahresbeginn vor einem gewissen Enttäuschungspotenzial gewarnt habe. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sei seit dem kurz nach Weihnachten markierten Tief bei 1,89 in der vergangenen Woche auf rund 2,30 Prozent geklettert. In den USA sei es von 3,78 auf 4,08 Prozent nach oben gegangen.
Forciert worden sei dieser Trend durch Konjunkturdaten und Aussagen verschiedener Notenbank-Mitglieder. "In den USA hat die Summe der seit Jahresbeginn veröffentlichten Makrodaten die Zweifel an einer schnellen geldpolitischen Kehrtwende geschürt", heiße es bei der LBBW. In der Eurozone hätten im Vorfeld der diese Woche anstehenden Notenbanksitzung vor allem die Äußerungen von EZB-Chefin Christine Lagarde für Aufsehen gesorgt. Die habe zwar eine erste Leitzinssitzung bis zum Sommer als "wahrscheinlich" eingestuft, gleichzeitig aber durchblicken lassen, dass sie den übermäßigen Optimismus der Marktteilnehmer bezüglich einer geldpolitischen Lockerung kritisch sehe.
"Man gewinnt den Eindruck, dass die Verantwortlichen für jeden etwas zu erzählen haben, damit alles abgedeckt ist", fasse Klaus Stopp von der Baader Bank auch mit Blick auf andere Kommentare zusammen. Der Händler gehe davon aus, dass die EZB eher noch etwas abwarten und die Datenlage beobachten werde. Bei der Kundschaft habe die gedämpfte Zinssenkungsfantasie zu Tauschoperationen geführt.
"Am kurzen Ende Geld zu parken, kann aktuell durchaus Sinn machen. Um attraktive Renditen zu erzielen, muss man nicht unbedingt Langläufer kaufen". Die seit Jahresbeginn am häufigsten gehandelte Anleihe an der Börse Frankfurt sei tatsächlich eine nur noch 18 Monate laufende Bundesanleihe gewesen, die aktuell eine Rendite von 2,8 Prozent biete. Knapp dahinter folge die sogar schon im Juni 2024 fällige Bundesanleihe (ISIN DE0001104883 / WKN 110488) mit einer Rendite von 3,7 Prozent.
Das Interesse von Seiten der Anleger*innen bleibe insgesamt sehr hoch. Das zeige sich vor allem an den zahlreichen Neuemissionen, die laut Tim Oechsner von der Steubing AG zumeist "stark überzeichnet" seien. Weil die Nachfrage nicht gestillt, werden könne, komme es im Sekundärmarkt zu Nachkäufen über die Börse. "Beliebt sind vor allem Anleihen deutscher Emittenten, idealerweise mit 1.000er Stückelung". Als Beispiele nenne der Experte eine von Volkswagen Leasing begebene Anleihe (ISIN XS2745725155 / WKN A2YN0F) mit einer Laufzeit bis 2027 und einer Rendite von 3,1 Prozent. Aus dem Handel der ICF Bank berichte Simone Wallmeyer ebenfalls von einer "lebhaften Aktivität am Primärmarkt". Auffällig sei hier eine mit 60 Jahren Laufzeit und einem 5,25%-Kupon begebene Nachranganleihe (ISIN XS2751678272 / WKN A35117) der ENBW.
Stark nachgefragt sei laut Wallmeyer unverändert die bis 2029 laufende US-Dollar-Anleihe (ISIN US260543BJ10 / WKN 450258) von Dow Chemical mit einer Rendite von 4,9 Prozent. "Hier wird seit Wochen immer mal wieder beherzt zugegriffen". Die Nachfrage könne dabei ohne bemerkenswerte Kursveränderungen befriedigt werden. Mehrheitlich verkauft worden sei hingegen trotz einer Rendite von 11,3 Prozent die bis 2027 laufende Anleihe (ISIN NO0012530965 / WKN A30V9T) von Mutares, die von 150 Mio. Euro Volumen um weitere 100 Mio. Euro aufgestockt werde. "Nach Bekanntgabe dieser Pläne trennte sich der informierte Anleger von seinem Bestand". In der Folge sei der Kurs der Anleihe um gut zwei Prozent auf aktuell ca. 104,5 Prozent gefallen.
Bei der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank habe unter anderem die seit März 2023 kontinuierlich im Kurs gestiegene Anleihe (ISIN XS2078696866 / WKN A2R98B) von Grenke im Fokus gestanden. Die Rendite des noch zwölf Monate laufenden Papiers betrage aktuell 4,3 Prozent. Im Falle der erst 2075 fälligen Anleihe (ISIN XS1271836600 / WKN A161YP) der Deutschen Lufthansa mache Daniel die Aufstufung durch Moody's (mit stabilem Ausblick) für die steigende Nachfrage verantwortlich. Verkauft worden sei indes der bis 2027 laufende Bond (ISIN DE000A351WB9 / WKN A351WB) von Sixt, nachdem der Autovermieter eine neue Anleihe über 500 Mio. Euro in die Zeichnung gegeben habe. (Ausgabe vom 19.01.2024) (22.01.2024/alc/a/a)
Die Renditen langlaufender Staatsanleihen seien daher sowohl in der Eurozone als auch in den USA auf die höchsten Niveaus seit mehr als einem Monat gestiegen. Als Grund für diese Bewegungen würden die gedämpften Hoffnungen auf schnelle Zinssenkungen gelten. "Die Märkte haben zu viel vorweggenommen", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank, der schon zu Jahresbeginn vor einem gewissen Enttäuschungspotenzial gewarnt habe. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sei seit dem kurz nach Weihnachten markierten Tief bei 1,89 in der vergangenen Woche auf rund 2,30 Prozent geklettert. In den USA sei es von 3,78 auf 4,08 Prozent nach oben gegangen.
