getgoods.de-Anleihe: Überraschende Insolvenz - Coverage eingestellt


18.11.13 12:15
GBC AG

Augsburg (www.anleihencheck.de) - Die Analysten der GBC AG stellen die Coverage für die Unternehmensanleihe (ISIN DE000A1PGVS9 / WKN A1PGVS) der getgoods.de AG (ISIN DE0005560601 / WKN 556060) ein.

Am 14.11.2013 habe die getgoods.de AG sehr unerwartet angekündigt, für die Tochtergesellschaft getgoods.de Vertriebs GmbH und die Holdinggesellschaft getgoods.de AG kurzfristig die Insolvenz zu beantragen. Hintergrund dessen sei laut Unternehmensmeldung der Verlust des hälftigen Stammkapitals sowie die Zahlungsunfähigkeit der getgoods.de Vertriebs GmbH. Dadurch sei auch die Holdingsgesellschaft getgoods.de AG betroffen. Gespräche mit Investoren zur Vermeidung der Insolvenz seien offenbar gescheitert.

Für die Analysten komme die plötzliche Zahlungsunfähigkeit sehr überraschend und unerwartet. Noch am 15.07.2013 habe die Gesellschaft gemäß einer Unternehmensmeldung über 9 Mio. EUR an liquiden Mitteln verfügt. Zudem habe die Gesellschaft noch am 21.10.2013 gemeldet, dass der verbleibende Teil der emittierten Unternehmensanleihe nun vollständig platziert worden sei. Bei einem platzierten Gesamtvolumen von nunmehr 60,00 Mio. EUR müssten dem Unternehmen damit in den vergangenen Monaten erhebliche finanzielle Mittel zugeflossen sein.

Darüber hinaus sei den Analysten eine entsprechende Tendenz auch nicht vor dem Hintergrund der operativen Entwicklung ersichtlich gewesen. Im ersten Halbjahr 2013 habe die getgoods.de AG einen Umsatz in Höhe von 224,41 Mio. EUR und ein Nachsteuerergebnis von 1,47 Mio. EUR erwirtschaftet. Gemäß Unternehmensmeldung vom 07.11.2013 sei die Umsatzentwicklung auch im Verlauf des dritten Quartals erfolgreich vorangetrieben worden.

Demnach habe das Unternehmen in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres Umsatzerlöse in Höhe von 416,0 Mio. EUR und damit 49% mehr als im Vorjahreszeitraum erlöst. Im dritten Quartal habe der Zuwachs sogar bei 81% auf 191,6 Mio. EUR gelegen, was auch auf die Übernahme der 004 Trading GmbH und deren Tochtergesellschaften sowie der xgsm.com GmbH im Mai 2013 zurückzuführen gewesen sein dürfte.

Die Veröffentlichung der Ergebniszahlen für das dritte Quartal 2013 und die ersten neun Monate 2013 sollte am 25.11.2013 erfolgen. Eine Einschätzung zur Ertragslage und zur bilanziellen Situation der Gesellschaft zum 30.09.2013 sei den Analysten deshalb seit Veröffentlichung des Halbjahresberichtes 2013 nicht mehr möglich gewesen.

Auf Basis aller ihnen öffentlich zugänglichen Informationen sei es den Analysten nicht möglich gewesen, die gemeldete Zahlungsunfähigkeit zu antizipieren. Wie bereits erwähnt, hätten die Halbjahreszahlen 2013 sowie die in der Zwischenzeit veröffentlichten Unternehmensmeldungen keinen Anlass dazu gegeben, von einer Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft auszugehen. Aus diesem Grund habe die Meldung der Zahlungsunfähigkeit die Analysten sehr überraschend und unerwartet erreicht.

Eine Erklärung für diese nebulöse Entwicklung hätten die Analysten derzeit nicht. Scheinbar müsse es im dritten Quartal zu massiven Zahlungsabflüssen gekommen sein, welche die Zuflüsse aus der weiteren Anleiheplatzierung überschritten hätten.

Auch müssten erhebliche Verluste generiert worden sein, die den Verlust des hälftigen Stammkapitals bei der getgoods.de Vertriebs GmbH verursacht hätten. Wie diese zu Stande gekommen seien, würden die Analysten derzeit nicht wissen. Ebenfalls als ungewöhnlich würden die Analysten den starken Kurssturz der Aktie und der Anleihe erachten an den Tagen bevor die Meldung der Zahlungsunfähigkeit veröffentlicht worden sei.

Wenngleich der Wachstumskurs der getgoods.de AG sehr kapitalintensiv gewesen sei, hätten die veröffentlichten Unterlagen keinen Anlass dazu gegeben, eine akute Gefährdung der Finanzierung der Gesellschaft oder der Liquidität anzunehmen, was die weitere Platzierung der Unternehmensanleihe zuletzt bestätigt habe.

Auch die Herabstufung der Ratingnote durch Creditreform von der Ratingnote BBB- auf BB habe noch nicht die Annahme einer solchen Entwicklung gerechtfertigt. Wenngleich die Analysten ihre Ratingeinschätzung im Zuge dessen um eine Stufe reduziert hätten, habe sich keine dramatische Verschlechterung der operativen Entwicklung abgezeichnet.

Die Analysten würden hoffen, dass sich die nebulösen Umstände der Zahlungsunfähigkeit rasch aufklären würden und im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine Einigung mit Investoren gefunden werde, um die Existenz der Gesellschaft zu retten und eine angemessene Quote für die Anleihegläubiger zu erreichen.

Im Zuge der Meldung der Zahlungsunfähigkeit stellen die Analysten der GBC AG die Coverage für die Unternehmensanleihe der getgoods.de AG ein. (Ausgabe vom 15.11.2013) (18.11.2013/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.