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Inflation: Wie geht es weiter?
09.02.22 12:52
La Française AM
Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Die Inflation ist derzeit eines der wichtigsten Themen (wenn nicht DAS wichtigste) für die Finanzmärkte, und das könnte zumindest in den nächsten sechs Monaten so bleiben. Wir geben einen Überblick, was an der Inflationsfront in Zukunft passieren könnte, welche Risiken bestehen und was die Inflation für die Zentralbanken bedeutet, so François Rimeu, Senior Strategist bei La Française AM.
Zunächst sei gesagt, dass niemand wisse, was passieren werde. Die Unsicherheiten seien nach wie vor groß und es gebe praktisch keinen Vergleichszeitraum, den die Experten heranziehen könnten, um abzuschätzen, wie und wann die Inflation zurückgehen könnte. Die Experten von La Française AM werden daher versuchen zu analysieren, was das wahrscheinlichste Szenario sein könnte.
Die Experten würden davon ausgehen, dass die Inflation in der Eurozone im Jahr 2022 durchschnittlich 4,7% betragen werde. Damit liege sie 150 Basispunkte über der Schätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Dezember. Gleichzeitig werde die Kerninflation durchschnittlich 2,7% betragen und damit 80 Basispunkte über der EZB-Schätzung liegen. Konkret würden die Experten eine Gesamtinflationsrate von über 5% mindestens bis Juni erwarten, gefolgt von einem langsamen Rückgang im dritten Quartal und einem deutlicheren Rückgang im vierten Quartal. Die Experten würden davon ausgehen, dass die Gesamtinflationsrate zum Jahresende bei etwa 3% und die Kerninflation bei etwa 2,3% liegen werde. Die Basiseffekte würden in den kommenden Monaten sehr negativ ausfallen (aufgrund der Energiepreise und der Lieferkettenproblematik).
Die höheren Erdgas- und Ölpreise würden den Großteil des Anstiegs seit Jahresbeginn erklären. Was den Ausblick für den Energiesektor betreffe, so bleibe die Lage äußerst unsicher. Hier würden einige positive Einflussfaktoren wahrscheinlich irgendwann enden, während andere länger anhalten könnten (z.B. die Energiewende in Europa, die zur schrittweisen Schließung von Kohle- und Kernkraftwerken in einigen europäischen Ländern führe). Darüber hinaus sorge die Ukraine-Russland-Krise für eine gewisse Unsicherheit bei der Erdgasversorgung.
Die Teuerungsrate bei Lebensmitteln tendiere ebenfalls nach oben. Das sei keine große Überraschung, bedenke man, dass auch die Frühindikatoren (z.B. Düngemittelpreise) seit einigen Monaten nach oben zeigen würden. Auch dies sei ein großer Unsicherheitsfaktor, vor allem weil Russland die Einfuhr von Nitrat-Ammonium - einer der Komponenten von Düngemitteln - für zwei Monate bis zum 2. April gestoppt habe. In Anbetracht des hohen Erzeugerpreisindex (PPI), der starken Nachfrage nach den verarbeiteten Lebensmitteln und der bevorstehenden Lohninflation sei das Inflationsrisiko nach Erachten der Experten gestiegen.
Für 2023 würden die Experten einen deutlichen Rückgang der Kern- und Gesamtinflation auf durchschnittlich 1,7% erwarten. Die Unsicherheiten würden aber auch hier groß bleiben. Die Entwicklung von Versorgungsengpässen, Lohnentwicklung und Energiepreisen werde von größter Bedeutung sein.
Wie auch immer die Inflationserwartungen für 2023 aussehen mögen, die aktuellen massiven Inflationszahlen und die hohen Energiepreise würden auf ein erhebliches Risiko deutlich höherer Inflationsprognosen der EZB im März hindeuten, insbesondere für 2022. Der Zweijahreshorizont (2024) könnte sich gefährlich der 2%-Marke nähern, was zu einem restriktiveren Ausblick führen könnte. Die Inflation werde die EZB unter Druck setzen, ihren relativ hawkischen Ton 2022 weitgehend beizubehalten. Das werde sich negativ auf die Marktstimmung auswirken.
Auch in den USA würden die Experten in den kommenden Monaten mit einer sehr hohen Inflation rechnen. Sie würden für 2022 eine durchschnittliche Inflationsrate von 5,7% und eine durchschnittliche Kerninflation von etwa 5% erwarten. Die Entwicklung im Laufe des Jahres werde mit der Erwartungen der Experten für Europa vergleichbar sein: Eine sehr hohe Inflation bis Ende April (über 7%) und eine Verlangsamung bis Jahresende. Die Experten würden davon ausgehen, dass die Gesamt- und Kerninflation am Ende des Jahres bei etwa 3,5% und damit über dem Ziel der FED liegen werde.
