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Geldmarkt: Auf dem Weg zur Inflationierung
10.12.15 11:52
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mario Draghi will mit allen Mitteln eine höhere Inflationsrate in der Eurozone erreichen, und man kann sicher sein, das schafft er auch, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
So steige die Geldmenge M1 Anfang Dezember um rund 14%, M2 um rund 6,5% und M3 ebenfalls um 6,5%. Zum Vergleich: Die OECD prognostiziere ein nominales BIP Wachstum von 3,4% in der Eurozone in 2017. Die jetzt beschlossene Verlängerung von QE bis März 2017 auf insgesamt EUR 1,5 Billionen werde die geldmengenmäßige Versorgung der Volkswirtschaft mit liquiden Mitteln noch weiter steigern.
Die Zinsen für Bankeinlagen bei der EZB würden auf -0,30% sinken. Doch wohin mit dem Geld? An den Geld- und Rentenmärkten könnten Anleger jetzt schon bis zu Laufzeiten von sechs Jahren nur negative Zinsen erzielen. Das wirke wie eine Enteignung. Selbst längere Laufzeiten oder Pfandbriefe würden keine akzeptable Verzinsung mehr bieten. Schuldverschreibungen minderwertiger Debitoren würden das Risiko nicht lohnen.
Sparer und Investoren würden veranlasst, Güter und Leistungen zu erwerben, die sie gar nicht brauchen würden oder nicht wollten. Das treibe inzwischen merkwürdige Blüten. So würden Investmentfonds von einem Anlegeransturm in bisher nie gekanntem Ausmaße berichten. Fonds für festverzinsliche Wertpapiere und Spezialfonds hätten hohe Zuflüsse, obwohl die Manager die Gelder an den Märkten nirgends attraktiv anlegen könnten, ohne hohe Risiken einzugehen.
Die Subprime Risiken dürften inzwischen genauso hoch sein wie 2008. Die Fondsmanager würden versuchen, ihre Performance durch den Einsatz von Derivaten, durch Termingeschäfte und durch Leerverkäufe zu verbessern. Ob die Sparer immer wissen würden, welche Risiken sie damit eingehen würden, bleibe eine andere Frage. Die Erinnerung an die letzte Niedrigzinsphase und die Folgen der Entwicklung immer abenteuerlicherer Finanzinstrumente (ABS, MBS, Structured Investment Vehicles, Adjustable Rate Mortgages, Interest only loans etc.) scheine zu verblassen.
Die Besitzer von Papiergeldansprüchen würden sich in Sicherheit wiegen. Der Bargeldumlauf steige kräftig an. Einige Länder in der Eurozone, wie z.B. Frankreich, würden versuchen, Zahlungen mit Bargeld erheblich einzuschränken. Am stärksten steige der Umlauf der 500-EUR Scheine. Die Nachfrage nach Schließfächern bei Kreditinstituten steige, sodass die Banken ihre Kunden darauf hinweisen würden, dass die Aufbewahrung von Bargeld nur begrenzt versichert sei und die Gebühren für die Schließfächer kräftig erhöhen würden. In den USA und Kanada würden die Institute ihre Kunden sogar mahnen, weder Bargeld noch Gold (ausdrückliche Ausnahme seien Sammlungen von Goldmünzen) in den Schließfächern aufzubewahren.
Das Vertrauen in die Lebensversicherungen sei nicht zu erschüttern, deren Vermögenswerte lägen um 5,6% über dem Vorjahr. Dennoch würden die Auszahlungen ständig weiter fallen, da das Management keine Anlagen mit vertretbarem Risiko mehr finde.
In Spanien seien die meisten Hypothekenkredite an den 12-monatigen EURIBOR gebunden. Dieser liege jetzt auf einem historischen Tiefstand von 0,04%. Dank der neuen EZB-Maßnahmen würden damit jetzt sogar negative Zinsen für Hypothekenschulden winken. Wer so eine Immobilie erwerbe, erhalte Geldgeschenke. Das erscheine jetzt noch krasser als in der letzten Niedrigzinsphase, als der Einbruch am Immobilienmarkt Spanien in eine Krise gestürzt habe.
