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Die Inflation bleibt erhöht, aber unter Kontrolle
30.07.21 10:00
J.P. Morgan Asset Management
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Börsenjahr 2021 war bislang außergewöhnlich ruhig: Gerade einmal rund 4 Prozent betrug der Rückschlag in diesem Jahr - verglichen zu rund 12 Prozent im langfristigen Durchschnitt; nun ist die Lage an den Märkten unruhiger geworden und nach Ansicht von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt, könnte die zweite Jahreshälfte noch einige unangenehme Wochen mit sich bringen.
Gleichwohl sei dies kein Grund, sich den Optimismus nehmen zu lassen. "Grundsätzlich geht es sowohl ökonomisch als auch an den Märkten weiter aufwärts - nur eben etwas holpriger als bisher", stelle der Marktexperte bei der Vorstellung des Guide to the Markets für das 3. Quartal 2021 fest. Ein hohes Gewinnwachstum bei den Unternehmen stütze die Aktienmärkte, allerdings limitierten die Bewertungen das Potenzial. Eine ausgewogene Vermögensallokation unter anderem mit europäischen Aktien sowie US-Value-Titeln, aber auch mit Anleihen kurzer Duration oder asiatischen Investment-Grade-Anleihen könne nun für mehr Robustheit sorgen.
Aktuell lasse sich nach Analyse von Tilmann Galler beobachten, dass eine große Kauflust aufseiten des Privatsektors auf eine starke Ausgabefreude des Staates treffe. So hätten private Haushalte in der Eurozone aufgrund der Pandemie überschüssige Ersparnisse in Höhe von rund 7 Prozent des nominalen BIP der Eurozone angehäuft - in den USA seien dies sogar über 12 Prozent. Gleichzeitig halte die expansive Fiskalpolitik weiter an und dürfte bis weit in das Jahr 2022 hineinreichen - und damit das Wirtschaftswachstum weiter stützen. In den USA etwa würden umfassende Infrastrukturprogramme aufgesetzt, die ein Wachstum über Trend noch weiter antreiben könnten. Nichtsdestotrotz müsse man nach Meinung von Ökonom Galler konstatieren, dass die zwei größten Volkswirtschaften - die USA und China - inzwischen wieder den Wachstumstrend von vor der Pandemie erreicht hätten und sich nun im Übergang vom Früh- in den Mittzyklus befänden. Einkaufsmanagerindices hätten bereits einen Normalisierungsprozess angezeigt. In China hätten vor allem Einschränkungen bei der Kreditvergabe und Regulierungsmaßnahmen das Wachstum gedämpft. Nach Analyse des Marktexperten sei China nun stärker bestrebt, das weitere Wachstum auf ein stabileres Fundament zu setzen, und nehme dafür moderatere Wachstumsraten von aktuell um die 5,5 Prozent in Kauf - nachdem die chinesische Wirtschaft zwischenzeitlich sogar um 18 Prozent gewachsen sei.
Potenzial sehe Tilmann Galler vor allem noch in Europa: "Die Fortschritte bei der Impfung und starke fiskalische Anreize über den EU-Wiederaufbaufonds schaffen ein hohes Aufholpotenzial für Europa", sage der Ökonom. Seit Juli würden nun die ersten Tranchen des Wiederaufbaufonds ausgezahlt. In der Konsequenz könnte sich das ökonomische Momentum nun stärker von den USA hin zu Europa verschieben.
Angesichts stark steigender Inflationsraten, insbesondere in den USA mit 5,4 Prozent im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat, stelle sich nach Ansicht von Galler die Frage, inwieweit sich die Inflationsgefahren auf die Märkte auswirken könnten. Hier sei eine differenzierte Betrachtungsweise hilfreich. Grundsätzlich habe eine Beruhigung stattgefunden, die weiteren Prognosen der Inflationsraten würden weltweit auf einen Rückgang hindeuten. Bis zum Jahresende sollten Energiepreise, sofern sie auf dem heutigen Niveau verharrten, ein wesentlicher Inflationstreiber bleiben. Gleichzeitig würden sich jedoch auch auf dem Wohnungsmarkt längerfristige Inflationsrisiken bilden. Gleiches gelte für den Arbeitsmarkt, wo das Lohnwachstum wieder anziehe und somit inflationssteigernd wirke.