Die Eigenheimpreise hätten einen erheblichen Einfluss auf die eigentümeräquivalente Miete (Owner's Equivalent Rent (OER)) und einzelne Mietkomponenten, die insgesamt 40% der Kerninflation ausmachen würden. Was die Mieten betreffe, so würden mehrere Indices (REIS-Mieten, Zillow-Mieten) darauf hindeuten, dass sich die derzeitige Inflationssteigerung bei den Mieten bis weit in das Jahr 2022 hinein fortsetzen und in der zweiten Jahreshälfte 2022 und in 2023 über 5% betragen könnte.
Auch die Löhne seien eine wichtige Determinante für die mittelfristige Inflationsprognose (insbesondere im Dienstleistungssektor). In den letzten sechs Monaten habe sich die Lohnentwicklung laut Atlanta FED auf 4,5% im Jahresvergleich erhöht und damit ein 20-Jahres-Hoch erreicht. Die kurzfristigen Aussichten würden ungewiss bleiben: Die Kündigungsquote im privaten Sektor deute auf weitere Lohnsteigerungen hin, während der Erwartungsindex des Conference Board, der sich auf die kurzfristigen Aussichten der Verbraucher in Bezug auf Einkommen, Unternehmen und Arbeitsmarktbedingungen stütze, auf einen bevorstehenden Rückgang hindeute.
Im Gegensatz zu Europa würden die Experten in den USA eine hohe Kerninflation erwarten, selbst im Jahr 2023. Grund hierfür sei vor allem die hohe Kerninflation im Dienstleistungssektor (hohe OER- und Mietkomponenten). Die Experten würden davon ausgehen, dass die Inflation niedriger ausfallen werde als 2022, aber 2023 im Durchschnitt bei 2,8% und damit über der Zielrate der FED liegen werde. Hohe Inflationszahlen in den kommenden Monaten würden einen relativ hawkischen Ton der Fed bestärken, was sich negativ auf die Marktstimmung auswirken werde.
Der Privatkonsum sei in den USA im Jahr 2021 dank der starken fiskalischen Unterstützung, die nun langsam auslaufe, sehr hoch gewesen. Historisch gesehen bestehe in den USA eine negative Korrelation zwischen der Inflation und den persönlichen Ausgaben. Wenn sich dieses Verhältnis bewahrheite, müsse man in den kommenden Quartalen mit einer Konsumabschwächung rechnen. Folglich könnte das US-Wachstum in der zweiten Jahreshälfte enttäuschen, selbst wenn die Inflation weiterhin hoch sei.
Eine mögliche Verlangsamung des Wachstums, eine hohe Inflation und eine geldpolitische Straffung durch die Zentralbank... das ist nicht gerade das beste Umfeld für die Risikobereitschaft insgesamt, so die Experten von La Française AM. (09.02.2022/alc/a/a)
Zunächst sei gesagt, dass niemand wisse, was passieren werde. Die Unsicherheiten seien nach wie vor groß und es gebe praktisch keinen Vergleichszeitraum, den die Experten heranziehen könnten, um abzuschätzen, wie und wann die Inflation zurückgehen könnte. Die Experten von La Française AM werden daher versuchen zu analysieren, was das wahrscheinlichste Szenario sein könnte.
Die Experten würden davon ausgehen, dass die Inflation in der Eurozone im Jahr 2022 durchschnittlich 4,7% betragen werde. Damit liege sie 150 Basispunkte über der Schätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Dezember. Gleichzeitig werde die Kerninflation durchschnittlich 2,7% betragen und damit 80 Basispunkte über der EZB-Schätzung liegen. Konkret würden die Experten eine Gesamtinflationsrate von über 5% mindestens bis Juni erwarten, gefolgt von einem langsamen Rückgang im dritten Quartal und einem deutlicheren Rückgang im vierten Quartal. Die Experten würden davon ausgehen, dass die Gesamtinflationsrate zum Jahresende bei etwa 3% und die Kerninflation bei etwa 2,3% liegen werde. Die Basiseffekte würden in den kommenden Monaten sehr negativ ausfallen (aufgrund der Energiepreise und der Lieferkettenproblematik).
Die höheren Erdgas- und Ölpreise würden den Großteil des Anstiegs seit Jahresbeginn erklären. Was den Ausblick für den Energiesektor betreffe, so bleibe die Lage äußerst unsicher. Hier würden einige positive Einflussfaktoren wahrscheinlich irgendwann enden, während andere länger anhalten könnten (z.B. die Energiewende in Europa, die zur schrittweisen Schließung von Kohle- und Kernkraftwerken in einigen europäischen Ländern führe). Darüber hinaus sorge die Ukraine-Russland-Krise für eine gewisse Unsicherheit bei der Erdgasversorgung.
