Was die Rückkehr der Inflation für Investoren bedeutet


21.02.17 11:15
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - Nach Jahren niedriger Inflationsraten deutet sich eine Trendwende an: Die Inflation steigt wieder, so die Experten von AXA Investment Managers.

Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers (AXA IM) kommentiere:

Was früher oder später habe passieren müssen, geschehe nun tatsächlich: Nach Jahren einer nie dagewesenen Reflationierungs-Politik rund um den Globus habe die Inflation zu steigen begonnen. Insbesondere in den USA hätten Spot- und Forward-Inflationsindikatoren nach den Präsidentschaftswahlen angezogen, weil zusätzliche Unterstützung durch die Haushaltspolitik erwartet worden sei, während die Schwäche des Britischen Pfund die Inflation in Großbritannien auf 1,8 Prozent habe steigen lassen. In den kommenden Monaten könnte sogar ein weiterer Anstieg bevorstehen.

Höhere Rohstoffpreise hätten den Anstieg der europäischen Inflationskennziffern gestützt. Man könnte argumentieren, dies sei ein zyklisches Phänomen. Das stimme auch - hier seien zyklische Kräfte am Werk. Die Experten würden allerdings denken, es wäre nicht klug, über diesen Befund die Slow-Motion-Mechanik der sich schließenden Produktionslücken zu ignorieren.

Tatsächlich hätten sich Zukunftsindikatoren wie die Breakeven-Inflation ebenfalls nach oben bewegt - und zwar sowohl in den USA (auf 2,4 Prozent) als auch in Europa (auf 1,8 Prozent). Dies habe eindeutig auch Folgen für langfristig orientierte Investoren. Diese würden einerseits die Aktiv-Seite der Bilanz, andererseits aber auch die Verpflichtungen betreffen, denn die Höhe der Schadensregulierungskosten korreliere mit der Inflation.

- Erstens sollte der Anstieg der Inflation zurück auf ein normales Niveau die Anleiherenditen steigen lassen. Dies spreche für Real Assets wie langfristig vermietete Immobilien, Infrastrukturdarlehen und ähnliche Anlagen. Tatsächlich könnten auch Aktien eine Absicherung gegen Inflation bieten - allerdings mit einem großen Haken: Die ihnen eigene hohe Volatilität führe zu hohen Kapitalerfordernissen. Ein systematisches und diszipliniertes Overlay-Management, dass das Kapital gegen Risiken absichere, biete sich als elegante und umsetzbare Lösung dieses Problems an.

- Zweitens würden inflationsindexierte Anleihen, insbesondere aus den USA angesichts eines engen Arbeitsmarktes und leicht steigender Arbeitskosten derzeit als "Must Have" erscheinen. In dieser Hinsicht liege die Eurozone allerdings weit zurück. Mit einem sich allmählich verbessernden Arbeitsmarkt und Wirtschaftswachstum in der Nähe von 1,5 Prozent könnte sich die Produktionslücke jedoch allmählich verringern.

- Drittens könnten Investoren mit dem Voranschreiten des Konjunkturzyklus um unkorrelierte und weniger liquide Anlagen wie Insurance-Linked Securities anreichern, um einen gewissen Schutz gegen eine steigende Volatilität aufzubauen.

- Und viertens könnten Inflationsswaps helfen, die Bilanz gegen steigende Schadensregulierungskosten abzusichern. (Ausgabe vom 20.02.2017) (21.02.2017/alc/a/a)