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Globaler Ausblick: Kerninflation noch nicht im Zielbereich
13.07.23 11:30
ETHENEA
Munsbach (www.anleihencheck.de) - Rund 3 Prozent globales Wachstum und keine Rezession in naher Zukunft - das ist das Basisszenario im aktuellen Wirtschaftsausblick von Michael Blümke, Senior Portfolio Manager bei ETHENEA Independent Investors S.A.
Die Zentralbanken würden sich dem Ende des Straffungszyklus nähern, eine Lockerung sei aber noch nicht in Sicht.
"Allen Widrigkeiten zum Trotz hat sich die Weltkonjunktur als deutlich widerstandsfähiger erwiesen als noch zu Beginn des Jahres erwartet", sage Blümke. Das "No-Landing"-Szenario eines verlängerten Konjunkturzyklus halte sich angesichts uneinheitlicher Wirtschaftsdaten und hoher Unsicherheiten hartnäckig. Tatsächlich deuteten jedoch die verzögerte Wirkung der geldpolitischen Straffung, die anhaltend hohe Inflation und die restriktiveren finanziellen Bedingungen auf ein langsameres Wachstum hin. "Sofern weitere externe Schocks ausbleiben, dürften die großen Volkswirtschaften allerdings in der Lage sein, eine schwere Rezession in naher Zukunft zu vermeiden", so die Einschätzung des Senior Portfolio Managers.
"Unser Basisszenario für 2023 sieht für die Weltwirtschaft ein Wachstum von leicht unter drei Prozent vor. Während die Industriestaaten vor Quartalen mit niedrigem Wachstum stehen, werden die Beiträge Chinas und der Schwellenländer unterstützend wirken", führe Blümke aus. Bei den Softdaten habe es in der ersten Jahreshälfte bereits eine Trendwende zum Positiven gegeben: Zum einen beim Verbrauchervertrauen, das sich von einem niedrigen Niveau aus verbessert habe, und zum anderen bei den Frühindikatoren im Dienstleistungssektor. Ein stabiler Arbeitsmarkt, ein nach wie vor gesunder Konsum, anhaltende Fiskalmaßnahmen sowie der Rückgang der Inflation würden die Konjunktur stützen. Die Reaktion der Behörden auf die US-Regionalbankenkrise habe zwar eine systemische Krise verhindert, aber höhere Finanzierungskosten und strengere Kreditvergabestandards würden das Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen belasten. Auch die Expansion in China verliere aktuell an Schwung.
Der Kampf gegen die Inflation zeige Wirkung. Die Gesamtinflation befinde sich in einem klaren Abwärtstrend. Jedoch bleibe die Kerninflation in vielen Regionen zu hoch und könnte sich verfestigen. Da der Preisdruck in Bereichen wie Löhne, Mieten und Dienstleistungen anhalte, müssten die Zentralbanken wachsam bleiben. Nach der Verringerung des Zinserhöhungstempos würden die Zentralbanken in den Industriestaaten in der zweiten Jahreshälfte eine Pause einlegen und die Auswirkungen ihrer Politik bewerten. Sollte der Rückgang der Gesamtnachfrage nicht ausreichen, um die Inflation in absehbarer Zeit auf das Zwei-Prozent-Ziel zu senken, könnte dies zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik mit den entsprechenden Konsequenzen für die Wachstumsprojektionen führen.
Die US-Wirtschaft sei im ersten Quartal um 2 Prozent gewachsen und habe sich im zweiten Quartal stabilisiert. "Die verzögerte Wirkung der Geldpolitik und strengere Kreditvergabestandards werden wahrscheinlich zu einem langsameren Wachstum führen, aber es gibt keine Anzeichen für eine bevorstehende Rezession", so Blümke. Auf dem Arbeitsmarkt herrsche Vollbeschäftigung, aber die Nachfrage nach Arbeitskräften lasse in vielen Sektoren nach. Übermäßige Lohnerhöhungen hielten sich in Grenzen, die privaten Einkommen und Ausgaben seien nach wie vor gesund. "Vor dem Hintergrund einer rekordtiefen Arbeitslosigkeit ist ein Aufwärtstrend beim Verbrauchervertrauen zu beobachten. Das Konsumverhalten ist weiterhin stark, da die während der Pandemie angesammelten Ersparnisse immer noch genutzt werden können", so der Marktexperte.