Forciert worden sei dieser Trend durch Konjunkturdaten und Aussagen verschiedener Notenbank-Mitglieder. "In den USA hat die Summe der seit Jahresbeginn veröffentlichten Makrodaten die Zweifel an einer schnellen geldpolitischen Kehrtwende geschürt", heiße es bei der LBBW. In der Eurozone hätten im Vorfeld der diese Woche anstehenden Notenbanksitzung vor allem die Äußerungen von EZB-Chefin Christine Lagarde für Aufsehen gesorgt. Die habe zwar eine erste Leitzinssitzung bis zum Sommer als "wahrscheinlich" eingestuft, gleichzeitig aber durchblicken lassen, dass sie den übermäßigen Optimismus der Marktteilnehmer bezüglich einer geldpolitischen Lockerung kritisch sehe.
"Am kurzen Ende Geld zu parken, kann aktuell durchaus Sinn machen. Um attraktive Renditen zu erzielen, muss man nicht unbedingt Langläufer kaufen". Die seit Jahresbeginn am häufigsten gehandelte Anleihe an der Börse Frankfurt sei tatsächlich eine nur noch 18 Monate laufende Bundesanleihe gewesen, die aktuell eine Rendite von 2,8 Prozent biete. Knapp dahinter folge die sogar schon im Juni 2024 fällige Bundesanleihe (ISIN DE0001104883 / WKN 110488) mit einer Rendite von 3,7 Prozent.
Das Interesse von Seiten der Anleger*innen bleibe insgesamt sehr hoch. Das zeige sich vor allem an den zahlreichen Neuemissionen, die laut Tim Oechsner von der Steubing AG zumeist "stark überzeichnet" seien. Weil die Nachfrage nicht gestillt, werden könne, komme es im Sekundärmarkt zu Nachkäufen über die Börse. "Beliebt sind vor allem Anleihen deutscher Emittenten, idealerweise mit 1.000er Stückelung". Als Beispiele nenne der Experte eine von Volkswagen Leasing begebene Anleihe (ISIN XS2745725155 / WKN A2YN0F) mit einer Laufzeit bis 2027 und einer Rendite von 3,1 Prozent. Aus dem Handel der ICF Bank berichte Simone Wallmeyer ebenfalls von einer "lebhaften Aktivität am Primärmarkt". Auffällig sei hier eine mit 60 Jahren Laufzeit und einem 5,25%-Kupon begebene Nachranganleihe (ISIN XS2751678272 / WKN A35117) der ENBW.
Stark nachgefragt sei laut Wallmeyer unverändert die bis 2029 laufende US-Dollar-Anleihe (ISIN US260543BJ10 / WKN 450258) von Dow Chemical mit einer Rendite von 4,9 Prozent. "Hier wird seit Wochen immer mal wieder beherzt zugegriffen". Die Nachfrage könne dabei ohne bemerkenswerte Kursveränderungen befriedigt werden. Mehrheitlich verkauft worden sei hingegen trotz einer Rendite von 11,3 Prozent die bis 2027 laufende Anleihe (ISIN NO0012530965 / WKN A30V9T) von Mutares, die von 150 Mio. Euro Volumen um weitere 100 Mio. Euro aufgestockt werde. "Nach Bekanntgabe dieser Pläne trennte sich der informierte Anleger von seinem Bestand". In der Folge sei der Kurs der Anleihe um gut zwei Prozent auf aktuell ca. 104,5 Prozent gefallen.
Bei der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank habe unter anderem die seit März 2023 kontinuierlich im Kurs gestiegene Anleihe (ISIN XS2078696866 / WKN A2R98B) von Grenke im Fokus gestanden. Die Rendite des noch zwölf Monate laufenden Papiers betrage aktuell 4,3 Prozent. Im Falle der erst 2075 fälligen Anleihe (ISIN XS1271836600 / WKN A161YP) der Deutschen Lufthansa mache Daniel die Aufstufung durch Moody's (mit stabilem Ausblick) für die steigende Nachfrage verantwortlich. Verkauft worden sei indes der bis 2027 laufende Bond (ISIN DE000A351WB9 / WKN A351WB) von Sixt, nachdem der Autovermieter eine neue Anleihe über 500 Mio. Euro in die Zeichnung gegeben habe. (Ausgabe vom 19.01.2024) (22.01.2024/alc/a/a)
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