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USA: Kerninflation steigt auf 3,1% - FED-Senkung rückt näher
15.08.25 09:00
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - In den USA stand in dieser Woche die Veröffentlichung der VPI-Inflationszahlen für Juli im Fokus, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Die Daten hätten dabei mit überraschenden Tendenzen aufgewartet. So habe die viel beachtete Kernkomponente zwar wie erwartet von 0,2% p.m. auf 0,3% p.m. zugelegt. Ausschlaggebend hierfür sei allerdings weniger ein zollinduzierter höherer Preisdruck in der Kerngüterkomponente gewesen, sondern vielmehr eine stärkere Inflationsdynamik bei den Kerndienstleistungen. Die US-Zölle würden sich also weiterhin nicht in maßgeblich erhöhten Inflationsraten niederschlagen, nichtsdestotrotz liege die Inflation in der Gesamtbetrachtung aber weiterhin auf einem zu hohen Niveau (Gesamtinflation: 2,7% p.a., Kerninflation: 3,1% p.a.). Diesen Eindruck sollten auch die PCE-Inflationsdaten für Juli bestätigen, welche übernächste Woche erscheinen würden.
Zeitgleich würden auch die Wachstumsdynamiken in den USA mit Argusaugen beobachtet, insbesondere da der jüngste Arbeitsmarktbericht auf eine merklich schwächere Beschäftigungsdynamik während der letzten Monate hingewiesen habe. Die vor kurzem veröffentlichten ISM-Indices für Juli hätten nicht dazu beigetragen, die Wachstumssorgen zu mindern, seien doch beide Subkomponenten (Verarbeitendes und Nicht-Verarbeitendes Gewerbe) klar unter den Erwartungen gelegen. Nächste Woche stünden bereits die PMI-Schnellschätzungen für August auf der Agenda. Die PMIs hätten sich in den USA zuletzt noch positiver als die ISM-Indices präsentiert, was die Frage nahelege, ob dies auch in den nächsten Monaten so bleiben werde.
Auch in der Eurozone erscheinen PMI-Zahlen für August, so die Analysten der RBI. Der PMI für den Industriesektor habe sich seit Jahresbeginn stetig der 50-Punkte-Marke angenähert und im Juli bei 49,8 Punkten gestanden. Die Stimmungslage im Industriesektor könne jüngst allerdings stagniert haben. Dementsprechend würden die Analysten der RBI einen marginalen Rückgang auf 49,7 Punkte veranschlagen. Auch beim Dienstleistungssektor sähen sie aktuell wenig Potenzial für große Sprünge und würden einen Rückgang von 51 auf 50,9 Punkte prognostizieren.
Beim deutschen ifo-Index würden die Analysten der RBI ebenfalls einen leichten Stimmungsabschwung erwarten, Rückgänge bei den Subkomponenten für die aktuelle Lage und die Zukunftserwartungen sollten einen Rückgang des Geschäftsklimaindex von 88,6 auf 87,8 Punkte implizieren.
In die gleiche Kerbe solle nach Meinung der Analysten der RBI das Konsumentenvertrauen für August schlagen, wo sie einen Rückgang von -14,7 auf -16,1 Punkte erwarten. Nachdem die verschiedenen Stimmungsbarometer für den Euroraum bis zuletzt also mehrheitlich eine Stimmungsaufhellung angedeutet hätten, dürften die anstehenden Veröffentlichungen wieder ein etwas trüberes Bild zeichnen.
Eine besondere Rolle komme angesichts der US-Zölle weiterhin den Handelsdaten für die Eurozone zu. Die Exporte aus der Eurozone in die USA hätten sich zuletzt nach dem massiven Anstieg im März (Vorzieheffekte angesichts drohender Zölle) wieder auf den zuvor beobachteten Niveaus eingependelt, eine starke Korrekturbewegung nach unten sei vorerst ausgeblieben. Basierend auf bereits verfügbaren Daten für die USA liege die Vermutung nahe, dass auch die anstehenden Juni-Handelsdaten für den Euroraum keinen starken Rückgang der Exporte in die USA anzeigen würden. Nichtsdestotrotz müsse in Zukunft weiterhin mit geringeren Exportvolumina gerechnet werden.
Auf den Zinsmärkten werde aktuell erwartet, dass die Federal Reserve im September erstmalig wieder eine Zinssenkung vornehmen werde. Auslöser für das dovishe Repricing der Erwartungen Anfang August sei der überraschend schwache US-Arbeitsmarktbericht gewesen, welcher die Abwärtsrisiken der Beschäftigungslage nur allzu deutlich gemacht habe. Dabei sei Jerome Powells Botschaft bei der letzten FED-Zinssitzung (zwei Tage vor dem Erscheinen des Arbeitsmarktberichts) noch eindeutig hawkish gewesen: Der solide Arbeitsmarkt erlaube es der Federal Reserve, mit Zinssenkungen zuzuwarten, bis mehr Klarheit an der Inflationsfront herrsche. Doch innerhalb der FED scheine diese Haltung bereits zum damaligen Zeitpunkt nicht eindeutig gewesen zu sein, zwei stimmberechtigte Mitglieder (Waller und Bowman) hätten eine Zinssenkung bevorzugt.
