Inflations- versus Wachstums-Unsicherheit


13.12.22 11:11
La Française AM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Wir gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Dezember-Sitzung das Tempo der Zinserhöhungen mit einer Anhebung um 50 Basispunkte (BP) verlangsamen wird, trotz einiger Diskussionen über eine Anhebung um 50 oder 75 BP, so François Rimeu, Senior Strategist, La Française AM.

Die Zentralbank werde ihre makroökonomischen Prognosen aktualisieren, einschließlich der Inflationsprognosen für 2025, die erstmals veröffentlicht würden.

Erwartungen:

Die Experten würden erwarten, dass die EZB ihre Zinssätze um 50 Basispunkte anheben und den Einlagenzinssatz auf 2,0% erhöhen werde.

Die Experten würden davon ausgehen, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde ihren bisherigen Ansatz "Sitzung-für-Sitzung" zu entscheiden, bekräftigen werde. Sie werde weitere Zinserhöhungen nach Dezember ankündigen, ohne Hinweise auf den endgültigen Zinssatz zu geben.

Die Experten würden davon ausgehen, dass Lagarde sehr zurückhaltend sein werde, was die überraschende Entwicklung der Gesamtinflation im November betreffe, da die Verbraucherpreise in der Kernrate unverändert bei 5,0% gelegen hätten.

Wie allgemein erwartet, würden die Experten damit rechnen, dass der EZB-Rat die wichtigsten Prinzipien für die Reduzierung der Anleihebestände im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) bekannt geben werde. Die quantitative Straffung (QT) könnte ihrer Meinung nach im März 2023 beginnen. Die quantitative Straffung werde höchstwahrscheinlich ein schrittweiser und passiver Prozess mit teilweiser Reinvestition der fällig werdenden Anleihen sein und keinen aktiven Verkauf von Anleihen beinhalten. Der EZB-Rat werde sich die Möglichkeit vorbehalten, den Zeitpunkt und das Tempo des QT im Laufe der Zeit anzupassen.

Die Experten würden erwarten, dass die EZB die Reinvestitionen im Rahmen ihres pandemischen Notkaufprogramms (PEPP) "bis mindestens Ende 2024" fortsetze und ihre Reinvestitionen als erste Schutzmaßnahme gegen das Fragmentierungsrisiko der Eurozone flexibel handhabe.

Die Experten würden erwarten, dass Christine Lagarde bekräftigen werde, dass die fiskalpolitische Unterstützung zeitlich begrenzt und auf die schwächsten Verbraucher ausgerichtet sein sollte, um Inflationsdruck zu vermeiden.

Was die Wirtschaft betreffe, so würden die Experten erwarten, dass die Inflationsprognosen der EZB für 2022 (von 8,1% auf 8,5%) und 2023 (von 5,5% auf 6,1%) nach oben korrigiert würden. Am Ende des Prognosezeitraums würde sich die Inflation dann dem 2%-Ziel annähern (2024 bei 2,3% und 2025 bei 2,0%). Was das Wachstum betreffe, so würden die Projektionen ein leicht höheres Wachstum im Jahr 2022 (von 3,1% auf 3,2%), aber ein niedrigeres BIP in den Jahren 2023 (von 0,9% auf 0,3%) und 2024 (von 1,9% auf 1,5%) ergeben würden. Die Experten würden erwarten, dass die neue Hochrechnung für 2025 einen Trend von 1,5% aufweisen werde.

Zusammenfassend würden die Experten erwarten, dass die EZB ihre Absicht bestätige, die Zinsen 2023 weiter anzuheben, allerdings langsamer, da sich die Zentralbank im restriktiven Bereich bewegen werde. Sie würden nicht davon ausgehen, dass diese Sitzung die Zinssätze in die Höhe treiben werde, obwohl sie erwarten würden, dass die EZB ihre hawkishe Botschaft beibehalten werde. Sie würden glauben, dass der FED-Ausschuss und der US-Inflationsbericht einen größeren Einfluss auf die Finanzmärkte haben könnten. (13.12.2022/alc/a/a)