Rentenmärkte Eurozone: Kräftiges Kursplus trotz anziehender Inflation


13.08.21 10:33
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Euro-Staatsanleihenmarkt kann im Juli auf eine ausgesprochen freundliche Entwicklung zurückblicken, so die Experten von Union Investment.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei um 25 Basispunkte zurückgegangen und habe zum Monatsende nur noch minus 0,46 Prozent betragen. Mit Verweis auf die guten Wirtschaftsdaten und weiter anziehenden Inflationserwartungen sei dies durchaus bemerkenswert, schließlich würden diese Vorgaben sonst eigentlich für steigende Renditen sprechen.

Dass es dennoch zu Kursgewinnen gekommen sei, liege einerseits an der Delta-Variante des Corona-Virus. Lockerungen und Urlaubsreisen hätten die Infektionszahlen wieder steigen lassen. Einige Länder hätten sich daher bereits einer vierten Infektionswelle gegenübergesehen, gerade die Urlaubsregionen rund um das Mittelmeer seien besonders betroffen gewesen. Den Impffortschritten sei Dank sei die Zahl der Hospitalisierungen jedoch nur langsam angestiegen, sodass noch nicht mit neuerlichen Eindämmungsmaßnahen gerechnet werden müsse.

Ein wichtiger Stabilitätsanker sei andererseits die Europäische Zentralbank (EZB) gewesen. Die Währungshüter hätten sich von den steigenden Inflationszahlen völlig unbeeindruckt gezeigt und deutlich gemacht, dass es sich hierbei nur um einen temporären Preisdruck handele. Demnach wolle man auch unbeirrt an der expansiven Geldpolitik der letzten Jahre festhalten.

Darüber hinaus habe die Notenbank ihre überarbeitete Strategie vorgestellt. Letztlich habe die EZB aber nur offiziell in Stein gemeißelt, was sie in den vergangenen Jahren bereits praktiziert habe. Das erleichtere ihr künftig die Kommunikation. Ein wesentlicher Kurswechsel in ihrer Geldpolitik durch die neue Strategie scheine aber unwahrscheinlich. Zusätzlich habe es Andeutungen gegeben, wonach das Ankaufprogramm (PEPP) womöglich über März 2022 hinaus verlängert werden könnte. Dementsprechend hätten sich die Erwartungen bezüglich einer ersten möglichen Zinserhöhung auf der Zeitachse nach hinten verschoben.

Gemessen am iBoxx Euro Sovereigns-Index hätten Euro-Staatsanleihen im Juli ein kräftiges Plus von 1,8 Prozent verbucht. Der aktuelle Renditerückgang dürfte die zugrunde liegenden Ursachen überzeichnen. Die Experten würden daher wieder mit leicht steigenden Renditen rechnen. (Ausgabe vom 12.08.2021) (13.08.2021/alc/a/a)