US-Zollpolitik: Mehr Stagnation oder mehr Inflation?


27.06.25 14:17
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank Fed bewegt sich nach wie vor im unangenehmen Spannungsfeld einer möglichen spürbaren konjunkturellen Abkühlung bei gleichzeitig drohendem höheren Preisdruck, so die Analysten der Helaba.

Beides verdanke sie der Handelspolitik von Präsident Trump, der keine Gelegenheit auslasse, Fed-Präsident Powell wüst zu beschimpfen. Dessen undankbarer Job werde noch erschwert von der weiterhin unklaren Datenlage. Während die bisher fest verankerten Inflationserwartungen der privaten Haushalte in den vergangenen Monaten ins Rutschen gekommen seien und die Laufzeitprämien am Rentenmarkt angezogen hätten, hätten die Verbraucherpreisdaten selbst zunächst wenig von den befürchteten Zolleffekten gezeigt.

Es sei allerdings wahrscheinlich, dass die Verbraucher aufgrund der Schwemme von ins erste Quartal vorgezogenen Importen eine Schonfrist erhalten hätten, weil so viele Waren noch vor Einführung der Zölle ins Land gekommen seien. Die höheren Preise seien wohl nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Auch sei nicht ausgemacht, dass die aktuelle, relativ entspannte Situation - vis-à-vis China, aber auch bei all den anderen "reziproken" Zöllen - von Dauer sein werde. Schon im Juli könne eine neuerliche Eskalation drohen, wenn es keine "Deals" gebe. Dennoch dauere es offenbar länger als angenommen, bis der Zolleffekt in den Verbraucherpreisen ankomme. Der Schwerpunkt verschiebe sich damit von 2025 nach 2026. Die Analysten würden dem in ihrer Inflationsprognose Rechnung tragen, indem sie die Jahreswerte für 2025 von 3,3% auf 3,0% und für 2026 von 3,0% auf 3,3% anpassen würden.

In der Berichtswoche ständen hingegen hauptsächlich Daten auf dem Programm, die die andere Seite des Problems der Fed beleuchteten: die Realwirtschaft. Zwar würden die ISM-Umfragen auch Informationen zu Preisen bringen - die "Prices Paid"-Indizes seien derzeit ungewöhnlich hoch, vor allem angesichts des in den vergangenen Monaten im Trend rückläufigen Ölpreises. Auch die Äußerungen von Umfrageteilnehmern, die das ISM jeden Monat zitiere, würden sich aktuell primär um die Zollpolitik und ihre Auswirkungen auf Preise und Güterverfügbarkeit drehen. Aber im Kern sei der Einkaufsmanagerindex der zentrale Frühindikator für die Konjunktur - und er zeige bislang keine abrupte Verschlechterung der Lage an.

Mit 48,5 habe der Index für die Industrie im Mai exakt auf seinem Durchschnitt der letzten zwölf Monate gelegen. Der Dienstleistungsindex sei mit rund 50 genau auf der Trennlinie zwischen Expansion und Schrumpfung. Im Juni würden die Analysten für beide Indikatoren keine größere Änderung erwarten. Per saldo entspanne sich die Lage an der Handelsfront wohl. Das Damoklesschwert der 90-Tage-Deadlines schwebe aber weiter über den Unternehmen.

Bevor sich die Amerikaner dann am Freitag zum Nationalfeiertags-Barbecue um die Grills versammeln würden, folge am Donnerstag noch der Arbeitsmarktbericht für den Juni. Hier werde spannend, ob es Anzeichen dafür gebe, dass die Unternehmen auf die gestiegene politische Unsicherheit mit weniger Einstellungen oder gar Entlassungen reagieren würden. In den Job-Daten der vergangenen Monate sei nach der graduellen Abkühlung bis 2024 eine im Schnitt stabile Dynamik zu beobachten gewesen. Eine plötzliche Schwäche wäre ein Argument, das die Fed auf den Plan rufen könnte. Für den Juni rechnen die Analysten der Helaba mit einem Stellenaufbau von etwa 100.000 und einer leicht höheren Arbeitslosenquote (4,3% nach 4,2%). (27.06.2025/alc/a/a)