Erweiterte Funktionen
Inflation, Wachstum, Zölle - Dreifachbelastung für die EZB
14.04.25 09:30
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Der US-Zollhammer hat an den Aktienmärkten einen Rücksetzer nach sich gezogen, wie dieser sonst nur bei plötzlichen negativen Schocks zu sehen ist (Covid-19, Globale Finanzkrise, Eurokrise), so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Es stelle sich also die Frage, ob der Finanzmarkt bereits eine (globale) Wirtschaftskrise signalisiere. Der Vergleich mit vorhergehenden Krisen lege jedoch nahe, dass die Ausgangslage dieses Mal eine andere sei. Zum Ersten sei der Auslöser der Verwerfungen dieses Mal eine bewusste politische Entscheidung, die jederzeit widerrufen / abgeschwächt werden könnte. Zweitens biete der Blick auf den Welthandel einen guten Bezugspunkt. Die Exporte in die USA würden rund 13% der globalen Exporte ausmachen. Dies sei sicher bedeutend genug, sodass ein Einbruch dieser die globale Konjunktur schwer belasten würde. Andererseits habe zu Beginn der Finanzkrise der Handel in vielen Teilen der gesamten Welt in einer Schockstarre gestanden. Die Covid-Zeit wiederum sei geprägt gewesen von Lock-Downs, was ebenso den Welthandel - und nicht nur die US-Exporte allein belastet habe.
Die "Economy at Risk" möge in der aktuellen Ausgangslage also weniger groß ausfallen. Allerdings bestehe die Gefahr, dass sich der unmittelbare wirtschaftliche Schock ausdehne. Eine zentrale Rolle komme hier den Finanzmärkten zu. Die Verspannungen am Finanzmarkt bzw. die damit einhergehenden Verschärfungen von Finanzierungsbedingungen seien derzeit noch überschaubar. Dennoch seien die merklich ansteigenden Renditen von US-Treasuries während eines gleichzeitigen Aktienmarkt Sell-Offs ein Warnsignal. Hervorzuheben sei zudem die gegenläufige Entwicklung von Safe Assets wie Deutschen Bundesanleihen. Noch sei unklar, inwiefern die US-Renditenanstiege auf markttechnische Faktoren, aktive Verkäufe von US-Treasurybeständen durch internationale Investoren (allen voran China) oder auf ein allgemein sinkendes Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der USA zurückzuführen sei. Letzteres würde im Extremfall den Safe Asset Status des US-Dollars bzw. von US-Staatsanleihen infrage stellen und somit einen Umbau des globalen Finanzsystems bewirken.
Aktienmarkteinbrüche würden sich unmittelbar auf das Vertrauen von US-Konsumenten niederschlagen. Zölle und internationale politische Konflikte würden zusätzlich das Vertrauen von Unternehmen belasten. Die Belastung des Vertrauenskanals sei bereits deutlich in ersten Umfragen zu erkennen. In den kommenden Wochen würden Umfragen wohl weitere Warnhinweise für die Konjunkturentwicklung geben. Allerdings könnten Sentimentindikatoren sowie die Stimmung am Finanzmarkt auch wieder rasch umschwenken. Die Analysten der RBI würden derzeit in zwei Szenarien denken. Im ersten Szenario, der Grundannahme der Analysten der RBI, sollte es zu einem Verhandlungsstart zwischen den USA und Europa sowie China kommen. Dies sollte eine gewisse internationale Politikkoordination erlauben und zur Vermeidung eines Handelskrieges beitragen. Die ökonomischen Konsequenzen eines solchen Szenarios (BIP, Inflation) für die Eurozone sähen die Analysten der RBI mit ihren bestehenden Prognosen gut abgedeckt, während sie ihre Zins- und Währungsprognosen aktuell einer Revision unterziehen würden.
