Anleihemarkt: Erwartungen an US-Zinsanhebung angeheizt


02.11.15 10:11
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In den USA wird eine Zinsanhebung im Dezember wahrscheinlicher, in der Eurozone deutet hingegen alles auf weitere geldpolitische Lockerungen hin, so die Deutsche Börse AG.

"Die US-Notenbank hat die Tür für eine Leitzinsanhebung im Dezember weit geöffnet", kommentiere die Helaba.

Die FED habe auf ihrer Sitzung am Mittwoch zwar keine eindeutigen Hinweise auf einen Zinsschritt im Dezember gegeben, sie prüfe aber, ob eine Leitzinsanhebung auf dem nächsten Treffen angemessen sei. Die Entscheidung sei von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung abhängig, die internationale Lage werde nicht mehr so kritisch gesehen. "Die Kurse von US-Treasuries sanken nach dem Statement, der Euro gab auf 1,09 US-Dollar nach", berichte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Auch Bundesanleihen hätten nachgegeben. Im Wochenvergleich gebe es aber kaum eine Veränderung: Der Euro-Bund-Future notiere am heutigen Freitag bei 157,49 Punkten nach 157,46 vor einer Woche, zehnjährige Bundesanleihen würden 0,52 Prozent abwerfen, vergangenen Freitag seien es 0,51 Prozent gewesen. Zwischenzeitlich sei der Euro-Bund-Future allerdings bis auf 158,60 Prozent geklettert, ein Sechsmonatshoch, die Rendite für zehnjährige Bundespapiere habe kurzzeitig nur noch bei 0,425 Prozent gelegen. Hintergrund sei die vergangene Woche von der EZB in Aussicht gestellte Ausweitung des Anleihekaufprogramms gewesen.

Zur Wochenmitte habe die deutsche Finanzagentur die zehnjährige Bundesanleihe (ISIN DE0001102382 / WKN 110238) mit Fälligkeit August 2025 um drei Milliarden Euro aufgestockt, wie Tillmann melde, bei einer Rendite von 0,44 Prozent. Arthur Brunner von der ICF Bank zufolge sei die Nachfrage nicht besonders hoch gewesen. "Das ist aber derzeit schon normal."

"Der US-Rentenmarkt dürfte nächste Woche wieder stärker von den Konjunkturindikatoren bestimmt werden", meine Markus Koch von der Commerzbank. Im Euroraum werde die jüngste Kehrtwende bei den zehnjährigen Bund-Renditen voraussichtlich Bestand haben. "Wir rechnen eher mit weiter steigenden Renditen."

Hohe Umsätze im Bereich der Unternehmensanleihen gebe es weiterhin in VW-Papieren, laut Brunner etwa in Anleihen von Volkswagen International, ebenso wie von Volkswagen Leasing. "Die Quartalszahlen wurden positiv aufgenommen." Auch Tillmann zufolge seien einzelne VW-Anleihen (ISIN XS0873793375 / WKN A1HERD) nach dem Kursrutsch vor zwei Wochen gefragt. "Ein Teil des Kursrückgangs konnte wieder aufgeholt werden." Die Bekanntgabe der Strategie des neuen Deutsche Bank-Chefs John Cryan habe darüber hinaus zu ersten Abgaben in Nachranganleihen der Bank geführt.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichte von Käufen in einer Lufthansa-Anleihe. Die Airline habe am gestrigen Donnerstag Zahlen für die ersten neun Monate vorgelegt, die positiv überrascht hätten. Für das Gesamtjahr könnte ein Rekordergebnis eingefahren werden.

Rainer Petz von Oddo Seydler berichte von einem volatilen Handel in Bombardier-Anleihen, und zwar sowohl den auf Euro lautenden mit Stückelung von 100.000 Euro (ISIN XS0552915943 / WKN A1A21H) als auch den auf US-Dollar lautenden mit Stückelung von 2.000 US-Dollar (ISIN USC10602AY36 / WKN A1ZFW8). "Erst ging der Kurs nach oben, dann wieder nach unten", erkläre der Händler.

Der kanadische Verkehrstechnikkonzern habe einen milliardenschweren Verlust bekannt geben müssen, nun springe der kanadische Staat im Rahmen eines Joint Ventures bei. Sehr hohe Umsätze beobachte Petz auch in einer neuen Anleihe (ISIN DE000A168478 / WKN A16847) der Gothaer Allgemeinen Versicherungen, die bis 2045 laufe und einen Kupon von 6 Prozent biete. Die Mindestanlagesumme liege allerdings bei 100.000 Euro.

Neue Anleihen gebe es zudem von der Deutschen Bahn und Daimler, wie Brunner berichte: Die Deutsche Bahn biete 1,625 Prozent bis zum November 2030, Daimler 0,625 Prozent bis 2020. In beiden Fällen liege die Stückelung bei 1.000 Euro.
Weiter in der Zeichnung sei eine fünfjährige Anleihe (ISIN DE000A161Y52 / WKN A161Y5) der Joh. Friedrichs Behrens AG mit Kupon von 7,75 Prozent und Laufzeit bis 2020. Der Produzent von Werkzeugmaschinen plane die Aufnahme von bis zu 25 Millionen Euro in einer Stückelung von 1.000 Euro.

Brunner zufolge gebe es außerdem einen neuen Bond (ISIN XS1314321941 / WKN A1Z9QR) von Zypern sowie ein Rückkaufangebot für alte Anleihen (ISIN XS0483954144 / WKN A1AS1P; ISIN XS1064662890 / WKN A1ZHZM). Die neue Anleihe laufe bis 2025, der Kupon betrage 4,25 Prozent. (Ausgabe vom 30.10.2015) (02.11.2015/alc/a/a)





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