Das Protokoll zur FED-Zinssitzung, welches nächste Woche erscheinen werde, könnte weitere Einblicke in die Entscheidungsdynamiken der FED erlauben. Die neue Lage am Arbeitsmarkt und die folgende Marktreaktion hätten den dovishen Stimmen innerhalb der Federal Reserve jedenfalls Rückenwind verschafft. Auch die anhaltend erhöhten Inflationsdynamiken im Juli hätten für kein Umdenken auf den Finanzmärkten gesorgt. Inwieweit die jüngsten Datenveröffentlichungen die Ansichten der FED beeinflusst hätten, könne am Jackson Hole Economic Symposium, welches vom 21. bis 23. August im Bundesstaat Wyoming stattfinde, erstmals ersichtlich werden.
Auch die EZB-Präsidentin habe auf ihrer Pressekonferenz zur letzten Zinssitzung eine hawkishe Botschaft gehabt, im Unterschied zum Fall der US-FED sei diese bislang am Markt aber nicht wieder ausgepreist worden. Dabei sei eine anhaltend abwartende Haltung der EZB gar nicht so sicher, weder objektiv aufgrund von Daten noch subjektiv aufgrund von Meinungen innerhalb des EZB-Rats.
Während etwa Lagarde die Inflationsrisiken als ausgeglichen beschrieben habe, habe der französische Notenbankchef am Folgetag der Zinssitzung in einer eigenen Aussendung auf die erhöhten Abwärtsrisiken für den Inflationsausblick verwiesen. Objektiv würden die EZB-Modelle ein leichtes Unterschießen der Inflation in den kommenden Quartalen ausweisen und die Zolleinigung mit den USA sei inflationsdämpfender als zuvor in den Kalkulationen der Notenbank unterstellt worden. Die zur Veröffentlichung anstehende Mitschrift zur letzten EZB-Zinssitzung dürfte also wertvolle Rückschlüsse liefern, wie die Zinsentscheidungen in naher Zukunft ausfallen könnten.
Die Analysten der RBI würden denken, dass sich die Signale der EZB-Präsidentin etwas relativieren würden und nach Durchsicht des Protokolls der Markt eine etwas höhere Chance einer Zinssenkung im September sehen könnte. (Ausgabe vom 14.08.2025) (15.08.2025/alc/a/a)
Die Daten hätten dabei mit überraschenden Tendenzen aufgewartet. So habe die viel beachtete Kernkomponente zwar wie erwartet von 0,2% p.m. auf 0,3% p.m. zugelegt. Ausschlaggebend hierfür sei allerdings weniger ein zollinduzierter höherer Preisdruck in der Kerngüterkomponente gewesen, sondern vielmehr eine stärkere Inflationsdynamik bei den Kerndienstleistungen. Die US-Zölle würden sich also weiterhin nicht in maßgeblich erhöhten Inflationsraten niederschlagen, nichtsdestotrotz liege die Inflation in der Gesamtbetrachtung aber weiterhin auf einem zu hohen Niveau (Gesamtinflation: 2,7% p.a., Kerninflation: 3,1% p.a.). Diesen Eindruck sollten auch die PCE-Inflationsdaten für Juli bestätigen, welche übernächste Woche erscheinen würden.
Zeitgleich würden auch die Wachstumsdynamiken in den USA mit Argusaugen beobachtet, insbesondere da der jüngste Arbeitsmarktbericht auf eine merklich schwächere Beschäftigungsdynamik während der letzten Monate hingewiesen habe. Die vor kurzem veröffentlichten ISM-Indices für Juli hätten nicht dazu beigetragen, die Wachstumssorgen zu mindern, seien doch beide Subkomponenten (Verarbeitendes und Nicht-Verarbeitendes Gewerbe) klar unter den Erwartungen gelegen. Nächste Woche stünden bereits die PMI-Schnellschätzungen für August auf der Agenda. Die PMIs hätten sich in den USA zuletzt noch positiver als die ISM-Indices präsentiert, was die Frage nahelege, ob dies auch in den nächsten Monaten so bleiben werde.
