Inflationsdruck in den USA lässt etwas nach


15.08.22 09:37
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die am Mittwoch veröffentlichten jüngsten US-Inflationsdaten deuten eine leichte Entspannung an, denn der Teuerungsdruck in den USA hat im Juli etwas nachgelassen, so die Experten von Union Investment.

Damit habe die Zuversicht an den Märkten zugenommen. Die Investoren würden auf das Szenario "Peak-Inflation" setzen und dabei hoffen, dass der Höhepunkt der Inflation mittlerweile überschritten sei. Die Aktienbörsen hätten in der Berichtswoche freundlich tendiert. Die Angst der Anleger, dass die US-Notenbank Federal Reserve (FED) mit zu starken Zinserhöhungen und damit einem Überschießen der Geldpolitik die Konjunktur in die Knie zwingen könnte, nehmen ab. Der Markt setze zunehmend auf eine milde US-Rezession. Die leicht rückläufige Inflation sowie freundliche Daten zum US-Arbeitsmarkt aus der Vorwoche seien die positiven Faktoren gewesen, die die Aktienmärkte und weitere mit Risiko behaftete Papiere gestützt hätten. US-Staatsanleihen und Bundespapiere hätten nach zunächst freundlichem Verlauf leicht ins Minus tendiert, die Renditen seien etwas angestiegen. Die Einsicht, dass die FED vorerst kaum umsteuern und letztlich eine anhaltend restriktive Geldpolitik ihre Fortsetzung finden werde, habe letztlich für Verluste gesorgt. Der US-Dollar habe mit der Aussicht auf einen geringeren Zinsvorsprung von US-Anlagen schwächer tendiert.

Die mit großer Spannung erwarteten US-Inflationsdaten hätten mit einem gedämpften Auftrieb für etwas Zuversicht an den Finanzmärkten gesorgt. Der Anstieg gegenüber Juli 2021 habe bei 8,5 Prozent gelegen, im Juni seien es noch 9,1 Prozent gewesen. Die Schätzungen der Analysten hätten (Agentur Bloomberg) bei 8,7 Prozent gelegen. Die Energiekosten, vor allem die Benzinpreise, seien deutlicher zurückgegangen als von der Analystengemeinde erwartet. Die um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kernrate habe sich zum Vormonat um 0,3 bzw. zum Vorjahresmonat um 5,9 Prozent erhöht und damit ebenfalls unter den Prognosen gelegen.

Die leichte Entspannung bei den Preisdaten habe sich auch bei den US-Produzentenpreisen fortgesetzt. Mit 9,8 Prozent gegenüber dem Juli des Vorjahres sei der Anstieg "nur" noch einstellig gewesen (11,3 Prozent im Juni). Die Erwartung habe bei 10,4 Prozent gelegen. Auf Monatssicht sei im Juli gegenüber Juni des laufenden Jahres sogar ein Rückgang um 0,5 Prozent zu verzeichnen gewesen. Erwartet worden sei hingegen ein leichter Anstieg um 0,2 Prozent.

Ob die damit erhoffte "Inflationsspitze" bereits hinter uns liegt, bleibt offen, so die Experten von Union Investment. Vor übertriebenem Optimismus sei zu warnen, denn für die Monate August und September seien in den USA aufgrund von Basiseffekten aus dem Vorjahr anhaltend hohe Preissteigerungsraten zu erwarten. Zumal nach der Entspannung im Energiesektor Komponenten wie Nahrungsmittel oder die Mieten deutlich zugelegt hätten. Die Wahrscheinlichkeit für eine im September eher moderate Zinserhöhung durch die FED um "nur" 50 Basispunkte sei gestiegen. Dennoch bestünden weiterhin Risiken eines größeren Zinsschrittes um 75 Basispunkte.

In der sonst insgesamt datenarmen Woche habe es noch ein paar Daten aus China gegeben. Dort sei die Inflation mit plus 2,7 Prozent im Juli markant unter den Werten aus dem Euroraum und den USA geblieben. Die Produzentenpreise seien deutlich zurückgegangen. Dennoch scheine die chinesische Notenbank PBoC einem jüngsten Bericht zufolge zunehmend Inflationsgefahren zu erkennen. Der Außenhandel habe sich im Juli als gute Stützte der chinesischen Wirtschaft präsentiert. Die Exporte hätten mit plus 18 Prozent gegenüber Vorjahr über den Schätzungen der Analysten gelegen (14,1 Prozent/Bloomberg). (Ausgabe vom 12.08.2022) (15.08.2022/alc/a/a)