Ist die Inflation in der Eurozone tot?


15.02.18 13:00
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Trotz des kräftigen Konjunkturaufschwungs ist die Inflationsrate in der Eurozone vergleichsweise niedrig und bleibt damit hinter dem Preisziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von "unter, aber nahe 2%" zurück, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Die geringe Dynamik bei der Teuerung sei der Grund für die weiterhin expansive Geldpolitik der Notenbank. Die Währungshüter würden zudem befürchten, dass die Inflationsrate 2018 und 2019 kaum an ihr Preisziel heranrücke. Erst 2020/2021 könnte sich die Teuerungsrate an den Zielwert allmählich annähern. Warum ziehe die Inflation nicht an? Der Streit darüber sei in vollem Gange. Oder anders ausgedrückt: Es gebe eine ganze Reihe von Erklärungsansätzen. In diesem Fokus würden die Analysten die für sie maßgeblichen Treiber des geringen Preisdrucks beleuchten. Die Arbeitslosenquote gehe zwar in der Eurozone zurück, doch das manifestiere sich weder in spürbar steigenden Löhnen noch anziehenden Preisen. Möglicherweise seien die Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt nicht weit genug vorangeschritten. Das bedeute, die Überkapazitäten auf dem Arbeitsmarkt seien zu erheblich, um zu mehr Preisdruck zu führen. Längerfristig dürfte sich dies jedoch drehen.

Daneben sei der Ölpreis (Brent) im Sommer 2014 massiv gesunken und habe damit maßgeblich zu der Talfahrt der Inflationsrate beigetragen, denn Energie habe einen Anteil von knapp 10% an der Verbraucherpreisinflation. Am Ölmarkt habe sich ein Trendbruch vollzogen: Die US-Schieferölproduktion habe zunehmend suggeriert, auf jede Ölpreissteigerung mit einer Ausweitung der Förderproduktion reagieren zu können. Entsprechend habe der Ölpreis auf sehr niedrigem Niveau verharrt und damit auch die Inflationsrate unten gehalten. Auch strukturelle Änderungen - wie die fortschreitende Digitalisierung, die Globalisierung und der demografische Wandel in vielen Industrienationen - würden zur niedrigen Teuerung beitragen. Doch längerfristig, wenn die Überkapazitäten auf dem Arbeitsmarkt abgebaut seien, dürfte die Inflationsrate stärker ansteigen - zumal der Ölpreis deutlich nach oben geklettert sei und sich der Effekt struktureller Änderungen abschwächen sollte. Nach Erachten der Analysten sei die Inflation noch lange nicht tot, die Phase eines niedrigen Preisdrucks dauere nur etwas länger an. Und es bestehe das Risiko, dass die Inflation sogar schneller als erwartet ansteige. (15.02.2018/alc/a/a)