Rentenmärkte: Abnehmende Inflationsangst


28.05.21 10:45
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der Staatsanleihen aus Deutschland und den USA haben sich in den vergangenen Tagen wieder abwärts bewegt, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Zehnjährige Bund-Renditen seien derzeit bei -0,20%, die entsprechenden T-Notes bei 1,59%. Man könne daraus schließen, dass die Inflationssorgen etwas abgenommen hätten. In diese Richtung hätten sich zuletzt Richard Clarida von der FED und Villeroy de Galhau von der EZB geäußert, in dem sie erneut betont hätten, dass der Inflationsanstieg in erster Linie temporärer Natur sei. De Galhau habe Gerüchten widersprochen, die EZB werde schon bald die Anleiheankäufe signifikant zurückfahren. Im Durchschnitt der letzten vier Wochen habe die EZB zuletzt wöchentlich 19 Mrd. Euro an Anleihen auf die Bilanz genommen (netto), womit der Kaufrhythmus gegenüber Anfang März (14 Mrd. Euro) deutlich zugenommen habe. Am 10. Juni finde die nächste EZB-Sitzung statt.

Derweil gebe es Medienberichte, wonach die Eckpunkte für einen digitalen Euro nunmehr feststünden. Demnach komme es nicht zu einer großen Revolution, sondern zunächst lediglich zu einer digitalen Version von Bargeld, das auf einer Wallet gespeichert werden könne. Bis zu 3.000 Euro sollten dort gespeichert werden können. Die EZB delegiert die Walletvergabe an die Banken, die sie ihren Kunden anbieten (müssen?), so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Es solle außerdem eine Art Überlaufregelung geben: Wenn der Kontostand der Wallet mehr als 3.000 Euro erreiche, werde das überschüssige Geld automatisch auf das Bankkonto überwiesen. Man fürchte offensichtlich, dass der digitale Euro ansonsten zu sehr mit dem Giralgeld der Banken in Konkurrenz treten könnte. Um den bargeldähnlichen Charakter des digitalen Euro zu unterstreichen, sei offensichtlich auch keine Verzinsung des Guthabens geplant. Auffällig - wenngleich nicht mehr überraschend - sei, dass der digitale Euro nicht über eine Blockchain laufen solle. Das sei bedauerlich, weil sich ansonsten der digitale Euro leichter mit neuen blockchainbasierten Geschäftsmodellen kombinieren ließe. Zwar könnten Geschäftsbanken ihrerseits einen synthetischen digitalen Euro anbieten, aber hier bestehe das Risiko, dass sich die Banken nicht auf ein Konzept einigen könnten, weder auf der nationalen noch auf der EU-Ebene. Dann gäbe es einen Flickenteppich von synthetischen digitalen Euro, deren Blockchains möglicherweise noch nicht einmal interoperabel wären.

In der kommenden Woche stehe das OPEC-Treffen an (01.06.), bei dem man vermutlich eine moderate Lockerung der bisherigen Förderkürzungen beschließe. Überraschungen seien hier aber nicht ausgeschlossen, da die Treffen in den vergangenen Monaten nicht immer harmonisch verlaufen seien.

Ein Datenhighlight sei die PCE-Inflationsrate aus den USA für April (28.05.). Die FED orientiere sich hierbei an die Kernrate und für diese werde ein kräftiger Sprung nach oben erwartet, nachdem der bereits bekannte CPI-Index überraschend deutlich gestiegen sei.

Spannend werde auch die Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten aus den USA (04.06.), die im April mit einem Beschäftigungszuwachs von 266.000 enttäuscht hätten. Je niedriger der Beschäftigungszuwachs, desto eher werde erwartet, dass die FED noch lange an der ultralockeren Geldpolitik festhalte. Am Montag (31.05.) sei in den USA Memorial Day. (Ausgabe vom 27.05.2021) (28.05.2021/alc/a/a)