Ohne eine rationale wirtschaftspolitische Kooperation würden die Analysten der RBI keine rasche und vor allem nachhaltige Marktstabilisierung erwarten. Dieses adverse Szenario (das zweite RBI-Szenario) würde eine Eskalation der Zölle zwischen den USA und insbesondere China (aber auch Europa) implizieren. Zumindest milde Rezessionen in den USA und der Eurozone wären eine logische Konsequenz, auch der globale Handel würde wesentlich stärker leiden. Dies würde sich auch auf den Märkten widerspiegeln, mit anhaltenden Verspannungen und einer erhöhten Volatilität müsste gerechnet werden. Der weitere Pfad der Handelsbeziehungen zwischen den USA und dem Rest der Welt spiele also eine maßgebliche Rolle für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Aktuell sei jedoch keineswegs klar, welcher Pfad schlussendlich betreten werde. Mit einer anhaltend erhöhten Unsicherheit müsse also jedenfalls gerechnet werden.
Neben den geopolitischen Entwicklungen habe auch der Datenkalender dieser Woche das eine oder andere Highlight zu bieten gehabt. Die US-Verbraucherpreisinflation für März habe dabei positiv überraschen können. Ein Rückgang des Inflationsmomentums sei weitgehend erwartet worden, doch die erschienenen Zahlen hätten die Konsensschätzungen sogar noch unterbieten können: -0,1% p.m. bei der Gesamtinflation (Konsens: 0,1%), 0,1% p.m. bei der Kerninflation (Konsens: 0,3%). Somit hätten die März-Daten angesichts der erhöhten Inflationsdynamiken der Vormonate ein positives Signal vermittelt. Allerdings sei Vorsicht geboten, immerhin sei davon auszugehen, dass die US-Zölle in den kommenden Monaten Aufwärtsdruck auf die Inflation ausüben würden. Es bestehe also die realistische Gefahr, dass die März-Inflationsveröffentlichung die letzte gewesen sei, welche ein so erfreuliches Bild aufzeige. Die Sentix-Daten für April (Eurozone) hätten die jüngsten Verwerfungen auf dem geopolitischen Parkett und auf den Finanzmärkten bereits reflektiert: Der deutliche Absturz (-2,9 Punkte auf -19,5 Punkte) habe sowohl die RBI- als auch die Konsenserwartung übertroffen.
Die diese Woche erscheinenden ZEW-Zahlen würden wohl die gleiche Richtung einschlagen wie der Sentix. Die Analysten der RBI würden für die Komponente betreffend die Zukunftserwartungen einen Rückgang von 51,6 auf 10 Punkte prognostizieren, was die starke Entwicklung seit Jahresbeginn zunichtemachen würde. Hinsichtlich der Maßzahl zur aktuellen Lage, welche sich schon seit geraumer Zeit auf negativem Terrain seitwärts bewege, sähen die Analysten der RBI nur wenig Potenzial für Veränderung und würden einen geringfügigen Anstieg von -87,6 auf -85 Punkte veranschlagen.
In den USA würden einstweilen März-Daten zu Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen im Fokus stehen, diese doch Auskunft über das aktuelle wirtschaftliche Momentum geben. Aktuelle Konsensschätzungen würden von einem deutlichen Zuwachs in Höhe von 1,3% p.m. bei den Einzelhandelsumsätzen ausgehen (Vormonat: 0,2%), während die Prognose für die Industrieproduktion pessimistischer ausfalle: -0,3% p.m. (Vormonat: 0,7%).
Die turbulenten Ereignisse rund um die Zollpolitik würden diese Woche auch die EZB beschäftigen. Auf der letzten Zinssitzung im März sei das Zinsniveau als "weniger restriktiv" beschrieben worden und auf der Pressekonferenz habe Präsidentin Lagarde klargestellt, dass die nächste Entscheidung entweder eine Zinssenkung oder Zinspause bringen werde. Die EZB folge einem daten- und eventgetriebenen Ansatz. Seit der letzten Zinssitzung seien Inflationsdaten den Erwartungen einer fortschreitenden Disinflation gefolgt. Die Kerninflation sei auf 2,4% p.a. gefallen und auch die Dienstleistungsinflation sei merklich zurückgegangen und liege nun bei 3,4% p.a. Die jüngsten Inflationsdaten würden somit nicht gegen eine Zinssenkung diese Woche sprechen.