In den USA seien zum 1. Mal in der Geschichte 3 Monate lang mehr als 18 Millionen Autos pro Monat verkauft worden. Das werde häufig als Beweis für die Stärke des US-Konjunkturaufschwungs aufgeführt. In Wirklichkeit seien das alles Käufe auf Kredit. Die Autokredite seien seit 18 Quartalen ununterbrochen gestiegen auf inzwischen über USD 1 Billion. Nach der FED of New York würden 96,7% ein Auto auf Kredit kaufen, doch fast die Hälfte erscheine kaum kreditwürdig. Die durchschnittliche Laufzeit der Autokredite sei 67 Monate für neue und 62 Monate für gebrauchte Fahrzeuge und damit auf Rekordstand. Die nächste Blase! Den gleichen Trend würden die Kreditkarten und die Studentenkredite zeigen.
Die niedrige Anstiegsrate des Verbraucherpreisindex um 0,1% p.a. im November habe die EZB vor Deflationsgefahren alarmiert. Ein Großteil jedoch sei auf die rückläufigen Energiepreise zurückzuführen. Sie hätten im November um 7,3% p.a. nachgegeben. Der preisdämpfende Effekt lasse aber nach. Im September und Oktober hätten die Jahresraten noch bei -8,9% und -8,5% gelegen. Die Nahrungsmittelpreise seien verstärkt um 2,3% pa angestiegen, nach 1,6% pa im Vormonat. Bei den Dienstleistungen habe der jährliche Preisauftrieb bei 1,2% verharrt. Sofern ein erneuter Schwächeanfall der Energiepreise ausbleibe, werde der Konsumentenpreisindex 2016 bis nahe an die angestrebten 2% ansteigen. Allmählich hätten auch die Deflationsängste abflauen dürfen.
Folgerung: Die Nachteile einer allzu langen ultra-expansiven Geldpolitik würden jetzt immer mehr zu Tage treten. Eine Wende in der Geldpolitik einzuleiten, wie es jetzt die FED anstrebe, dürfte für die EZB vom Timing her kaum erfolgreich erreicht werden. Erfahrungsgemäß könne die Inflationsrate auch wieder sehr schnell ansteigen. Die Zentralbanken hätten mehr Inflation gewollt, 2016 würden sie diese bekommen. (Ausgabe vom 09.12.2015) (10.12.2015/alc/a/a)
So steige die Geldmenge M1 Anfang Dezember um rund 14%, M2 um rund 6,5% und M3 ebenfalls um 6,5%. Zum Vergleich: Die OECD prognostiziere ein nominales BIP Wachstum von 3,4% in der Eurozone in 2017. Die jetzt beschlossene Verlängerung von QE bis März 2017 auf insgesamt EUR 1,5 Billionen werde die geldmengenmäßige Versorgung der Volkswirtschaft mit liquiden Mitteln noch weiter steigern.
Die Zinsen für Bankeinlagen bei der EZB würden auf -0,30% sinken. Doch wohin mit dem Geld? An den Geld- und Rentenmärkten könnten Anleger jetzt schon bis zu Laufzeiten von sechs Jahren nur negative Zinsen erzielen. Das wirke wie eine Enteignung. Selbst längere Laufzeiten oder Pfandbriefe würden keine akzeptable Verzinsung mehr bieten. Schuldverschreibungen minderwertiger Debitoren würden das Risiko nicht lohnen.
Sparer und Investoren würden veranlasst, Güter und Leistungen zu erwerben, die sie gar nicht brauchen würden oder nicht wollten. Das treibe inzwischen merkwürdige Blüten. So würden Investmentfonds von einem Anlegeransturm in bisher nie gekanntem Ausmaße berichten. Fonds für festverzinsliche Wertpapiere und Spezialfonds hätten hohe Zuflüsse, obwohl die Manager die Gelder an den Märkten nirgends attraktiv anlegen könnten, ohne hohe Risiken einzugehen.