In zinssensiblen Sektoren habe eine deutliche Abschwächung stattgefunden. "Hinweise darauf, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr langsamer wachsen wird, finden sich im Abwärtstrend der Industrieproduktion, der Unternehmensinvestitionen und den Frühindikatoren für das verarbeitende Gewerbe", laute Blümkes Einschätzung. Nach dem aggressivsten Straffungszyklus der letzten 40 Jahre habe die US-Notenbank ihr Ziel, die Gesamtnachfrage zu bremsen, teilweise erreicht und sei vorsichtiger und datenabhängiger geworden. Ihr rasches und entschlossenes Handeln habe der FED einen gewissen Spielraum verschafft, um innezuhalten und später über den Kurs der Politik zu entscheiden. "Aus unserer Sicht ist die Fed unter den westlichen Zentralbanken am besten positioniert, um der Wirtschaft eine weiche Landung zu ermöglichen", kommentiere Blümke.
Die Wirtschaft der Eurozone habe sich als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen. Die restriktivere Geldpolitik und der Rückgang des real verfügbaren Einkommens hätten jedoch zwischen dem letzten Quartal 2022 und dem ersten Quartal 2023 zu einer technischen Rezession geführt. Ein stabiler Arbeitsmarkt, fiskalische Unterstützung und der Rückgang der Gesamtinflation hätten dazu beigetragen, einen tieferen Abschwung zu verhindern. Die Verbraucherstimmung habe sich in der ersten Jahreshälfte gegenüber den Tiefstständen im vergangenen Winter deutlich verbessert.
"Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor robust, und die Umfragen zur zukünftigen Wirtschaftstätigkeit deuten auf eine Expansion hin, die ähnlich wie in den USA hauptsächlich durch die Erholung des Dienstleistungssektors unterstützt wird", so Blümke weiter. "Die jüngsten Daten zeigen jedoch, dass die Dynamik nachlässt und die mittelfristigen Aussichten schwierig bleiben. Die Wirtschaft der Eurozone ist nach wie vor anfällig. Die Produktivität ist schwach, das verarbeitende Gewerbe bricht ein, der Immobiliensektor steht unter Druck und die Kreditvergabestandards haben sich erheblich verschärft."
Obwohl der Preisdruck in der Eurozone deutlich nachgelassen habe, sei die Kerninflation weiterhin zu hoch. Da die EZB ihre Politik erst später als die FED gestrafft habe, müsse sie ihren restriktiven Kurs noch länger beibehalten. Ob es ihr gelingen werde, die Inflation auf 2 Prozent zu senken, ohne eine Rezession auszulösen, sei fraglich. Höhere Zinsen in Verbindung mit strengeren Kreditstandards und anhaltender Inflation würden die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft im Euroraum auf die Probe stellen. Damit könnte das zweite Halbjahr schwächer ausfallen als erwartet.
Chinas Führung habe für 2023 ein BIP-Wachstumsziel von "etwa 5 Prozent" festgelegt. "Während dieses Ziel zu Beginn des Jahres noch als relativ konservativ angesehen wurde, ist es wahrscheinlich, dass die Behörden weitere gezielte fiskal- und geldpolitische Unterstützungsmaßnahmen ergreifen müssen, um dieses Ziel zu erreichen", ordne Blümke ein. Nur dank der starken politischen Unterstützung habe sich die Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres mit einem BIP-Wachstum von 4,5 Prozent kräftig erholen können. Treibende Kraft sei der Konsum gewesen, der im ersten Quartal zweistellig zugelegt habe.