Die politische Unsicherheit könnte aber das eine oder andere Ratsmitglied dazu veranlassen, lieber die Aktualisierung der makroökonomischen Prognosen im Juni abzuwarten. Der zusätzliche fiskalische Stimulus aus Deutschland spreche für mittelfristig höheres Wachstum und Inflation, während der protektionistische Schwenk Trumps das Wachstum belaste und in der Eurozone - nicht aber in den USA - disinflationär wirken sollte. Die Analysten der RBI würden somit weitere Zinssenkungen bis auf einen EZB-Einlagesatz von 2% als gut unterstützt ansehen, einer Zinssenkung/ Zinspause diese Woche aber eine 50/50-Wahrscheinlichkeit zuschreiben. (Ausgabe vom 11.04.2025) (14.04.2025/alc/a/a)
Es stelle sich also die Frage, ob der Finanzmarkt bereits eine (globale) Wirtschaftskrise signalisiere. Der Vergleich mit vorhergehenden Krisen lege jedoch nahe, dass die Ausgangslage dieses Mal eine andere sei. Zum Ersten sei der Auslöser der Verwerfungen dieses Mal eine bewusste politische Entscheidung, die jederzeit widerrufen / abgeschwächt werden könnte. Zweitens biete der Blick auf den Welthandel einen guten Bezugspunkt. Die Exporte in die USA würden rund 13% der globalen Exporte ausmachen. Dies sei sicher bedeutend genug, sodass ein Einbruch dieser die globale Konjunktur schwer belasten würde. Andererseits habe zu Beginn der Finanzkrise der Handel in vielen Teilen der gesamten Welt in einer Schockstarre gestanden. Die Covid-Zeit wiederum sei geprägt gewesen von Lock-Downs, was ebenso den Welthandel - und nicht nur die US-Exporte allein belastet habe.
Die "Economy at Risk" möge in der aktuellen Ausgangslage also weniger groß ausfallen. Allerdings bestehe die Gefahr, dass sich der unmittelbare wirtschaftliche Schock ausdehne. Eine zentrale Rolle komme hier den Finanzmärkten zu. Die Verspannungen am Finanzmarkt bzw. die damit einhergehenden Verschärfungen von Finanzierungsbedingungen seien derzeit noch überschaubar. Dennoch seien die merklich ansteigenden Renditen von US-Treasuries während eines gleichzeitigen Aktienmarkt Sell-Offs ein Warnsignal. Hervorzuheben sei zudem die gegenläufige Entwicklung von Safe Assets wie Deutschen Bundesanleihen. Noch sei unklar, inwiefern die US-Renditenanstiege auf markttechnische Faktoren, aktive Verkäufe von US-Treasurybeständen durch internationale Investoren (allen voran China) oder auf ein allgemein sinkendes Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der USA zurückzuführen sei. Letzteres würde im Extremfall den Safe Asset Status des US-Dollars bzw. von US-Staatsanleihen infrage stellen und somit einen Umbau des globalen Finanzsystems bewirken.
Aktienmarkteinbrüche würden sich unmittelbar auf das Vertrauen von US-Konsumenten niederschlagen. Zölle und internationale politische Konflikte würden zusätzlich das Vertrauen von Unternehmen belasten. Die Belastung des Vertrauenskanals sei bereits deutlich in ersten Umfragen zu erkennen. In den kommenden Wochen würden Umfragen wohl weitere Warnhinweise für die Konjunkturentwicklung geben. Allerdings könnten Sentimentindikatoren sowie die Stimmung am Finanzmarkt auch wieder rasch umschwenken. Die Analysten der RBI würden derzeit in zwei Szenarien denken. Im ersten Szenario, der Grundannahme der Analysten der RBI, sollte es zu einem Verhandlungsstart zwischen den USA und Europa sowie China kommen. Dies sollte eine gewisse internationale Politikkoordination erlauben und zur Vermeidung eines Handelskrieges beitragen. Die ökonomischen Konsequenzen eines solchen Szenarios (BIP, Inflation) für die Eurozone sähen die Analysten der RBI mit ihren bestehenden Prognosen gut abgedeckt, während sie ihre Zins- und Währungsprognosen aktuell einer Revision unterziehen würden.