Die Subprime Risiken dürften inzwischen genauso hoch sein wie 2008. Die Fondsmanager würden versuchen, ihre Performance durch den Einsatz von Derivaten, durch Termingeschäfte und durch Leerverkäufe zu verbessern. Ob die Sparer immer wissen würden, welche Risiken sie damit eingehen würden, bleibe eine andere Frage. Die Erinnerung an die letzte Niedrigzinsphase und die Folgen der Entwicklung immer abenteuerlicherer Finanzinstrumente (ABS, MBS, Structured Investment Vehicles, Adjustable Rate Mortgages, Interest only loans etc.) scheine zu verblassen.
Das Vertrauen in die Lebensversicherungen sei nicht zu erschüttern, deren Vermögenswerte lägen um 5,6% über dem Vorjahr. Dennoch würden die Auszahlungen ständig weiter fallen, da das Management keine Anlagen mit vertretbarem Risiko mehr finde.
In Spanien seien die meisten Hypothekenkredite an den 12-monatigen EURIBOR gebunden. Dieser liege jetzt auf einem historischen Tiefstand von 0,04%. Dank der neuen EZB-Maßnahmen würden damit jetzt sogar negative Zinsen für Hypothekenschulden winken. Wer so eine Immobilie erwerbe, erhalte Geldgeschenke. Das erscheine jetzt noch krasser als in der letzten Niedrigzinsphase, als der Einbruch am Immobilienmarkt Spanien in eine Krise gestürzt habe.
In den USA seien zum 1. Mal in der Geschichte 3 Monate lang mehr als 18 Millionen Autos pro Monat verkauft worden. Das werde häufig als Beweis für die Stärke des US-Konjunkturaufschwungs aufgeführt. In Wirklichkeit seien das alles Käufe auf Kredit. Die Autokredite seien seit 18 Quartalen ununterbrochen gestiegen auf inzwischen über USD 1 Billion. Nach der FED of New York würden 96,7% ein Auto auf Kredit kaufen, doch fast die Hälfte erscheine kaum kreditwürdig. Die durchschnittliche Laufzeit der Autokredite sei 67 Monate für neue und 62 Monate für gebrauchte Fahrzeuge und damit auf Rekordstand. Die nächste Blase! Den gleichen Trend würden die Kreditkarten und die Studentenkredite zeigen.
Die niedrige Anstiegsrate des Verbraucherpreisindex um 0,1% p.a. im November habe die EZB vor Deflationsgefahren alarmiert. Ein Großteil jedoch sei auf die rückläufigen Energiepreise zurückzuführen. Sie hätten im November um 7,3% p.a. nachgegeben. Der preisdämpfende Effekt lasse aber nach. Im September und Oktober hätten die Jahresraten noch bei -8,9% und -8,5% gelegen. Die Nahrungsmittelpreise seien verstärkt um 2,3% pa angestiegen, nach 1,6% pa im Vormonat. Bei den Dienstleistungen habe der jährliche Preisauftrieb bei 1,2% verharrt. Sofern ein erneuter Schwächeanfall der Energiepreise ausbleibe, werde der Konsumentenpreisindex 2016 bis nahe an die angestrebten 2% ansteigen. Allmählich hätten auch die Deflationsängste abflauen dürfen.
Folgerung: Die Nachteile einer allzu langen ultra-expansiven Geldpolitik würden jetzt immer mehr zu Tage treten. Eine Wende in der Geldpolitik einzuleiten, wie es jetzt die FED anstrebe, dürfte für die EZB vom Timing her kaum erfolgreich erreicht werden. Erfahrungsgemäß könne die Inflationsrate auch wieder sehr schnell ansteigen. Die Zentralbanken hätten mehr Inflation gewollt, 2016 würden sie diese bekommen. (Ausgabe vom 09.12.2015) (10.12.2015/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


