Türkei: Inflation unter Markterwartung


04.05.16 09:10
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Gestern hat das nationale Statistikamt der Türkei (TÜİK) die Inflationsdaten für den Monat April veröffentlicht, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Die Preissteigerung habe sich demnach in der Jahresrechnung auf 6,6% (Konsens 6,9%) verlangsamt, im März habe die Inflation noch bei 7,5% über dem Vorjahreswert gelegen. Zwar habe es kräftige Preiserhöhungen bei Kleidung, Mieten und Produkten im Gesundheits- und Unterhaltungsbereich gegeben, die Preise für Lebensmittel inklusive nichtalkoholischer Getränke seien aber den zweiten Monat in Folge gefallen.

Bei den Produzentenpreisen scheine die zum Jahresbeginn in Kraft getretene Erhöhung des Mindestlohns um 30% nur moderate Auswirkungen zu haben: Die Jahresrate der Preise im Verarbeitenden Gewerbe sei zum Vorjahr nur um 2,9% gestiegen. Im Dezember 2015 habe die entsprechende Steigerung noch fast doppelt so hoch gelegen.

Interessant sei in diesem Zusammenhang der Inflationsbericht der Türkischen Zentralbank (CBRT), über den die Analysten vergangenen Mittwoch berichtet hätten. Die Notenbanker würden für 2016 unverändert von einem Anstieg der Konsumentenpreise um 7,5% ausgehen (2017: 6,0%). Auch wenn die Analysten ihre Prognose für 2016 zur durchschnittlichen Zunahme der Teuerung zuletzt moderat von 8,3% auf 8,1% gesenkt hätten, würden sie den Inflationsausblick der Zentralbank weiterhin für zu optimistisch halten.

Die Einschätzung der Analysten zur aktuellen Geldpolitik ändere sich indes nicht. Die CBRT habe den Aufnahmezinssatz, zu dem Geschäftsbanken gleichtägig Gelder bei der Notenbank erhalten würden, jüngst um 75 BP gesenkt. Eine weitere Senkung um 100 BP auf 9,50% bis Ende Juni würden die Analysten für wahrscheinlich halten. Auch wenn die Türkische Lira zu wichtigen Handelswährungen in den letzten Wochen habe zulegen können, werde die Kerninflation auf absehbare Zeit kaum sinken. Im Jahresverlauf 2016 würden die Analysten nur mit einer leichten Verlangsamung der Steigerung des D-Index, welcher unverarbeitete Lebensmittel und Energiepreise exkludiere, von derzeit 9,4% auf 8,7% rechnen. (04.05.2016/alc/a/a)