Russland: Der Inflationsdruck steigt


06.09.24 11:40
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine dauert an, so die Analysten der DekaBank.

Die russische Armee rücke im Donbass vor, während die Ukraine Teile der russischen Region Kursk besetzt habe. Russland setze weiter auf Luftangriffe, unter anderem auf die Energieinfrastruktur. Die Ukraine dürfe die westlichen Waffen weiterhin nicht für militärische Ziele tief im russischen Territorium nutzen und müsse daher vor allem eigene Drohnen zur Störung der russischen Logistik einsetzen. Aktuell scheine keine der Kriegsparteien über eine ausreichende militärische Überlegenheit zu verfügen, um den Krieg für sich zu entscheiden.

Mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahl gab es zwar sowohl von Putin als auch vom ukrainischen Präsidenten Zelenskiy einige Aussagen über Bedingungen für mögliche Verhandlungen, doch aktuell scheinen die Positionen unvereinbar und es zeichnet sich keine Waffenruhe ab, so die Analysten der DekaBank. Der Support der USA für die Ukraine im Falle des Sieges von Trump sei unsicher, denn bisher gebe es nur Spekulationen zu Trumps Plänen. Sein Vizepräsidentschaftskandidat Vance habe sich mehrfach gegen US-Hilfen für die Ukraine und für einen schnellen Verhandlungsbeginn ausgesprochen.

Was die Konjunkturentwicklung angehe, so scheine die Wachstumsdynamik langsam an ihre Grenzen zu stoßen und nach oben habe zuletzt nur noch die Inflation überrascht. Mit der Arbeitslosenquote von nur 2,4% sei der russische Arbeitsmarkt enorm überhitzt und im Wettbewerb zum Rüstungssektor und dem Militär steige der Lohndruck auch in den privaten Sektoren, während die Anzahl der Gastarbeiter aus Zentralasien sinke. Zudem werde das Sanktionsregime punktuell verstärkt, was die Finanztransaktionen auch über die "freundlichen" Staaten wie China erschwere und die Kosten der Importgüter anhebe. Die Russische Zentralbank habe den Leitzins Ende Juli um 200 BP auf 18% angehoben und sich für weitere Schritte offen gezeigt.

Die russische Wirtschaft befinde sich im Kriegsmodus: Die Militärausgaben sollten 2024 über ein Drittel der Staatsausgaben (ca. 7% des BIP) ausmachen. Doch die Konjunkturimpulse, die von der Ausweitung der Industrieproduktion und der Verbesserung der Einkommenssituation ausgehen würden, würden bereits jetzt an ihre Grenzen stoßen. Zudem sei das Programm der subventionierten Hypotheken, das die Bauwirtschaft jahrelang gestützt habe, deutlich beschnitten worden.

Die Analysten würden erwarten, dass sich das reale BIP-Wachstum im kommenden Jahr mehr als halbiere. Die Wirkung des Sanktionsregimes dürfte mittel- bis langfristiger Natur sein. Die Ölfördermengen dürften im Zeitablauf aufgrund des fehlenden Zugangs zu moderner Ölfördertechnik sinken, auch Projekte im LNG-Bereich würden durch das Sanktionsregime erheblich erschwert. Zudem verstärke die hohe (wenn auch offiziell nicht veröffentlichte) Zahl der Kriegstoten und die Auswanderungswelle die demografischen Probleme Russlands. Das Wachstumspotenzial Russlands werde durch den Angriffskrieg erheblich verringert.

Das harte Sanktionsregime des Westens gegenüber Russland werde seit seiner Einführung punktuell weiter verstärkt und besser überwacht. Russland befinde sich im Default. Die externen Ratingagenturen hätten ihre Einschätzungen der Bonität Russlands aufgrund der westlichen Sanktionen zurückgezogen. Eine weitrechende Aufhebung des Sanktionsregimes sei nach Einschätzung der Analysten erst denkbar, wenn im Ukraine-Krieg eine stabile Friedenslösung - und nicht nur eine Waffenruhe - erreicht werden könne. (06.09.2024/alc/a/a)