Angesichts der Unterstützung durch politische Maßnahmen und zahlreicher Infrastrukturprojekte habe sich der Dienstleistungssektor rasch erholt und der Bausektor habe sich stabilisiert. Die Erholung habe im zweiten Quartal jedoch an Schwung verloren, da unter anderem Anlageinvestitionen geschrumpft seien, die internationale Nachfrage nachgelassen habe und die Arbeitslosigkeit weiterhin hoch geblieben sei. Nichtsdestotrotz dürfte die Erholung in China die Gesamtnachfrage ankurbeln und die nachlassende Dynamik der Weltwirtschaft abfedern. Die Erholung werde jedoch immer unsicherer und der Ausblick werde durch die geopolitischen Spannungen mit dem Westen bedroht. (13.07.2023/alc/a/a)
Die Zentralbanken würden sich dem Ende des Straffungszyklus nähern, eine Lockerung sei aber noch nicht in Sicht.
"Allen Widrigkeiten zum Trotz hat sich die Weltkonjunktur als deutlich widerstandsfähiger erwiesen als noch zu Beginn des Jahres erwartet", sage Blümke. Das "No-Landing"-Szenario eines verlängerten Konjunkturzyklus halte sich angesichts uneinheitlicher Wirtschaftsdaten und hoher Unsicherheiten hartnäckig. Tatsächlich deuteten jedoch die verzögerte Wirkung der geldpolitischen Straffung, die anhaltend hohe Inflation und die restriktiveren finanziellen Bedingungen auf ein langsameres Wachstum hin. "Sofern weitere externe Schocks ausbleiben, dürften die großen Volkswirtschaften allerdings in der Lage sein, eine schwere Rezession in naher Zukunft zu vermeiden", so die Einschätzung des Senior Portfolio Managers.
"Unser Basisszenario für 2023 sieht für die Weltwirtschaft ein Wachstum von leicht unter drei Prozent vor. Während die Industriestaaten vor Quartalen mit niedrigem Wachstum stehen, werden die Beiträge Chinas und der Schwellenländer unterstützend wirken", führe Blümke aus. Bei den Softdaten habe es in der ersten Jahreshälfte bereits eine Trendwende zum Positiven gegeben: Zum einen beim Verbrauchervertrauen, das sich von einem niedrigen Niveau aus verbessert habe, und zum anderen bei den Frühindikatoren im Dienstleistungssektor. Ein stabiler Arbeitsmarkt, ein nach wie vor gesunder Konsum, anhaltende Fiskalmaßnahmen sowie der Rückgang der Inflation würden die Konjunktur stützen. Die Reaktion der Behörden auf die US-Regionalbankenkrise habe zwar eine systemische Krise verhindert, aber höhere Finanzierungskosten und strengere Kreditvergabestandards würden das Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen belasten. Auch die Expansion in China verliere aktuell an Schwung.
Der Kampf gegen die Inflation zeige Wirkung. Die Gesamtinflation befinde sich in einem klaren Abwärtstrend. Jedoch bleibe die Kerninflation in vielen Regionen zu hoch und könnte sich verfestigen. Da der Preisdruck in Bereichen wie Löhne, Mieten und Dienstleistungen anhalte, müssten die Zentralbanken wachsam bleiben. Nach der Verringerung des Zinserhöhungstempos würden die Zentralbanken in den Industriestaaten in der zweiten Jahreshälfte eine Pause einlegen und die Auswirkungen ihrer Politik bewerten. Sollte der Rückgang der Gesamtnachfrage nicht ausreichen, um die Inflation in absehbarer Zeit auf das Zwei-Prozent-Ziel zu senken, könnte dies zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik mit den entsprechenden Konsequenzen für die Wachstumsprojektionen führen.
