Langsam steigende Inflationserwartungen in den USA


22.03.16 10:53
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die in den USA vom Bureau of Labor Statistics ermittelte Inflationserwartung zeigt einen Anstieg (letzter Stichtag 12. März 2016), so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Am US-Rentenmarkt seien die Renditen der 10-j Treasuries von Mitte Februar mit 1,63% bis jetzt mit 1,93% ebenfalls leicht gestiegen. Sollte sich zeigen, dass Investoren eine Änderung des Konjunkturklimas erwarten würden, dann würde dies doch noch der FED einen Spielraum in Richtung Normalisierung der Zinsstruktur eröffnen. Das Ziel der Notenbank für die Konsumentenpreissteigerungen sei 2%. Diese Marke dürfte allem Anschein nach Ende des Jahres erreicht werden.

Wichtigste Ursache für die niedrige Teuerungsrate und die Deflationsängste sei der Ölpreis gewesen, der Mitte Februar den tiefsten Stand seit zwölf Jahren erreicht habe (WTI 26 d/b). Jetzt seien die Notierungen wieder 50% höher. Die Internationale Energieagentur (IEA) halte es sogar für möglich (11.03.2016), dass die Ölpreise ihren Boden hinter sich hätten. Produzenten mit hohen Kosten hätten ihre Förderung eingeschränkt. Das Non-Opec Ölangebot könnte laut IEA um 750.000 b/d sinken. Für die Preisentwicklung sehe die Organisation Licht am Ende eines sehr langen Tunnels.

Eine Prognose über die künftige Entwicklung der Energiepreise bleibe weiter mit hoher Unsicherheit verbunden. Sollte die Weltwirtschaft in etwa einem halben Jahr wieder mehr Fahrt aufnehmen, dann könnte eine steigende Nachfrage die Preisentwicklung weiter festigen. Die letzten von supranationalen Institutionen (Weltbank, IWF, OECD) veröffentlichten Prognosen würden aber auf anhaltend niedrige Wachstumsraten der Weltwirtschaft hindeuten.

Die Notenbanken würden damit in einer Zwickmühle stecken. Das Erreichen des Inflationsziels von 2% erscheine schon jetzt in den USA und in der Eurozone sehr wahrscheinlich. Doch das zerrüttete Finanzsystem mit meist absurd hoher Staatsverschuldung mache eine Rückkehr zur Normalität (Geldmarktzinsen 2 bis 3%; 10-j Rentenrenditen 4 bis 5%) praktisch unmöglich.

Vor diesem Hintergrund zeige sich, dass die FED viel zu zögerlich gewesen sei und die EZB mit ihrer QE und NIRP über das Erforderliche hinaus geschossen sei. Immer deutlicher würden die Risiken an den Rentenmärkten auf dem gegenwärtigen Niveau. (Ausgabe vom 21.03.2016) (22.03.2016/alc/a/a)