Erweiterte Funktionen
Rentenmärkte: Niedrigere Inflation schürt Zinssenkungsspekulationen
06.11.13 16:27
Nord LB
Hannover (www.anleihencheck.de) - Im vergangenen Monat hat sich der Preisauftrieb in der Eurozone überraschend deutlich verlangsamt, so die Analysten der Nord LB.
So sei gemäß der in der Regel sehr zuverlässigen ersten Schätzung von Eurostat die Inflationsrate im gesamten Währungsraum gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von zuvor 1,1% Y/Y auf nur noch 0,7% Y/Y gesunken. Seit immerhin vier Jahren seien die Lebenshaltungskosten nicht mehr so langsam im Vorjahresvergleich gestiegen. Für den in den vergangenen Monaten zu beobachtenden rückläufigen Trend bei der Verbraucherpreissteigerung würden sich mehrere Gründe identifizieren lassen.
Zunächst einmal würden aktuell günstige Basiseffekte bei den Energiepreisen wirken, die gegenüber dem Vorjahr um -1,7% Y/Y gesunken seien. Damit ergebe sich inzwischen für die Gesamtinflationsrate eine entlastende Wirkung. Hierzu habe nicht nur die jüngst moderate Rohölpreisentwicklung beigetragen, auch der in den vergangenen Wochen und Monaten recht feste Euro-Wechselkurs habe sich bei Importgütern preisdämpfend ausgewirkt.
Allerdings sei auch die Kernrate ex Energie inzwischen deutlich gesunken. Gegenüber dem Vorjahr stehe hier noch ein moderates Plus von 1,1% Y/Y zu Buche. Auch hier würden Basiseffekte eine nicht unerhebliche Rolle spielen. So habe sich der (rechnerische) preissteigernde Effekt durch die im Rahmen der Konsolidierungsbemühungen der öffentlichen Haushalte vollzogenen Anhebungen indirekter Steuern und administrierter Preise zuletzt deutlich reduziert. Vor allem mit dem Herauswachsen der spanischen Steuererhöhungen aus der Jahresrate habe es noch einmal eine Ermäßigung für die Inflation in der Eurozone gegeben.
Da zugleich die Arbeitslosenquote in der Eurozone im September höher als erwartet gelegen habe, seien Spekulationen über eine womöglich nun doch noch einmal anstehende Zinssenkung durch die EZB aufgekommen. Nicht nur einige Analysten und Volkswirte sowie Teile der Wirtschaftsfachpresse hätten sich in diese Richtung geäußert, auch die ersten Reaktionen an den Märkten - die Rendite zweijähriger Bundesanleihen sei kurzzeitig unter 0,1% abgesackt - würden den Schluss zulassen, dass aus Sicht der Investoren zumindest eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung einzupreisen gewesen sei.
Eine nochmalige geldpolitische Lockerung würden die Analysten seit längerem erwarten, wobei sie jedoch ein nochmaliges LTRO-Geschäft als wahrscheinlicher eingestuft hätten. Es stelle sich auch vor dem Hintergrund der sehr niedrigen aktuellen Inflation die Frage, was die EZB mit einer nochmaligen Zinssenkung erreichen könne - außer vielleicht, entsprechende Markterwartungen nicht enttäuschen zu wollen.
Gleichwohl werde die morgige EZB-Sitzung vermutlich so spannend wie lange nicht mehr. Je nachdem, wie der Rat um Mario Draghi reagieren werde, würden sich mitunter auch Implikationen für die Prognose der mittelfristigen Zinsentwicklung ergeben.
Die chronisch prekäre Lage der öffentlichen Finanzen in Griechenland sei wieder einmal das Thema der turnusmäßigen Gespräche zwischen der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF sowie der griechischen Regierung. Mitte des laufenden Jahres habe die Schuldenstandsquote fast den Höchststand von Ende 2011 erreicht - trotz der zwischenzeitlichen Maßnahmen wie Schuldenschnitt, Schuldenrückkauf und Verbesserung der Konditionen der Hilfskredite. Wie schon bei den vergangenen Gesprächen würden auch dieses Mal wieder langwierige Verhandlungen drohen, bis die nächste Tranche in Höhe von EUR 1 Mrd. freigegeben werde.
Unterschiedliche Ansichten gebe es über die Finanzierungslücke im kommenden Jahr und vor allem darüber, wie diese zu schließen sei. Die griechische Regierung schließe weitere Sozialkürzungen aus, da sie diese für politisch nicht mehr durchsetzbar ansehe. Andererseits könne der IWF gemäß seiner eigenen Statuten nur Mittel freigeben, wenn zumindest für zwölf Monate die Finanzierung gesichert scheine. Angesichts der aktuellen Marktlage, die eine Rückkehr an den Kapitalmarkt als illusorisch würden erscheinen lassen, stünden für Griechenland ohnehin bald Verhandlungen über ein neues Rettungspaket an. Diese dürften aber erst im Frühjahr beginnen und vor den Europawahlen kaum beendet werden.
Derweil habe die EU-Kommission ihre Herbstprognose für die EU und den Euroraum sowie für die einzelnen Mitgliedsländer veröffentlicht. Wenig überraschend seien hierbei die Konjunkturprognosen gewesen, die weitgehend im Rahmen der eigenen Erwartungen der Analysten lägen. Bemerkenswert jedoch seien die wenig ambitioniert erscheinenden Projektionen des Budgetdefizits einzelner Mitgliedsstaaten.