In zinssensiblen Sektoren habe eine deutliche Abschwächung stattgefunden. "Hinweise darauf, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr langsamer wachsen wird, finden sich im Abwärtstrend der Industrieproduktion, der Unternehmensinvestitionen und den Frühindikatoren für das verarbeitende Gewerbe", laute Blümkes Einschätzung. Nach dem aggressivsten Straffungszyklus der letzten 40 Jahre habe die US-Notenbank ihr Ziel, die Gesamtnachfrage zu bremsen, teilweise erreicht und sei vorsichtiger und datenabhängiger geworden. Ihr rasches und entschlossenes Handeln habe der FED einen gewissen Spielraum verschafft, um innezuhalten und später über den Kurs der Politik zu entscheiden. "Aus unserer Sicht ist die Fed unter den westlichen Zentralbanken am besten positioniert, um der Wirtschaft eine weiche Landung zu ermöglichen", kommentiere Blümke.
Die Wirtschaft der Eurozone habe sich als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen. Die restriktivere Geldpolitik und der Rückgang des real verfügbaren Einkommens hätten jedoch zwischen dem letzten Quartal 2022 und dem ersten Quartal 2023 zu einer technischen Rezession geführt. Ein stabiler Arbeitsmarkt, fiskalische Unterstützung und der Rückgang der Gesamtinflation hätten dazu beigetragen, einen tieferen Abschwung zu verhindern. Die Verbraucherstimmung habe sich in der ersten Jahreshälfte gegenüber den Tiefstständen im vergangenen Winter deutlich verbessert.
"Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor robust, und die Umfragen zur zukünftigen Wirtschaftstätigkeit deuten auf eine Expansion hin, die ähnlich wie in den USA hauptsächlich durch die Erholung des Dienstleistungssektors unterstützt wird", so Blümke weiter. "Die jüngsten Daten zeigen jedoch, dass die Dynamik nachlässt und die mittelfristigen Aussichten schwierig bleiben. Die Wirtschaft der Eurozone ist nach wie vor anfällig. Die Produktivität ist schwach, das verarbeitende Gewerbe bricht ein, der Immobiliensektor steht unter Druck und die Kreditvergabestandards haben sich erheblich verschärft."
Obwohl der Preisdruck in der Eurozone deutlich nachgelassen habe, sei die Kerninflation weiterhin zu hoch. Da die EZB ihre Politik erst später als die FED gestrafft habe, müsse sie ihren restriktiven Kurs noch länger beibehalten. Ob es ihr gelingen werde, die Inflation auf 2 Prozent zu senken, ohne eine Rezession auszulösen, sei fraglich. Höhere Zinsen in Verbindung mit strengeren Kreditstandards und anhaltender Inflation würden die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft im Euroraum auf die Probe stellen. Damit könnte das zweite Halbjahr schwächer ausfallen als erwartet.
Chinas Führung habe für 2023 ein BIP-Wachstumsziel von "etwa 5 Prozent" festgelegt. "Während dieses Ziel zu Beginn des Jahres noch als relativ konservativ angesehen wurde, ist es wahrscheinlich, dass die Behörden weitere gezielte fiskal- und geldpolitische Unterstützungsmaßnahmen ergreifen müssen, um dieses Ziel zu erreichen", ordne Blümke ein. Nur dank der starken politischen Unterstützung habe sich die Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres mit einem BIP-Wachstum von 4,5 Prozent kräftig erholen können. Treibende Kraft sei der Konsum gewesen, der im ersten Quartal zweistellig zugelegt habe.
Angesichts der Unterstützung durch politische Maßnahmen und zahlreicher Infrastrukturprojekte habe sich der Dienstleistungssektor rasch erholt und der Bausektor habe sich stabilisiert. Die Erholung habe im zweiten Quartal jedoch an Schwung verloren, da unter anderem Anlageinvestitionen geschrumpft seien, die internationale Nachfrage nachgelassen habe und die Arbeitslosigkeit weiterhin hoch geblieben sei. Nichtsdestotrotz dürfte die Erholung in China die Gesamtnachfrage ankurbeln und die nachlassende Dynamik der Weltwirtschaft abfedern. Die Erholung werde jedoch immer unsicherer und der Ausblick werde durch die geopolitischen Spannungen mit dem Westen bedroht. (13.07.2023/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 20.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