Beim Konsum verschiebe sich die Nachfrage allmählich in Richtung Dienstleistungen, wodurch die Gütermärkte entlastet würden. Mit Blick auf einzelne Länder würden sich die Inflationsrisiken sehr unterschiedlich verteilt zeigen. So könnten sich Länder wie Spanien oder Italien, deren Wirtschaftsleistung sich aktuell noch weit unter Potenzial befinde, konjunkturell noch gut erholen würden, ohne dass die Inflation zu einem Problem werden dürfte - auf der anderen Seite könne beispielsweise im wirtschaftlich bereits gut erholten Kanada die Inflation schneller zu einer ernstzunehmenden Herausforderung werden. Auch in den USA seien laut dem Ökonomen die Inflationsrisiken aufgrund der sich verstärkenden Lohn-/Preisspirale noch nicht gebannt.
An den Anleihenmärkten habe es nach Analyse von Tilmann Galler in den letzten Monaten eine interessante Entwicklung gegeben: "Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen ist kontinuierlich von rund 1,75 Prozent auf etwa 1,3 Prozent gesunken. In der Vergangenheit waren fallende Renditen häufig ein Warnsignal für Aktienmärkte, die noch in Champagnerlaune waren", erkläre Galler. Allerdings sehe er die fallenden Renditen aktuell nicht als Warnzeichen, da das Wirtschaftswachstum weiterhin robust sei. Die Ursache läge eher darin, dass in den USA das Liquiditätspolster, welches das US-Finanzministerium mithilfe von Anleihenemissionen für Pandemie-Hilfsprogramme aufgebaut habe, kontinuierlich abnehme. "Sobald sich der US-Kongress darauf geeinigt hat die Schuldengrenze anzuheben, sind die Rahmenbedingungen für steigende Renditen wieder besser", sage Galler.
Auf der Anleihenseite sehe der Kapitalmarktexperte vor allem Anleihen mit kurzer Duration sowie qualitativ höherwertige Hochzinspapiere im Fokus. Auch asiatische Investment-Grade-Anleihen hätten sich gut als Diversifikator geeignet. Um die Defensive zu stärken, sehe Galler auch Wandelanleihen und Makrostrategien als sinnvolle Portfolioergänzung an.
Bei den Aktien stelle Tilmann Galler auf der einen Seite hohe Bewertungen fest, auf der anderen Seite seien diese jedoch auch mit einem höheren Gewinnwachstum, insbesondere bei zyklischen Werten, einhergegangen. Vor allem Value-Aktien sehe Galler derzeit günstig bewertet, zudem sollten diese von einem Anstieg der US-Renditen profitieren. Regional sehe Galler vor allem bei europäischen Aktien noch Aufholpotenzial. Auch japanische Aktien könnten mit Blick auf das vierte Quartal interessanter werden. Small Caps hätten hingegen nach der guten Wertentwicklung der vergangenen zwölf Monate etwas an Attraktivität verloren. Wichtig sei grundsätzlich, die Vermögensallokation nun noch ausgewogener auszurichten. (Ausgabe vom 29.07.2021) (30.07.2021/alc/a/a)
Gleichwohl sei dies kein Grund, sich den Optimismus nehmen zu lassen. "Grundsätzlich geht es sowohl ökonomisch als auch an den Märkten weiter aufwärts - nur eben etwas holpriger als bisher", stelle der Marktexperte bei der Vorstellung des Guide to the Markets für das 3. Quartal 2021 fest. Ein hohes Gewinnwachstum bei den Unternehmen stütze die Aktienmärkte, allerdings limitierten die Bewertungen das Potenzial. Eine ausgewogene Vermögensallokation unter anderem mit europäischen Aktien sowie US-Value-Titeln, aber auch mit Anleihen kurzer Duration oder asiatischen Investment-Grade-Anleihen könne nun für mehr Robustheit sorgen.
