Portugal-Anleihe: Unterstützung für Spanien sorgt für etwas Entspannung


13.06.12 12:27
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Anleihe (ISIN PTOTE1OE0019 / WKN 802606) von Portugal nur für risikofreudige Anleger für interessant.

Die Anleihe, emittiert vom südeuropäischen Staat Portugal, sei mit einem Kupon von 4,375% ausgestattet und laufe noch bis zum 16.06.2014. Bei einem aktuellen Kurs von 92,03% biete das Papier eine jährliche Rendite von 8,89%. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent würden von der Ratingagentur Moody's mit "Ba3" bewertet, was knapp unter Investmentgrade-Status liege. Damit bestehe nach Einschätzung von Moody's bezüglich der Verbindlichkeiten des Emittenten ein erhebliches Kreditrisiko.

Die Euro-Schuldenkrise erreiche einen neuen Höhepunkt. Nachdem in Griechenland vorerst eine Regierungsbildung gescheitert sei, stünden dieses Wochenende Neuwahlen an. Aber auch der angeschlagene spanische Bankensektor habe den Marktteilnehmern zunehmend Kopfzerbrechen bereitet. Am Wochenende sei nun bekannt geworden, dass der europäische Rettungsfonds EFSF dem spanischen Bankensektor Hilfsmittel von bis zu 100 Mrd. Euro zur Verfügung stellen werde, was für eine kurzfristige Entspannung an den Märkten gesorgt habe. Nun seien aber schon Proteste aus Portugal laut geworden, die sich benachteiligt sähen und bessere Bedingungen für ihr Milliardenpaket fordern würden. Somit dürfte Euroland ein heißer Sommer bevorstehen.

Auch Portugal habe jüngst mehr als 6 Mrd. Euro für seinen Bankensektor erhalten, damit diese die geforderten Kernkapitalquoten der EU einhalten könnten. Insgesamt habe Portugal seit 2011 Hilfsgelder von der EU von mehr als 50 Mrd. Euro erhalten. Das Fazit der Troika Ende Mai in Lissabon sei positiv ausgefallen und Finanzminister Gaspar habe stolz verkündet, dass sein Land alle quantitativen Kriterien und auch alle strukturellen Ziele erfüllt habe.

Portugal habe im März Daten zur Entwicklung des portugiesischen Budgetsaldos veröffentlicht. So sei das Haushaltsdefizit im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dreimal höher ausgefallen. Nach Einschätzung der Analysten der Raiffeisen Bank International AG würden diese nichts Gutes für das Erreichen des diesjährigen Defizitziels von 4,5% des BIPs verheißen.

Grundsätzlich würden Ökonomen einen Schuldenschnitt Portugals für vermeidbar halten. Im kommenden Jahr solle der Schuldenstand des Landes mit 118% des BIP seinen Höhepunkt erreichen. Eine solche Quote sei nach Meinung des IWF tragbar. Allerdings dürfte das bisher beschlossene Hilfspaket nach Einschätzung von Volkswirten das Schuldenproblem nicht lösen. Die 78 Mrd. Euro aus dem Hilfsprogramm würden noch bis September 2013 reichen. Aus diesem Grund sollte Portugal im nächsten Jahr wieder an die Märkte zurückkehren. Das dürfte für das Land angesichts der hohen Renditen der eigenen Staatsanleihen jedoch sehr schwierig werden.

Die Wirtschaftsperspektiven für Portugal sähen düster aus. So rechne Portugals Zentralbank in diesem Jahr mit einem BIP-Rückgang um 3,4% und in 2013 erwarte sie lediglich eine Stagnation. Dies dürfte weitere Sparmaßnahmen der Regierung nach sich ziehen und die Regierung habe das Problem, zwischen "Sparen" und "Abwürgen der Wirtschaft" die richtige Balance zu finden.

Portugal stehe wie Italien und Spanien mit dem Rücken zur Wand. Eine Stabilisierung des Haushalts gelte als äußerst fraglich. Dennoch seien die Anleihekurse in den letzten Wochen weiter gestiegen, was darauf schließen lasse, dass das Vertrauen des Marktes in Portugal zugenommen habe.

Anleger, die keinen Schuldenschnitt Portugals erwarten würden, könnten einen Blick auf die o.a. Staatsanleihe werfen. Bewusst sei eine Anleihe mit einer sehr kurzen Laufzeit gewählt worden. Der Kurs habe seit Ende Januar deutlich angezogen. Dennoch ist die Staatsanleihe von Portugal nach Einschätzung der Analysten von Anleihencheck Research aufgrund der angesprochenen Probleme als spekulatives Investment einzustufen. (Analyse vom 13.06.2012) (13.06.2012/alc/a/a)


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