Renditeanstieg bei den Eidgenossen trotz negativer Inflation und sinkender Verschuldung


03.04.12 14:13
Bank Sarasin & Cie AG

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Renditen von US-Staatsanleihen sind im März spürbar angestiegen, so die Analysten der Bank Sarasin & Cie AG.

Die 10-jährigen Renditen hätten Ende Februar noch bei 1,9 Prozent notiert, seien aber mittlerweile auf 2,2 Prozent angestiegen. Mit einer weiteren Aufhellung der Konjunkturaussichten sollte sich dieser Zinsanstieg auch auf die Eurozone und die Schweiz übertragen. Viele Anleger würden aber infrage stellen, ob die Schweiz einen globalen Renditenanstieg mitmachen werde. Die zwei Schüsselfaktoren für die Zinsen - Inflation und Verschuldung - würden sich in der Schweiz im Vergleich zu andern Industrieländern in die entgegengesetzte Richtung entwickeln.

Seit der starken Aufwertung des Schweizer Frankens Mitte 2011 habe eine Abkoppelung der Inflationsraten stattgefunden. In Deutschland betrage die Gesamtinflation im Februar 2,5 Prozent, in den USA gar 2,9 Prozent. In der Schweiz hingegen seien die Preise um 0,9 Prozent gefallen. Das spreche gegen einen Anstieg der Schweizer Renditen, selbst bei einem globalen Zinsanstieg. Nicht nur die Inflation habe sich in der Schweiz anders entwickelt als in Deutschland und in den USA, auch die Schuldensituation sehe in der Schweiz um einiges besser aus.

Im Jahr 2006 sei die Verschuldung in Relation zum Bruttoinlandprodukt in allen drei Ländern ungefähr gleich hoch gewesen. Inzwischen sei die Verschuldung in den USA doppelt so hoch wie in der Schweiz. Die Verschuldung Deutschlands habe sich in den letzten zwei Jahren zwar stabilisiert, liege aber immer noch 30 Prozent höher als die Schweizer Verschuldung. Aufgrund der sinkenden Schulden sollte sich ein relativer Mangel an Schweizer Staatsanleihen einstellen, welcher die Renditen weiterhin dämpfe.

So überzeugend die Gründe für eine Abkoppelung der Schweizer Renditen auch seien, sie hätten kaum Einfluss auf den Verlauf der Renditen. Die Zinsdifferenz zwischen deutschen und Schweizer Renditen von 1,25 Prozent sei in den letzten Jahren konstant geblieben, trotz der starken Divergenzen in Inflation und Verschuldung. Renditen würden auf den Erwartungen zukünftiger Schulden und Inflation und nicht auf realisierten Zahlen beruhen.

Der Kapitalmarkt scheine nicht zu erwarten, dass sich zukünftig Inflation und Verschuldung in der Schweiz und Deutschland markant verschieden entwickeln würden. Solange die Schweizerische Nationalbank gewillt sei, den Franken-Wechselkurs zu stabilisieren oder gar eine Abwertung herbeizuführen, könne die Schweizer Inflation langfristig nicht groß von der deutschen Inflation abweichen. Die Schweiz importiere durch eine Währungsintervention die deutsche Teuerung. Die Verschuldung der Schweiz hänge letztendlich vom Wachstum der Schweizer Wirtschaft ab, welches von der Prosperität des wichtigsten Handelspartners Deutschland beeinflusst werde.

Anleger werden sich deshalb im Verlaufe des Jahres auf einen Renditeanstieg bei den Eidgenossen einstellen müssen, trotz negativer Inflation und sinkender Verschuldung, so die Analysten der Bank Sarasin & Cie AG. (03.04.2012/alc/a/a)