Aktuell lasse sich nach Analyse von Tilmann Galler beobachten, dass eine große Kauflust aufseiten des Privatsektors auf eine starke Ausgabefreude des Staates treffe. So hätten private Haushalte in der Eurozone aufgrund der Pandemie überschüssige Ersparnisse in Höhe von rund 7 Prozent des nominalen BIP der Eurozone angehäuft - in den USA seien dies sogar über 12 Prozent. Gleichzeitig halte die expansive Fiskalpolitik weiter an und dürfte bis weit in das Jahr 2022 hineinreichen - und damit das Wirtschaftswachstum weiter stützen. In den USA etwa würden umfassende Infrastrukturprogramme aufgesetzt, die ein Wachstum über Trend noch weiter antreiben könnten. Nichtsdestotrotz müsse man nach Meinung von Ökonom Galler konstatieren, dass die zwei größten Volkswirtschaften - die USA und China - inzwischen wieder den Wachstumstrend von vor der Pandemie erreicht hätten und sich nun im Übergang vom Früh- in den Mittzyklus befänden. Einkaufsmanagerindices hätten bereits einen Normalisierungsprozess angezeigt. In China hätten vor allem Einschränkungen bei der Kreditvergabe und Regulierungsmaßnahmen das Wachstum gedämpft. Nach Analyse des Marktexperten sei China nun stärker bestrebt, das weitere Wachstum auf ein stabileres Fundament zu setzen, und nehme dafür moderatere Wachstumsraten von aktuell um die 5,5 Prozent in Kauf - nachdem die chinesische Wirtschaft zwischenzeitlich sogar um 18 Prozent gewachsen sei.
Potenzial sehe Tilmann Galler vor allem noch in Europa: "Die Fortschritte bei der Impfung und starke fiskalische Anreize über den EU-Wiederaufbaufonds schaffen ein hohes Aufholpotenzial für Europa", sage der Ökonom. Seit Juli würden nun die ersten Tranchen des Wiederaufbaufonds ausgezahlt. In der Konsequenz könnte sich das ökonomische Momentum nun stärker von den USA hin zu Europa verschieben.
Beim Konsum verschiebe sich die Nachfrage allmählich in Richtung Dienstleistungen, wodurch die Gütermärkte entlastet würden. Mit Blick auf einzelne Länder würden sich die Inflationsrisiken sehr unterschiedlich verteilt zeigen. So könnten sich Länder wie Spanien oder Italien, deren Wirtschaftsleistung sich aktuell noch weit unter Potenzial befinde, konjunkturell noch gut erholen würden, ohne dass die Inflation zu einem Problem werden dürfte - auf der anderen Seite könne beispielsweise im wirtschaftlich bereits gut erholten Kanada die Inflation schneller zu einer ernstzunehmenden Herausforderung werden. Auch in den USA seien laut dem Ökonomen die Inflationsrisiken aufgrund der sich verstärkenden Lohn-/Preisspirale noch nicht gebannt.
An den Anleihenmärkten habe es nach Analyse von Tilmann Galler in den letzten Monaten eine interessante Entwicklung gegeben: "Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen ist kontinuierlich von rund 1,75 Prozent auf etwa 1,3 Prozent gesunken. In der Vergangenheit waren fallende Renditen häufig ein Warnsignal für Aktienmärkte, die noch in Champagnerlaune waren", erkläre Galler. Allerdings sehe er die fallenden Renditen aktuell nicht als Warnzeichen, da das Wirtschaftswachstum weiterhin robust sei. Die Ursache läge eher darin, dass in den USA das Liquiditätspolster, welches das US-Finanzministerium mithilfe von Anleihenemissionen für Pandemie-Hilfsprogramme aufgebaut habe, kontinuierlich abnehme. "Sobald sich der US-Kongress darauf geeinigt hat die Schuldengrenze anzuheben, sind die Rahmenbedingungen für steigende Renditen wieder besser", sage Galler.
Auf der Anleihenseite sehe der Kapitalmarktexperte vor allem Anleihen mit kurzer Duration sowie qualitativ höherwertige Hochzinspapiere im Fokus. Auch asiatische Investment-Grade-Anleihen hätten sich gut als Diversifikator geeignet. Um die Defensive zu stärken, sehe Galler auch Wandelanleihen und Makrostrategien als sinnvolle Portfolioergänzung an.
Bei den Aktien stelle Tilmann Galler auf der einen Seite hohe Bewertungen fest, auf der anderen Seite seien diese jedoch auch mit einem höheren Gewinnwachstum, insbesondere bei zyklischen Werten, einhergegangen. Vor allem Value-Aktien sehe Galler derzeit günstig bewertet, zudem sollten diese von einem Anstieg der US-Renditen profitieren. Regional sehe Galler vor allem bei europäischen Aktien noch Aufholpotenzial. Auch japanische Aktien könnten mit Blick auf das vierte Quartal interessanter werden. Small Caps hätten hingegen nach der guten Wertentwicklung der vergangenen zwölf Monate etwas an Attraktivität verloren. Wichtig sei grundsätzlich, die Vermögensallokation nun noch ausgewogener auszurichten. (Ausgabe vom 29.07.2021) (30.07.2021/alc/a/a)
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