Inflationserwartungen divergieren


09.04.19 09:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Inflationserwartungen, gemessen an den Forward-Sätzen in fünf Jahren für fünf Jahre, divergieren dies- und jenseits des Atlantiks seit dem Jahresbeginn, nachdem sich im Jahr 2018 bereits eine Abkopplung der europäischen Entwicklung von der Dynamik in den USA zeigte, so die Analysten der Helaba.

Ein nahezu voll ausgelasteter Arbeitsmarkt und eine solide Konjunkturperspektive in den USA würden dafür sprechen, dass die Teuerung auf einem höheren Niveau liege. Aber auch im Euroraum seien die Lohnanstiege mit Zuwächsen von 2 bis 2,5% gg. VJ in den letzten Quartalen recht ansehnlich ausgefallen, sodass gerade die massive Reduktion der Erwartungen seit dem Jahreswechsel aufhorchen lasse. Darüber hinaus zeige sich, dass die EWU-Inflationserwartungen nicht nur im Vergleich zu den US-Raten zurückfallen würden, sondern auch gegenüber der Ölpreisdynamik.

Zum Wochenauftakt hätten die Ölpreise die höchsten Niveaus seit Anfang November markiert. Zur Erinnerung: Zu diesem Zeitpunkt habe die Inflationserwartung in der Eurozone bei rund 1,7% gelegen. Aktuell betrage der Wert weniger als 1,4%. Noch immer scheine konjunkturelle Skepsis vorzuherrschen, denn sonst wäre dieses Niveau nicht zu rechtfertigen. Nach vorne blickend bedeute dies aber ein erhebliches Anpassungspotenzial, sollte sich die europäische Konjunktur in den nächsten Monaten stabilisieren. Erste Hinweise darauf gebe es bereits.

Das datenseitige Interesse richte sich in die USA, denn dort würden das Mittelstandsbarometer (NFIB) und der Bericht zu den offenen Stellen (JOLTS) das Bild abrunden. Die Stimmung der kleinen und mittleren Unternehmen habe sich ausgehend von dem Spitzenniveau im September 2018 abgeschwächt, liege aber noch immer auf einem Niveau, wie es Mitte der neunziger Jahre nicht unüblich gewesen sei. Nach deutlichen Rückschlägen im Herbst und Winter habe sich der NFIB-Index im Februar stabilisieren können und die vorab gemeldeten Subindices mit Beschäftigungsbezug seien unisono gestiegen. Die Zahl der offenen Stellen habe im Januar mit rund 7,57 Mio. weiterhin in der Nähe des Rekordstandes vom November letzten Jahres (7,63 Mio.) gelegen. Mit einem Einbruch des Februarwertes würden die Analysten nicht rechnen. (09.04.2019/alc/a/a)