Auch in der Eurozone erscheinen PMI-Zahlen für August, so die Analysten der RBI. Der PMI für den Industriesektor habe sich seit Jahresbeginn stetig der 50-Punkte-Marke angenähert und im Juli bei 49,8 Punkten gestanden. Die Stimmungslage im Industriesektor könne jüngst allerdings stagniert haben. Dementsprechend würden die Analysten der RBI einen marginalen Rückgang auf 49,7 Punkte veranschlagen. Auch beim Dienstleistungssektor sähen sie aktuell wenig Potenzial für große Sprünge und würden einen Rückgang von 51 auf 50,9 Punkte prognostizieren.
Beim deutschen ifo-Index würden die Analysten der RBI ebenfalls einen leichten Stimmungsabschwung erwarten, Rückgänge bei den Subkomponenten für die aktuelle Lage und die Zukunftserwartungen sollten einen Rückgang des Geschäftsklimaindex von 88,6 auf 87,8 Punkte implizieren.
Eine besondere Rolle komme angesichts der US-Zölle weiterhin den Handelsdaten für die Eurozone zu. Die Exporte aus der Eurozone in die USA hätten sich zuletzt nach dem massiven Anstieg im März (Vorzieheffekte angesichts drohender Zölle) wieder auf den zuvor beobachteten Niveaus eingependelt, eine starke Korrekturbewegung nach unten sei vorerst ausgeblieben. Basierend auf bereits verfügbaren Daten für die USA liege die Vermutung nahe, dass auch die anstehenden Juni-Handelsdaten für den Euroraum keinen starken Rückgang der Exporte in die USA anzeigen würden. Nichtsdestotrotz müsse in Zukunft weiterhin mit geringeren Exportvolumina gerechnet werden.
Auf den Zinsmärkten werde aktuell erwartet, dass die Federal Reserve im September erstmalig wieder eine Zinssenkung vornehmen werde. Auslöser für das dovishe Repricing der Erwartungen Anfang August sei der überraschend schwache US-Arbeitsmarktbericht gewesen, welcher die Abwärtsrisiken der Beschäftigungslage nur allzu deutlich gemacht habe. Dabei sei Jerome Powells Botschaft bei der letzten FED-Zinssitzung (zwei Tage vor dem Erscheinen des Arbeitsmarktberichts) noch eindeutig hawkish gewesen: Der solide Arbeitsmarkt erlaube es der Federal Reserve, mit Zinssenkungen zuzuwarten, bis mehr Klarheit an der Inflationsfront herrsche. Doch innerhalb der FED scheine diese Haltung bereits zum damaligen Zeitpunkt nicht eindeutig gewesen zu sein, zwei stimmberechtigte Mitglieder (Waller und Bowman) hätten eine Zinssenkung bevorzugt.
Das Protokoll zur FED-Zinssitzung, welches nächste Woche erscheinen werde, könnte weitere Einblicke in die Entscheidungsdynamiken der FED erlauben. Die neue Lage am Arbeitsmarkt und die folgende Marktreaktion hätten den dovishen Stimmen innerhalb der Federal Reserve jedenfalls Rückenwind verschafft. Auch die anhaltend erhöhten Inflationsdynamiken im Juli hätten für kein Umdenken auf den Finanzmärkten gesorgt. Inwieweit die jüngsten Datenveröffentlichungen die Ansichten der FED beeinflusst hätten, könne am Jackson Hole Economic Symposium, welches vom 21. bis 23. August im Bundesstaat Wyoming stattfinde, erstmals ersichtlich werden.
Auch die EZB-Präsidentin habe auf ihrer Pressekonferenz zur letzten Zinssitzung eine hawkishe Botschaft gehabt, im Unterschied zum Fall der US-FED sei diese bislang am Markt aber nicht wieder ausgepreist worden. Dabei sei eine anhaltend abwartende Haltung der EZB gar nicht so sicher, weder objektiv aufgrund von Daten noch subjektiv aufgrund von Meinungen innerhalb des EZB-Rats.
Während etwa Lagarde die Inflationsrisiken als ausgeglichen beschrieben habe, habe der französische Notenbankchef am Folgetag der Zinssitzung in einer eigenen Aussendung auf die erhöhten Abwärtsrisiken für den Inflationsausblick verwiesen. Objektiv würden die EZB-Modelle ein leichtes Unterschießen der Inflation in den kommenden Quartalen ausweisen und die Zolleinigung mit den USA sei inflationsdämpfender als zuvor in den Kalkulationen der Notenbank unterstellt worden. Die zur Veröffentlichung anstehende Mitschrift zur letzten EZB-Zinssitzung dürfte also wertvolle Rückschlüsse liefern, wie die Zinsentscheidungen in naher Zukunft ausfallen könnten.
Die Analysten der RBI würden denken, dass sich die Signale der EZB-Präsidentin etwas relativieren würden und nach Durchsicht des Protokolls der Markt eine etwas höhere Chance einer Zinssenkung im September sehen könnte. (Ausgabe vom 14.08.2025) (15.08.2025/alc/a/a)
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