Strafzölle: Kaum Inflationseffekte erwartet


06.04.18 08:45
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die zwischenzeitliche Eskalation im Handelsstreit zwischen China und den USA hat auf beiden Seiten sowohl für Empörung gesorgt als auch zum Nachdenken angeregt - zumal sich aus den gestrigen ökonomischen US-Daten kaum Besprechungsbedarf ergab, berichten die Analysten der Deutschen Bank.

Analysten hätten sich glücklicherweise nicht nur darauf beschränkt, vorzurechnen, wer aus dem ganzen Schlamassel am Ende besser herauskommen könnte. Eine solche Rechnung wäre ohnehin sehr aufwändig, da sie nicht nur die Strafzölle enthalten sollte, sondern auch die möglichen Folgekosten des Konflikts. Und diese könnten mitunter weitreichend sein, wenn Staaten damit beginnen würden, sich gegenseitig zusätzlich Abgaben um die Ohren zu hauen. Diese Woche habe man sehen können, wie allein die Androhung von Zöllen das Preisgefüge der zugrunde liegenden Rohstoffe durcheinander wirbeln könne.

Positiv sei zu werten, dass nach der US-chinesischen Beinahe-Kollision sofort zahlreiche Diskussionen entbrannt seien, ob eine Umsetzung der angedrohten Maßnahmen richtig oder falsch sei. Diese Wortgefechte bestünden jedoch nicht nur daraus, dass Offizielle und Medien der betroffenen Staaten gegenseitig versuchen würden, sich Verantwortung und Schuld in die Schuhe zu schieben. Finanzmarktteilnehmer würden durchaus berechtigte und kritische Fragen stellen. Beispielsweise, warum US-Präsident Donald Trump nun die Begründung voranstelle, die zuvor nicht alleiniger Gegenstand des Streits gewesen sei: Trump werfe China Diebstahl geistigen US-Eigentums vor. Auch seien sich Akteure bewusst, dass von einem Handelskrieg nicht nur große Konzerne betroffen seien, sondern häufig Unbeteiligte mit hineingezogen würden.

US-Kommentatoren hätten gestern unter anderem die Frage aufgeworfen, ob Strafzölle auf Nahrungsmittel - anstatt ausschließlich auf Luxusgüter - ein probates Mittel seien. Was die Auswirkungen der Strafzölle auf die Inflation angehe, scheine es hingegen wenig Grund zur Sorge zu geben. Schätzungen zufolge seien sie vernachlässigbar. Zudem würde das BIP-Wachstum für China und die USA nur um 0,1 Prozentpunkte niedriger ausfallen.

Gestern habe die EU-Kommission die Zollstreitgespräche mit den USA wieder aufgenommen. Eine schnelle Lösung sei wie gehabt nicht in Sicht. Der 1. Mai sei aber noch ein gültiges Datum, sei aus Brüssel zu hören gewesen. Bis dahin könnte vielleicht auch der Euro seiner breiten Konsolidierungszone (1,2155 bis 1,2555) entkommen sein. Möglicherweise würden dabei sogar morgen schon die US-Arbeitsmarktdaten helfen. (06.04.2018/alc/a/a)