Inflationsziel der EZB noch lange nicht erreicht


30.04.21 14:00
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Die Inflation in der Eurozone ist auf 1,6 Prozent im Jahresvergleich gestiegen und nähert sich damit dem Ziel der EZB von nahe, aber noch unter 2 Prozent an, so Oliver Blackbourn, Multi-Asset-Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors.

Die Kerninflation für April sei jedoch im Vergleich zum März gesunken und bleibe hartnäckig bei 0,8 Prozent. Die Konsensprognosen würden eine steigende Gesamtinflation im Laufe des Jahres 2021 erwarten, bevor sie 2022 wieder auf ein Niveau falle, das eher dem des letzten Jahrzehnts entspreche. Sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation hätten in den letzten neun Jahren im Durchschnitt bei 1 Prozent und damit weit unter dem Ziel der EZB gelegen.

Es sei unklar, ob sich innerhalb der Eurozone schon genug geändert habe, damit die Inflation längerfristig ansteige. Die bisher angedeuteten fiskalischen Impulse zur Konjunkturbelebung seien deutlich schwächer als in den USA. Zwar seien politische Differenzen letztes Jahr kurzzeitig überwunden worden, um den Next Generation EU-Konjunkturfonds voranzutreiben, aber die Umsetzung erweise sich als schwierig. Der 1,8-Billionen-Euro-Fonds sei in seiner Geschichte einmalig. Doch währenddessen hätten die USA die Nachfrage bereits mit mehreren, ähnlich großen Paketen weiter angekurbelt und das obwohl die Volkswirtschaften von vergleichbarer Größe seien. Ebenso hätten die USA bereits Hilfen auf den Weg gebracht und wollten kontinuierlich Infrastrukturausgaben tätigen. Die EU habe sich nur um Letzteres gekümmert.

Die Märkte würden nicht davon ausgehen, dass die Inflation in der Eurozone in absehbarer Zeit nachhaltig das EZB-Ziel erreichen werde. Die 5-Jahres-Termininflation tendiere weiter nach oben, aber die deutschen 10-Jahres-Breakeven-Raten würden unter 1,4 Prozent bleiben, und sowohl die 2-Jahres- als auch die 5-Jahres-Werte lägen sogar noch darunter. Im Gegensatz dazu sei die US-Breakeven-Kurve invertiert, wobei kurzfristig ein Anstieg über das Ziel der FED erwartet werde. Selbst über längere Zeiträume preise der Markt nun ein Inflationsrisiko in den USA ein, was man von Europa nicht behaupten könne. (30.04.2021/alc/a/a)