Die Teuerungsrate bei Lebensmitteln tendiere ebenfalls nach oben. Das sei keine große Überraschung, bedenke man, dass auch die Frühindikatoren (z.B. Düngemittelpreise) seit einigen Monaten nach oben zeigen würden. Auch dies sei ein großer Unsicherheitsfaktor, vor allem weil Russland die Einfuhr von Nitrat-Ammonium - einer der Komponenten von Düngemitteln - für zwei Monate bis zum 2. April gestoppt habe. In Anbetracht des hohen Erzeugerpreisindex (PPI), der starken Nachfrage nach den verarbeiteten Lebensmitteln und der bevorstehenden Lohninflation sei das Inflationsrisiko nach Erachten der Experten gestiegen.
Für 2023 würden die Experten einen deutlichen Rückgang der Kern- und Gesamtinflation auf durchschnittlich 1,7% erwarten. Die Unsicherheiten würden aber auch hier groß bleiben. Die Entwicklung von Versorgungsengpässen, Lohnentwicklung und Energiepreisen werde von größter Bedeutung sein.
Auch in den USA würden die Experten in den kommenden Monaten mit einer sehr hohen Inflation rechnen. Sie würden für 2022 eine durchschnittliche Inflationsrate von 5,7% und eine durchschnittliche Kerninflation von etwa 5% erwarten. Die Entwicklung im Laufe des Jahres werde mit der Erwartungen der Experten für Europa vergleichbar sein: Eine sehr hohe Inflation bis Ende April (über 7%) und eine Verlangsamung bis Jahresende. Die Experten würden davon ausgehen, dass die Gesamt- und Kerninflation am Ende des Jahres bei etwa 3,5% und damit über dem Ziel der FED liegen werde.
Die Eigenheimpreise hätten einen erheblichen Einfluss auf die eigentümeräquivalente Miete (Owner's Equivalent Rent (OER)) und einzelne Mietkomponenten, die insgesamt 40% der Kerninflation ausmachen würden. Was die Mieten betreffe, so würden mehrere Indices (REIS-Mieten, Zillow-Mieten) darauf hindeuten, dass sich die derzeitige Inflationssteigerung bei den Mieten bis weit in das Jahr 2022 hinein fortsetzen und in der zweiten Jahreshälfte 2022 und in 2023 über 5% betragen könnte.
Auch die Löhne seien eine wichtige Determinante für die mittelfristige Inflationsprognose (insbesondere im Dienstleistungssektor). In den letzten sechs Monaten habe sich die Lohnentwicklung laut Atlanta FED auf 4,5% im Jahresvergleich erhöht und damit ein 20-Jahres-Hoch erreicht. Die kurzfristigen Aussichten würden ungewiss bleiben: Die Kündigungsquote im privaten Sektor deute auf weitere Lohnsteigerungen hin, während der Erwartungsindex des Conference Board, der sich auf die kurzfristigen Aussichten der Verbraucher in Bezug auf Einkommen, Unternehmen und Arbeitsmarktbedingungen stütze, auf einen bevorstehenden Rückgang hindeute.
Im Gegensatz zu Europa würden die Experten in den USA eine hohe Kerninflation erwarten, selbst im Jahr 2023. Grund hierfür sei vor allem die hohe Kerninflation im Dienstleistungssektor (hohe OER- und Mietkomponenten). Die Experten würden davon ausgehen, dass die Inflation niedriger ausfallen werde als 2022, aber 2023 im Durchschnitt bei 2,8% und damit über der Zielrate der FED liegen werde. Hohe Inflationszahlen in den kommenden Monaten würden einen relativ hawkischen Ton der Fed bestärken, was sich negativ auf die Marktstimmung auswirken werde.
Der Privatkonsum sei in den USA im Jahr 2021 dank der starken fiskalischen Unterstützung, die nun langsam auslaufe, sehr hoch gewesen. Historisch gesehen bestehe in den USA eine negative Korrelation zwischen der Inflation und den persönlichen Ausgaben. Wenn sich dieses Verhältnis bewahrheite, müsse man in den kommenden Quartalen mit einer Konsumabschwächung rechnen. Folglich könnte das US-Wachstum in der zweiten Jahreshälfte enttäuschen, selbst wenn die Inflation weiterhin hoch sei.
Eine mögliche Verlangsamung des Wachstums, eine hohe Inflation und eine geldpolitische Straffung durch die Zentralbank... das ist nicht gerade das beste Umfeld für die Risikobereitschaft insgesamt, so die Experten von La Française AM. (09.02.2022/alc/a/a)
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| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 24.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
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