Neben den geopolitischen Entwicklungen habe auch der Datenkalender dieser Woche das eine oder andere Highlight zu bieten gehabt. Die US-Verbraucherpreisinflation für März habe dabei positiv überraschen können. Ein Rückgang des Inflationsmomentums sei weitgehend erwartet worden, doch die erschienenen Zahlen hätten die Konsensschätzungen sogar noch unterbieten können: -0,1% p.m. bei der Gesamtinflation (Konsens: 0,1%), 0,1% p.m. bei der Kerninflation (Konsens: 0,3%). Somit hätten die März-Daten angesichts der erhöhten Inflationsdynamiken der Vormonate ein positives Signal vermittelt. Allerdings sei Vorsicht geboten, immerhin sei davon auszugehen, dass die US-Zölle in den kommenden Monaten Aufwärtsdruck auf die Inflation ausüben würden. Es bestehe also die realistische Gefahr, dass die März-Inflationsveröffentlichung die letzte gewesen sei, welche ein so erfreuliches Bild aufzeige. Die Sentix-Daten für April (Eurozone) hätten die jüngsten Verwerfungen auf dem geopolitischen Parkett und auf den Finanzmärkten bereits reflektiert: Der deutliche Absturz (-2,9 Punkte auf -19,5 Punkte) habe sowohl die RBI- als auch die Konsenserwartung übertroffen.
Die diese Woche erscheinenden ZEW-Zahlen würden wohl die gleiche Richtung einschlagen wie der Sentix. Die Analysten der RBI würden für die Komponente betreffend die Zukunftserwartungen einen Rückgang von 51,6 auf 10 Punkte prognostizieren, was die starke Entwicklung seit Jahresbeginn zunichtemachen würde. Hinsichtlich der Maßzahl zur aktuellen Lage, welche sich schon seit geraumer Zeit auf negativem Terrain seitwärts bewege, sähen die Analysten der RBI nur wenig Potenzial für Veränderung und würden einen geringfügigen Anstieg von -87,6 auf -85 Punkte veranschlagen.
In den USA würden einstweilen März-Daten zu Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen im Fokus stehen, diese doch Auskunft über das aktuelle wirtschaftliche Momentum geben. Aktuelle Konsensschätzungen würden von einem deutlichen Zuwachs in Höhe von 1,3% p.m. bei den Einzelhandelsumsätzen ausgehen (Vormonat: 0,2%), während die Prognose für die Industrieproduktion pessimistischer ausfalle: -0,3% p.m. (Vormonat: 0,7%).
Die turbulenten Ereignisse rund um die Zollpolitik würden diese Woche auch die EZB beschäftigen. Auf der letzten Zinssitzung im März sei das Zinsniveau als "weniger restriktiv" beschrieben worden und auf der Pressekonferenz habe Präsidentin Lagarde klargestellt, dass die nächste Entscheidung entweder eine Zinssenkung oder Zinspause bringen werde. Die EZB folge einem daten- und eventgetriebenen Ansatz. Seit der letzten Zinssitzung seien Inflationsdaten den Erwartungen einer fortschreitenden Disinflation gefolgt. Die Kerninflation sei auf 2,4% p.a. gefallen und auch die Dienstleistungsinflation sei merklich zurückgegangen und liege nun bei 3,4% p.a. Die jüngsten Inflationsdaten würden somit nicht gegen eine Zinssenkung diese Woche sprechen.
Die politische Unsicherheit könnte aber das eine oder andere Ratsmitglied dazu veranlassen, lieber die Aktualisierung der makroökonomischen Prognosen im Juni abzuwarten. Der zusätzliche fiskalische Stimulus aus Deutschland spreche für mittelfristig höheres Wachstum und Inflation, während der protektionistische Schwenk Trumps das Wachstum belaste und in der Eurozone - nicht aber in den USA - disinflationär wirken sollte. Die Analysten der RBI würden somit weitere Zinssenkungen bis auf einen EZB-Einlagesatz von 2% als gut unterstützt ansehen, einer Zinssenkung/ Zinspause diese Woche aber eine 50/50-Wahrscheinlichkeit zuschreiben. (Ausgabe vom 11.04.2025) (14.04.2025/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


