Inflation: USA gegen China 3:0


10.01.25 13:29
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wenn Inflation ein ökonomisches Virilitätssymbol ist, können sich die Amerikaner eines weiteren Sieges über China brüsten: 2024 war sie in den USA fast drei Prozentpunkte höher als dort, so die Analysten der Helaba.

Im Gegensatz zum Konkurrenten China, wo die Teuerung zum Jahresende nahe der Nulllinie gelegen habe, sei der Preisauftrieb in den USA nach wie vor zu hoch. Zwar werde er im Jahresdurchschnitt 2024 wohl knapp unter 3% gelegen haben - nach 4,1% 2023 - doch das sei noch immer ein ganzes Stück oberhalb der Definition der Notenbank von Preisniveaustabilität.

Dies spiegele tatsächlich teilweise die deutlich positivere zyklische Lage in den USA wider. China habe es 2024 wohl nicht geschafft, sein Wachstumsziel von rund 5% zu erreichen. Die US-Wirtschaft sei im vergangenen Jahr wahrscheinlich mit einer Rate expandiert, die fast doppelt so hoch sei wie ihr Potenzialwachstum von etwa 1,5%. Aber die zähe Inflation stimme weder die Konsumenten zwischen San Francisco und New York noch die Notenbank fröhlich.

Zum Jahresende 2024 würden die Analysten mit einem Anstieg des Gesamtindex im Dezember um 0,2% gg. Vm. und 2,8% gg. Vj. rechnen (Kernindex ohne Energie und Nahrungsmittel: 0,3% und 3,3%). Die Vorjahresraten seien damit niedriger als im Dezember 2023 (3,4% und 3,9%), aber die Hoffnungen - nicht zuletzt der Fed - seien hinsichtlich des Disinflationstempos teilweise höhergesteckt worden.

Vor allem die Dienstleistungspreise hätten 2024 einen schnelleren Rückgang der Teuerung verhindert. Energiepreise hätten geholfen, aber nicht annähernd so viel wie noch 2023. Zuletzt hätten die Kernwarenpreise sogar wieder angezogen. Eine Salve neuer Einfuhrzölle, wie sie nach Donald Trumps Amtseinführung am 20. Januar schnell kommen könnte, würde hier zusätzlichen Preisdruck erzeugen.

Schließlich lasse die lange prognostizierte Abschwächung der Mietentwicklung unverändert auf sich warten. Für 2025 würden die Analysten derzeit einen Verbraucherpreisanstieg um 2,5% (Kernrate: 2,8%) erwarten, aber dies beruhe auf der Annahme, dass einige der von Trump angekündigten inflationstreibenden Maßnahmen nur Drohungen bleiben würden. (10.01.2025/alc/a/a)