US-Inflation im Juli auf hohem Niveau


16.08.21 11:35
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Inflation lag im Juli im Vergleich zum Vorjahr weiter auf hohem Niveau, so die Experten von Union Investment.

Zum Vormonat Juni sei aber ein Rückgang der Dynamik zu verzeichnen gewesen. Vor allem sei die rückläufige Kernrate (ohne Energie und Lebensmittel) positiv bewertet worden. Nach der Bekanntgabe der Daten habe es einige Marktschwankungen gegeben, man sei dann aber recht schnell zur Tagesordnung übergegangen. An den Aktienbörsen hätten zahlreiche Indices in Europa und in den USA weitere Rekordstände verzeichnet. Am US-Staatsanleihemarkt habe es zuletzt rückläufige Notierungen gegeben, die richtungsweisende Zehnjahresrendite sei dort etwas angestiegen. Deutsche Bundesanleihen hätten im Sommermodus seitwärts tendiert.

Die US-Inflationsdaten für Juli hätten im Rahmen der Erwartungen gelegen. Die Konsumentenpreise seien in der Breite gegenüber dem Juli des Vorjahres um 5,4 Prozent angestiegen (Bloomberg-Konsens 5,3 Prozent). Die stark gestiegenen Energiepreise sowie Re-opening-Effekte wie im Hotel- und Gaststättengewerbe hätten maßgeblich dazu beigetragen. Die um die schwankungsanfälligen Lebensmittel- und Energiepreise bereinigte Kernrate sei leicht von 4,5 auf nunmehr 4,3 Prozent zurückgegangen.

Im Vergleich zum Vormonat Juni habe sich eine erfreulich rückläufige Dynamik gezeigt, denn die Gesamtinflation sei nur noch um 0,5 Prozent angestiegen (Juni plus 0,9 Prozent). Die Kernrate habe sich zudem nur leicht um 0,3 Prozent erhöht. Bei der Preisentwicklung könnte in einigen Sektoren, wie etwa bei den Gebrauchtwagen, der Zenit bereits überschritten sein. Allerdings weisen die jüngsten US-Produzentenpreise (plus 1,0 Prozent im Juli) darauf hin, dass der aktuelle Preisbuckel uns noch eine Weile begleiten könnte, bevor wir wieder eine rückläufige Entwicklung der Inflationsraten beobachten können, so die Experten von Union Investment. Allerdings dürfte der Preisdruck in den kommenden Jahren in der Breite strukturell etwas zulegen. Die US-Notenbank FED werde die Entwicklung jedenfalls aufmerksam begleiten.

In den USA habe der für mittelständische US-Unternehmen repräsentative NFIB-Stimmungsindex im Juli von 102,5 auf 99,7 Punkte nachgegeben. Die Lieferkettenproblematik und die offene Stellenbesetzung am US-Arbeitsmarkt seien altbekannte Belastungsfaktoren gewesen.

In China hätten Import- und Exportdaten im Rahmen der Erwartungen gelegen. Ein zuletzt schwächeres Kreditwachstum passe ins Bild einer jüngst nachlassenden Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung.

Beim deutschen ZEW-Index sei der Optimismus der deutschen Finanzexperten auf dem Rückzug. Die ZEW-Geschäftserwartungen seien im August spürbar um 22,9 Punkte auf 40,4 Zähler zurückgegangen. Doch dies sollte kaum überraschen, denn es sei zuletzt so zuversichtlich wie selten in die Zukunft geschaut worden. Im Vormonat seien es kaum fünf Prozent der Befragten gewesen, die für die kommenden sechs Monate mit einer Verschlechterung der Lage gerechnet hätten. Dass der Optimismus nachlasse, je länger ein Aufschwung dauere, liege fast in der Natur der Sache. So sei die aktuelle Lage erneut besser bewertet worden als im Vormonat und die erwarteten weiteren Konjunkturverbesserungen würden damit von einem höheren Ausgangsniveau kommen.

Bemerkenswert sei, wie der turbulente Juli mitsamt der Verbreitung der neuen Corona-Variante und der angepassten Strategie der Europäischen Zentralbank in den Erwartungen verarbeitet worden sei. Trotz des neuen Inflationsziels würden weniger Befragte mit einer höheren Teuerungsrate auf Sicht von sechs Monaten als noch vor einem Monat rechnen. Die Angst vor einer anhaltend höheren Preisdynamik nach dem zu erwartenden Inflationshöhepunkt im vierten Quartal scheine also die Finanzgemeinde nicht umzutreiben. Dementsprechend hätten sich auch die Erwartungen an steigende langfristige Zinsen nicht noch weiter erhöht. Die Rentenmärkte könnten also möglicherweise vor einem impulsarmen Spätsommer stehen. (Ausgabe vom 13.08.2021) (16.08.2021/alc/a/a)