So sehe auch die EU-Kommission für Frankreich ein Verfehlen der 3%-Defizitmarke für das Jahr 2015 - die Prognose von 3,7% vom BIP überrasche dann aber doch. Zum einen komme in dieser Prognose eine gewisse Skepsis gegenüber der Fähigkeit und dem Willen der französischen Administration zur Haushaltskonsolidierung zum Ausdruck, und sei somit vielleicht auch als Signal an Hollande gedacht. Zum anderen könnte aber auch die EU-Kommission ein geringeres Tempo der Konsolidierung in Frankreich wegen der schwachen Euroland-Konjunktur sogar inzwischen für dienlich halten. (06.11.2013/alc/a/a)
So sei gemäß der in der Regel sehr zuverlässigen ersten Schätzung von Eurostat die Inflationsrate im gesamten Währungsraum gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von zuvor 1,1% Y/Y auf nur noch 0,7% Y/Y gesunken. Seit immerhin vier Jahren seien die Lebenshaltungskosten nicht mehr so langsam im Vorjahresvergleich gestiegen. Für den in den vergangenen Monaten zu beobachtenden rückläufigen Trend bei der Verbraucherpreissteigerung würden sich mehrere Gründe identifizieren lassen.
Zunächst einmal würden aktuell günstige Basiseffekte bei den Energiepreisen wirken, die gegenüber dem Vorjahr um -1,7% Y/Y gesunken seien. Damit ergebe sich inzwischen für die Gesamtinflationsrate eine entlastende Wirkung. Hierzu habe nicht nur die jüngst moderate Rohölpreisentwicklung beigetragen, auch der in den vergangenen Wochen und Monaten recht feste Euro-Wechselkurs habe sich bei Importgütern preisdämpfend ausgewirkt.
Allerdings sei auch die Kernrate ex Energie inzwischen deutlich gesunken. Gegenüber dem Vorjahr stehe hier noch ein moderates Plus von 1,1% Y/Y zu Buche. Auch hier würden Basiseffekte eine nicht unerhebliche Rolle spielen. So habe sich der (rechnerische) preissteigernde Effekt durch die im Rahmen der Konsolidierungsbemühungen der öffentlichen Haushalte vollzogenen Anhebungen indirekter Steuern und administrierter Preise zuletzt deutlich reduziert. Vor allem mit dem Herauswachsen der spanischen Steuererhöhungen aus der Jahresrate habe es noch einmal eine Ermäßigung für die Inflation in der Eurozone gegeben.
Da zugleich die Arbeitslosenquote in der Eurozone im September höher als erwartet gelegen habe, seien Spekulationen über eine womöglich nun doch noch einmal anstehende Zinssenkung durch die EZB aufgekommen. Nicht nur einige Analysten und Volkswirte sowie Teile der Wirtschaftsfachpresse hätten sich in diese Richtung geäußert, auch die ersten Reaktionen an den Märkten - die Rendite zweijähriger Bundesanleihen sei kurzzeitig unter 0,1% abgesackt - würden den Schluss zulassen, dass aus Sicht der Investoren zumindest eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung einzupreisen gewesen sei.
Gleichwohl werde die morgige EZB-Sitzung vermutlich so spannend wie lange nicht mehr. Je nachdem, wie der Rat um Mario Draghi reagieren werde, würden sich mitunter auch Implikationen für die Prognose der mittelfristigen Zinsentwicklung ergeben.
Die chronisch prekäre Lage der öffentlichen Finanzen in Griechenland sei wieder einmal das Thema der turnusmäßigen Gespräche zwischen der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF sowie der griechischen Regierung. Mitte des laufenden Jahres habe die Schuldenstandsquote fast den Höchststand von Ende 2011 erreicht - trotz der zwischenzeitlichen Maßnahmen wie Schuldenschnitt, Schuldenrückkauf und Verbesserung der Konditionen der Hilfskredite. Wie schon bei den vergangenen Gesprächen würden auch dieses Mal wieder langwierige Verhandlungen drohen, bis die nächste Tranche in Höhe von EUR 1 Mrd. freigegeben werde.
Unterschiedliche Ansichten gebe es über die Finanzierungslücke im kommenden Jahr und vor allem darüber, wie diese zu schließen sei. Die griechische Regierung schließe weitere Sozialkürzungen aus, da sie diese für politisch nicht mehr durchsetzbar ansehe. Andererseits könne der IWF gemäß seiner eigenen Statuten nur Mittel freigeben, wenn zumindest für zwölf Monate die Finanzierung gesichert scheine. Angesichts der aktuellen Marktlage, die eine Rückkehr an den Kapitalmarkt als illusorisch würden erscheinen lassen, stünden für Griechenland ohnehin bald Verhandlungen über ein neues Rettungspaket an. Diese dürften aber erst im Frühjahr beginnen und vor den Europawahlen kaum beendet werden.
Derweil habe die EU-Kommission ihre Herbstprognose für die EU und den Euroraum sowie für die einzelnen Mitgliedsländer veröffentlicht. Wenig überraschend seien hierbei die Konjunkturprognosen gewesen, die weitgehend im Rahmen der eigenen Erwartungen der Analysten lägen. Bemerkenswert jedoch seien die wenig ambitioniert erscheinenden Projektionen des Budgetdefizits einzelner Mitgliedsstaaten.
So sehe auch die EU-Kommission für Frankreich ein Verfehlen der 3%-Defizitmarke für das Jahr 2015 - die Prognose von 3,7% vom BIP überrasche dann aber doch. Zum einen komme in dieser Prognose eine gewisse Skepsis gegenüber der Fähigkeit und dem Willen der französischen Administration zur Haushaltskonsolidierung zum Ausdruck, und sei somit vielleicht auch als Signal an Hollande gedacht. Zum anderen könnte aber auch die EU-Kommission ein geringeres Tempo der Konsolidierung in Frankreich wegen der schwachen Euroland-Konjunktur sogar inzwischen für dienlich halten. (06.11.2013/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


