Renten: Inflation führt zu Renditeanstieg im Euroraum


09.01.17 11:25
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der ersten Handelswoche des laufenden Jahres standen europäische Staatsanleihen unter Druck, so die Experten von Union Investment.

Nachdem sich der Markt im Handel um die Feiertage herum sehr stabil gezeigt habe, sei der Trend im Rahmen der Neupositionierung zu Jahresbeginn eindeutig nach unten gerichtet gewesen. Von den rückläufigen Notierungen im Staatsanleihebereich seien sowohl die Kern- als auch die Peripherieländer betroffen gewesen.

Ausgelöst worden seien die Verkäufe durch überraschend hohe Inflationsdaten aus Deutschland. Die inländischen Verbraucherpreise seien laut dem Statistischen Bundesamt im Dezember um 1,7 Prozent gegenüber dem Vormonat gesprungen. Im November habe die Inflationsrate noch bei 0,8 Prozent gelegen. Haupttreiber des Anstiegs seien die Preise für Energie wie Benzin, Heizöl und Diesel gewesen. Hier hätten sich in erster Linie Basiseffekte durch den vorangegangenen Verfall der Rohstoffpreise bemerkbar gemacht.

Angesichts des bemerkenswerten Inflationssprungs hätten kritische Marktstimmen gegenüber der anhaltend expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Runde gemacht. Die EZB habe erst Anfang Dezember mit der Verlängerung ihres Anleiheankaufprogramms ihren lockeren Geldkurs fortgesetzt. Ziel hiervon sei neben der Stimulierung der europäischen Wirtschaft die Erreichung des EZB-Inflationszieles von annähernd zwei Prozent.

Mit den jüngsten Inflationsdaten hätten Marktteilnehmer den Sinn anhaltend expansiver Maßnahmen in Zweifel gezogen. Die schon zum Ende 2016 hin aufgekommene Debatte um eine Rückführung der Ankäufe durch die EZB (Tapering), die auch am 8. Dezember mit der gleichzeitigen Verkürzung der monatlichen Ankaufssumme um 20 auf dann nur noch 60 Milliarden Euro ab April 2017 ein vorsichtiges Zeichen gesetzt habe, habe damit neue Nahrung erhalten.

Der europäische Gesamtmarkt (iBoxx Sovereign) habe somit im Verlauf der Woche deutlich abgegeben. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe sich insgesamt etwas nach oben verschoben, die deutlichsten Renditeanstiege seien in den kurzen bis mittleren Laufzeiten zu beobachten gewesen (bis zu neun Basispunkte). In der Peripherie sei die Verzinsung um bis zu 27 Basispunkte (Portugal) im Zehnjahresbereich angestiegen. Portugiesische Zehnjahrespapiere hätten zum Freitagmittag mit 4,0 Prozent rentiert. Für den starken Renditeanstieg in der Peripherie seien neben den Inflationsdaten vor allem die hohen Neuemissionsvolumina zu Jahresbeginn verantwortlich gewesen. Zahlreiche neue Papiere aus den Kern- und den Peripherieländern mit zum Teil langen Laufzeiten hätten auf ein eher schwaches Marktumfeld getroffen.

In den USA habe sich der Markt hingegen freundlich gezeigt, dort seien die Renditen nach dem vergangenen starken Anstieg etwas zurückgegangen. Die US-Zinskurve habe sich ein wenig über das lange Ende verflacht und sich zudem etwas nach unten verschoben.

Am europäischen Markt für Unternehmensanleihen sei es zu einer wahren Flut an Neuemissionen gekommen. Sowohl Banken als auch Industrieunternehmen hätten querbeet zahlreiche Papiere auf den Markt gebracht, die trotz geringer Neuemissionsprämien - im Vergleich zur Staatsanleiheseite - sehr gut bei den Anlegern untergebracht worden seien. Mangelware seien neue Papiere hingegen bislang in den Schwellenländern gewesen. Die hohe Liquidität der Investoren habe im Sekundärmarkt investiert werden müssen, sodass dieser im Wochenverlauf auf Indexebene (JP Morgan Glob. Div.) mit 1,3 Prozent deutlich hinzugewonnen habe. (Ausgabe vom 06.01.2017) (09.01.2017/alc/a/a)