Die Inflation lässt keinen kalt


16.10.18 12:26
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Laut Uwe Zimmer, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Fundamental Capital in Köln, wird der Anstieg der Teuerungsraten in den USA und in Europa drastische Auswirkungen auf Märkte und Menschen haben, so die Experten von "FONDS professionell".

In beiden Regionen liege die Inflation derzeit leicht oberhalb der von den Notenbanken erwünschten Spanne. Der Vermögensprofi rechne mit baldigen Gegenmaßnahmen vonseiten der Währungshüter - und die dürften erhebliche Folgen haben. "Steigende Zinsen, also die Standardreaktion, würden zumindest die europäische Wirtschaft auf dem falschen Fuß erwischen", sage Zimmer.

Viele Menschen hätten in den vergangenen Jahren Kredite aufgenommen, auch aufgrund des historisch niedrigen Zinsniveaus. Hebe die Europäische Zentralbank nun die Zinsen an, würden damit auch die Kreditzinsen anziehen - womit die finanzielle Belastung für die Kreditnehmer steige. "Steigende Kosten bedeuten einen Rückschlag für die Konsumausgaben der Menschen, die zuletzt ein wichtiger Treiber für die europäische Wirtschaft waren", sage Zimmer. Die Exporte wiederum würden gerade ohnehin gedämpft durch Zölle und Handelsstreitigkeiten. Auch hier drohe also eine Abschwächung der Wirtschaft.

Für die Aktienmärkte wäre eine Zinswende ebenfalls eine schlechte Nachricht. Zum einen würden steigende Zinsen Anlagen in Anleihen wieder attraktiver machen. Das ziehe Geld aus dem Aktienmarkt ab. Zum anderen würde eine schwächere Wirtschaft tendenziell zu sinkenden Gewinnen führen - mit ebenfalls negativen Folgen für die Aktienmärkte. "Noch aber ist es etwas zu früh, den Teufel Inflation und Zinssteigerung an die Wand zu malen", sage Zimmer.

Denn einen großen Anteil am jüngsten Anstieg der Teuerungsraten habe der Ölpreis gehabt. Gerade dort werde sich nun bei der nächsten Statistik ein Basiseffekt bemerkbar machen: Nach dem starken Anstieg verlaufe der Preisanstieg jetzt etwas flacher, der reale Zuwachs beim Öl werde derzeit wieder geringer. Das dämpfe die Inflation. (Ausgabe vom 15.10.2018) (16.10.2018/alc/a/a)