US-Inflation im März auf Rekordhoch


19.04.22 10:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Inflation ist im März um 8,5 Prozent angestiegen, so die Experten von Union Investment.

Dies sei letztlich alles andere als überraschend gewesen, aber etwas mehr als von den Analysten erwartet (Bloomberg-Konsens 8,4 Prozent). Damit dürfte sich die US-Notenbank in ihrer restriktiven Geldpolitik bestätigt sehen. An den Staatsanleihemärkten, vor allem in den USA, sei es in der um den Karfreitag verkürzten Handelswoche zu einer Konsolidierung gekommen. Der ansteigende Renditetrend habe sich, zumindest in den USA, nicht weiter fortgesetzt. Die Aktienmärkte hätten in der verkürzten Handelswoche überwiegend leicht rückläufige Notierungen verzeichnet. Die Inflationsentwicklung habe belastet, zudem habe die Lage in der Ukraine auf die Stimmung gedrückt. In der Berichtswoche habe zudem die Bilanzberichtssaison zum 1. Quartal an Fahrt aufgenommen. Die Europäische Zentralbank habe am Donnerstag auf ihrer Sitzung am bislang skizzierten Weg zur Normalisierung ihrer Geldpolitik festgehalten. Wie erwartet seien die maßgeblichen Zinssätze unverändert geblieben. Die Juni-Sitzung mit den dann neuen wirtschaftlichen Projektionen werde dann entscheidend sein.

Die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten habe im März rekordverdächtige Höhen erreicht. Mit 8,5 Prozent sei eine Zuwachsrate erzielt worden, wie sie zuletzt zu Beginn der 1980er Jahre zu beobachten gewesen sei. Der Anstieg sei wie bereits in den Vormonaten in erster Linie den Energiepreisen, vor allem beim Heizöl, geschuldet gewesen. Die um die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kernrate habe aber mit 6,5 Prozent ebenfalls deutlich abgenommen, wenngleich diese leicht unter dem Marktkonsens gelegen habe. Neben Lebensmitteln seien Bekleidung und Neufahrzeuge teurer geworden, die Gebrauchtwagenpreise seien gegenüber dem Vormonat hingegen rückläufig gewesen. Wir gehen davon aus, dass wir im März noch nicht den Höhepunkt der Preissteigerung in den USA gesehen haben, so die Experten von Union Investment. Im April dürfte die Inflationsrate nochmal zulegen, aktuell würden die Experten mit einem Plus von 8,7 Prozent rechnen.

Einen starken Anstieg hätten zudem die US-Produzentenpreise verbucht. Mit plus 11,2 Prozent im März hätten diese über den Erwartungen gelegen (plus 10,6 Prozent) und beim seit 2010 errechneten Index ein Rekordhoch erreicht. Unter Berücksichtigung der alten Berechnungsweise habe der Preisanstieg mit 15,2 Prozent so hoch gelegen wie zuletzt 1975.

Der rekordverdächtige Preisanstieg im März liefere jedenfalls der US-Notenbank FED weitere Munition für eine restriktivere Geldpolitik. Ein Zinsschritt um 50 Basispunkte in der kommenden Sitzung Anfang Mai sei sehr wahrscheinlich. Die FED habe letztlich die Preisdynamik unterschätzt und stehe nun unter Druck, entsprechend deutlich entgegenzuwirken. Die jüngsten Kommentare einiger FED-Mitglieder im Zuge der Inflationsdaten würden klar darauf hinweisen. Allerdings habe der Ausbruch des Krieges in der Ukraine die amerikanischen Notenbanker im März davon abgehalten, den Leitzins stärker als 25 Basispunkte zu erhöhen. Weitere Zinsanhebungen und ein rascher Beginn des Bilanzabbaus dürften damit nun folgen. Ende des Jahres könnte das Zielband der FED Funds Rate bei 2,0 bis 2,25 Prozent (aktuell 0,25 bis 0,50 Prozent) liegen.

In Großbritannien habe sich die jüngste Preisentwicklung zwar nicht so stark wie in den USA gezeigt. Mit sieben Prozent insgesamt und 5,7 Prozent in der Kernrate sei die Inflation aber höher gewesen als erwartet. Dort sollte es nach Einschätzung der Experten demnächst mit einer acht vor dem Komma ebenfalls noch nach oben gehen. Die Bank of England werde höchstwahrscheinlich im Mai mit einer Zinserhöhung von 25 Basispunkten folgen.

Auf die Inflationsentwicklung hätten in dieser Woche sowohl die Kanadische als auch die Neuseeländische Zentralbank (RBNZ) reagiert. Mit einem unerwartet kräftigen Zinsschritt der RBNZ von 50 Basispunkten auf 1,5 Prozent habe keiner der Marktteilnehmer gerechnet. Diese wolle mit der stärksten Zinserhöhung seit 22 Jahren das Risiko steigender Inflationserwartungen reduzieren und steuere gleich zu Anbeginn der Entwicklung deutlich entgegen. In die gleiche Kerbe habe die Kanadische Zentralbank (Bank of Canada) geschlagen. Mit 50 Basispunkten auf nun 1,0 Prozent sei ebenfalls ein größerer Zinsschritt vorgenommen worden.

Der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung habe für April deutlich schwächer tendiert, aber weitaus nicht so negativ wie erwartet. Die Erwartungskomponente der befragten Finanzmarktexperten sei um zwei auf minus 41 Punkte gefallen, die Einschätzung sei mit minus 48,5 Punkten deutlich pessimistischer gewesen. Die Lagebeurteilung habe um 9 auf minus 30,8 Punkte nachgegeben, der Konsens habe hingegen bei minus 35 Punkten gelegen. Im ersten Halbjahr scheine sich aktuell alles in Richtung Stagnation zu bewegen, auf eine Rezession deute derzeit weniger hin. (Ausgabe vom 14.04.2022) (19.04.2022/alc/a/a)