Inflationsrückgang erhellt die Gemüter


05.12.23 09:30
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die weltweit besseren Inflationszahlen waren der Ursprung der Kurserholungen an den Finanzmärkten, so die Experten von Swisscanto.

Der damit verbundene und teils kräftige Rückgang der Renditen habe für Kursavancen sowohl bei Anleihen als auch bei Aktien gesorgt. Da die Erholung an den Aktienmärkten vorwiegend von zyklischen Sektoren getrieben worden sei, dürfte die Kraft des Aufwärtsschwungs aufgrund der fehlenden makroökonomischen Grundlage nachlassen. Somit dürfte der Tiefststand im Volatilitätsindex für den US-Aktienmarkt, dem VIX, erreicht worden sein. Allerdings gebe es bis zum Jahresende wenig Anhaltspunkte für einen abrupten und starken Anstieg der Volatilität, zumal die Renditen bis zum Jahresende tendenziell weiter sinken würden - wenn auch nicht mehr so stark wie in den vergangenen Wochen.

Die US-Notenbank FED halte in den "Minutes" zwar an seiner Tendenz zur Straffung der Geldpolitik fest. Doch unser Eindruck ist, dass die Währungshüter schon an der Sitzung Anfang November überwiegend der Meinung waren, dass die Leitzinsen ihren Höhepunkt erreicht haben, zumal sich die Finanzierungsbedingungen vor der Sitzung erheblich verschärft hatten, so die Experten von Swisscanto. An den Futures-Märkten werde eine erste Zinssenkung um 25 Basispunkte für die Sitzung im Mai vollständig eingepreist. Sollten sich aber das Wachstum und die Inflation wie von den Experten von Swisscanto erwartet weiter moderieren, werde eine Lockerung der Geldpolitik sogar noch früher zum Thema. Die Experten von Swisscanto würden bereits auf der März-Sitzung eine erste Zinssenkung erwarten.

Unter den sicheren Häfen (CHF, USD, JPY) finde der Schweizer Franken weiterhin den größten Anklang. Die zyklischen Währungen hätten allerdings im vergangenen Monat bei steigendem Risikoappetit noch mehr in der Gunst der Investoren gelegen.

Der Australische Dollar (AUD) wie auch das Britische Pfund hätten sich über die letzten Wochen gegenüber dem Schweizer Franken besser entwickelt. In der Einkaufsmanager-Umfrage in Australien habe sich gezeigt, dass die Einkaufs- und Verkaufspreise angesichts höherer Treibstoffkosten und Löhne eine höhere Dynamik als noch im Oktober verzeichnet hätten, was zumindest kurzfristig für eine hartnäckig hohe Inflation und eine weiterhin restriktive Geldpolitik spreche. Die Wachstumsperspektiven der Einkaufsmanager-Umfrage in Australien seien zum zweiten Mal in Folge jedoch sehr schwach ausgefallen. Die Experten von Swisscanto würden erwarten, dass die australische Wirtschaft im 4. Quartal und im 1. Quartal 2024 leicht schrumpfen werde. Der Fortsetzung des Aufwärtstrends des AUD aufgrund der restriktiven Geldpolitik stehe das Hindernis der Konjunkturabschwächung im Weg.

Die Pfundstärke dürfte vorübergehender Natur sein. Die britische Wirtschaft habe sich im November gemäß den Einkaufsmanagern zwar etwas stabiler als noch im Vormonat entwickelt. Vorausblickend würden die Experten von Swisscanto aber von einer Stagnation in den nächsten Monaten ausgehen. Die rückläufige Inflation erhöhe zwar die Kaufkraft der Bevölkerung und wirke dadurch stabilisierend. Der weiterhin bröckelnde Arbeitsmarkt und die anhaltend hohen Zinsen würden die Wirtschaft und das Britische Pfund nach Meinung von Swisscanto ausbremsen.

Die aktuelle Risikofreude der Investoren und die kräftige Erholung an den globalen Aktienmärkten hätten, anders als man erwarten könnte, nicht zu einer überdurchschnittlich guten Entwicklung der Kleinunternehmen (Small Caps) geführt. Im Gegenteil: Die Aktien der großen Gesellschaften (Large Caps) hätten etwas stärker zugelegt. Darin spiegele sich die Tatsache, dass die Aktienmarkterholung vor allem auf eine Aufhellung des geldpolitischen Ausblicks zurückzuführen sei. Niedrigere Leitzinsen würden eine wieder höhere Bewertung der Aktien zulassen. Die Skepsis bezüglich der globalen Konjunktur scheine bei Aktionären dagegen noch hoch.

Auch die Experten von Swisscanto würden für die USA nach wie vor noch mit einer milden Rezession rechnen. Bei einer solchen Erwartung seien die mit höheren Risiken behafteten Small Caps für gewöhnlich weniger gefragt. Erst wenn sich am Horizont die konjunkturelle Wiederbeschleunigung abzeichne, würden die kleineren Unternehmen interessanter, weil sich ihre größenspezifischen Risiken dann zunehmend in Chancen wandeln würden.

Die Gewinnberichtssaison für das 3. Quartal habe auch auf Unternehmensebene offenbart, dass sich die Eurozone und die USA mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Geschwindigkeiten bewegen würden. Während Erstere den Rückwärtsgang eingelegt habe, habe sich die US-Konjunktur weiterhin robust gezeigt. Bei den Gewinnen habe sich dies in einem Nullwachstum für die Eurozone und einem Plus von über 4 Prozent für die USA gespiegelt. Die US-Unternehmen hätten damit nach drei Quartalen mit Gewinnrückgängen erstmals wieder einen Zuwachs verzeichnen können. Daraus lasse sich schließen, dass sich die Margen in beiden Regionen relativ stabil entwickeln würden. Zumindest habe der befürchtete Einbruch noch nicht stattgefunden. Obwohl die Experten von Swisscanto auch für das 4. Quartal von einer besseren Gewinnentwicklung in den USA ausgehen würden, sähen sie auch wieder mehr Aktienmarktpotenzial für die Eurozone. Die konjunkturelle Talsohle sollte aktuell durchschritten werden. Zwar würden die Experten von Swisscanto auch für die folgenden drei Monate von einer Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts ausgehen, diese dürfte aber nicht mehr so stark ausfallen wie aktuell.

Nach einem Einbruch Anfang Oktober auf knapp über USD 1.800 pro Unze habe sich der Goldpreis seit dem Angriff der Hamas auf Israel schnell erholt und sei auf deutlich über USD 2.000 angestiegen, trotz zwischenzeitlich stark gestiegener US-Realrenditen. Gold handle damit zu einer hohen Prämie - und die Experten von Swisscanto sähen kurzfristig Abwärtsrisiken. Nächstes Jahr dürften Zinssenkungen bei den großen Notenbanken Gold allerdings wieder Unterstützung geben.

Der schnelle Anstieg bei Gold, der durch einen schwächeren US-Dollar begünstigt und den Aufbau von Netto-Long-Positionen am Terminmarkt beschleunigt worden sei, habe auch die anderen Edelmetalle mitgezogen. Der Silberpreis habe sich seit dem Angriff der Hamas auf Israel ebenfalls erholen können. Nach dem schnellen Anstieg, der trotz höherer Zinsen stattgefunden habe, sähen die Experten von Swisscanto vorerst das weitere Erholungspotenzial als beschränkt an. Insbesondere die Konjunktur steuere erst noch auf ihren Tiefpunkt zu, womit die Industrienachfrage, die bei Silber nach wie vor über 50 Prozent der Gesamtnachfrage ausmache, belasten dürfte. (05.12.2023/alc/a/a)