Frankreich-Anleihe: Auch beim Nachbarn gibt es nicht viel zu holen


27.07.12 14:54
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Henning Wagener, hält die Anleihe (ISIN FR0010670737 / WKN A0T2FE) von Frankreich für eine interessante Alternative für den Staatsanleihen-Sektor.

Die Staatsanleihe, emittiert von der Republik Frankreich, sei mit einem Kupon von 4,00 Prozent ausgestattet, laufe noch bis zum 25.10.2018 und weise eine anlegerfreundliche Stückelung von 1,00 auf. Bei einem aktuellen Kurs von 116,95 Prozent biete das Papier eine jährliche Rendite von knapp 1,2 Prozent. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent seien von der Ratingagentur Moody's mit der Bestnote von "Aaa" bewertet. Damit bestehe nach Einschätzung von Moody's bezüglich der Verbindlichkeiten des Emittenten nur ein minimales Kreditrisiko.

Die Euro-Schuldenkrise halte die Anleger weiterhin im Bann. Kürzlich habe die Ratingagentur Moody's auch den Ausblick für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Dabei habe die Ratingagentur einerseits auf die zunehmende Unsicherheit hinsichtlich des Ausgangs der Euro-Schuldenkrise und die steigenden Risiken, die sich aus dem immer wahrscheinlicher werdenden Austritt Griechenlands aus der Eurozone ergeben würden, verwiesen. Zudem hätten die Experten angemerkt, dass weitere Hilfen für andere Eurostaaten nötig sein könnten, die wiederum größtenteils von Staaten mit einer sehr guten Bonität zu stemmen sein würden.

Vor diesem Hintergrund würden Anleger aus Angst vor Verlusten verstärkt in Staatsanleihen der Länder investieren, die noch über eine Top-Bonität verfügen würden. Dabei würden auch sehr niedrige Renditen in Kauf genommen. Eine gute Anlagemöglichkeit in ein Land mit einer sehr guten Bonität stelle eine Investition in einer französische Staatsanleihe dar. Damit könnten die Anleger auch noch eine halbwegs passable Rendite erwirtschaften.

Frankreich sei eine der größten Volkswirtschaften der Welt, und neben Deutschland das wichtigste Industrieland Europas. Im Frühjahr sei es zu einem Machtwechsel in der Regierung gekommen. Nicolas Sarkozy sei durch den linken Herausforderer François Hollande abgelöst worden. Damit habe das erste Mal seit 17 Jahren wieder ein Sozialist das Regierungszepter Frankreichs übernommen. Es werde gehofft, dass er die Stabilitätspolitik und Haushaltsdisziplin weiterführe.

Allerdings befinde sich die Wirtschaft Frankreichs derzeit in einer Krise. In 2011 sei Frankreichs Wirtschaft noch um 1,7 Prozent gewachsen. Im ersten Quartal 2012 sei das Wirtschaftswachstum dann aber zum Erliegen gekommen. Nach Angaben der französischen Statistikbehörde Insee habe sich das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal nicht mehr verändert, nachdem im vierten Quartal 2011 immerhin noch ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent ausgewiesen worden sei. Für das laufende Jahr habe Insee nun ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 0,4 Prozent vorhergesagt. Damit liege die Statistikbehörde leicht unter der Schätzung der Regierung.

Aber auch die jüngsten Konjunkturdaten würden keine deutliche Besserung erwarten lassen. So habe sich das Geschäftsklima im französischen Verarbeitenden Gewerbe im Juli verschlechtert. Der entsprechende saisonbereinigte Stimmungsindex sei von 89 Punkten im Vormonat auf nunmehr 87 Punkte gesunken. Die Frühindikatoren seien im Mai ebenfalls gefallen, und zwar um 0,2 Prozent. Bereits für April sei ebenfalls ein Rückgang um 0,2 Prozent ermittelt worden. Einen kleinen Lichtblick gebe es aber von der Inflationsseite. So sei die Jahresteuerungsrate in Frankreich im Juni auf 1,9 Prozent gesunken, nach 2,0 Prozent im Mai. Der private Verbrauch habe sich schließlich im Mai erhöht. So hätten die Verbraucherausgaben um 0,4 Prozent angezogen.

Insgesamt könne festzuhalten werden, dass von der französischen Wirtschaft im laufenden Jahr keine großen Sprünge zu erwarten seien. Die Hoffnung liege vielmehr auf dem kommenden Jahr 2013, in dem das Land möglicherweise von einer weltwirtschaftlichen Erholung profitieren könne.

Unabhängig davon, wie es mit den größten Euro-Sorgenkindern Griechenland und Spanien weitergehe, dürfte Frankreich auch künftig zu den stärksten Volkswirtschaften in Europa zählen. Somit halten die Analysten von Anleihencheck Research die o.a. Staatsanleihe von Frankreich für eine interessante Alternative. (Analyse vom 27.07.2012) (27.07.2012/alc/a/a)


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