Federal Reserve zurrt lockere Geldpolitik fest


12.06.20 09:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Federal Reserve hat in der geldpolitischen Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) den eingeschlagenen geldpolitischen Kurs bestätigt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Leitzinsen seien unverändert innerhalb der Bandbreite zwischen 0,0% und 0,25% belassen worden und auch der Zinssatz auf Reserven sei nicht verändert worden (IOER: 0,1%). Die wesentlichste Änderung im Statement habe sich auf das QE-Programm belaufen. Die Bilanzausweitung durch Treasury und MBS-Käufe werde über die nächsten Monate zumindest im aktuellen Ausmaß fortgesetzt. Dies beziehe sich im Falle von Treasury-Käufen auf ein monatliches Netto-Volumen von USD 80 Mrd. Des Weiteren sei der im April nur verbal kommunizierte trübe Wirtschaftsausblick in Zahlen gegossen und in Form der quartalsweisen Prognose-Übersicht präsentiert worden. Die Wirtschaftsleistung werde demzufolge 2020 um 6,5% sinken (Q4/Q4), die Arbeitslosenquote bis Jahresende von derzeit 13,3% auf 9,3% fallen (Q4/2020) und die Inflationsrate persönlicher Konsumausgaben (PCE) im vierten Quartal bei 0,8% p.a. liegen (Kernrate: 1,0%).

Die Prognoseübersicht zeige des Weiteren, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses von keinen Änderungen der Leitzinsen bis zum Ende des Prognosehorizonts 2022 ausgehen würden. Das langfristige Niveau der Leitzinsen betrachte die Mehrheit der Mitglieder nichtsdestotrotz unverändert bei 2,5%. Der Konjunkturausblick sei mit erhöhter Unsicherheit behaftet, so Powell. Die Federal Reserve bekenne sich dazu alles Mögliche und so lange wie nötig, zu tun, um die wirtschaftliche Erholung bestmöglich zu unterstützen ("whatever we can and for as long as it takes").

Treasury-Renditen seien bereits im Vorfeld der FED-Zinssitzung gesunken. Das als dovish empfundene Statement habe den Abwärtstrend aber beschleunigt. Die Zinskurve sei im Bill Segment (<1J) unverändert geblieben und habe im restlichen Laufzeitensegment im Tagesvergleich durchschnittlich um 6 Basispunkte nachgegeben. EUR/USD (ISIN EU0009652759/ WKN 965275) habe volatil reagiert und sei kurzfristig auf über 1,14 gestiegen, habe wenig später jedoch bereits wieder nahe dem Ausgangsniveau gehandelt.

In Summe würden die Analysten der RBI die FOMC-Sitzung als wenig überraschend erachten. Die Entscheidung, das QE-Programm mit mindestens dem aktuellen Volumen fortzusetzen, sorge in Anbetracht der graduell sinkenden Treasury- und MBS-Käufe für die notwendige Klarheit. Die Notwendigkeit, eine klare Forward Guidance des QE-Programms zu kommunizieren, sei bereits im Protokoll der April-Zinssitzung dargelegt worden. Das Volumen der monatlichen Netto-Käufe von USD 80 Mrd. sähen die Analysten der RBI eher am oberen Rand der Markterwartungen, habe der Median der Survey of Primary Dealers doch bei USD 50 Mrd. für die kommenden Monate gelegen.

Halte die Federal Reserve bis Ende des Jahres am gegenwärtigen Volumen fest, würde die FED im Zuge der Corona-Krise Treasuries im Ausmaß von 10,3% (ca. USD 2.200 Mrd.) des BIPs gekauft haben. Die Forward Guidance bestätigt unsere Einschätzung, dass QE auch nach dem Rückgang der Volatilität an den Finanzmärkten eine bedeutende Rolle im geldpolitischen Maßnahmenmix der FED spielen wird, so die Analysten der RBI.

Erwähnenswert sei auch der explizite Hinweis seitens Powells, dass die Diskussionen um ein Yield Targeting weiter andauern würden (explizites Renditeziel entlang der Kurve). Die Einführung dieses Instruments sei zu einem späteren Zeitpunkt, nach Abschluss des 2019 gestarteten Strategic Reviews, nach Meinung der Analysten der RBI nicht auszuschließen.

Neben QE hätten die neuen Konjunkturprognosen im Fokus gestanden. Wie Präsident Powell in der Pressekonferenz betont habe, zeige das Prognose-Set eine beginnende Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte 2020, welche über Jahre andauere und von konstanten Leitzinsen unterstützt werde. Die Prognosen seien jedoch mit äußerster Unsicherheit behaftet und würden nur einen, von vielen möglichen, Entwicklungspfaden darstellen.

Auch wenn die präsentierten Zahlen ein etwas pessimistischeres Bild zeichnen würden, stimme die Dynamik der Erholung mit Einschätzung der Analysten der RBI weitgehend überein. Ein Konjunkturtief sei im April erreicht worden und erste Indikatoren würden auf eine Stabilisierung hindeuten. Nichtdestotrotz werde das Ausgangsniveau nicht vor 2022, oder später, wieder erreicht werden können, was mit einer langen Phase expansiver Geldpolitik einhergehe. Dass selbst am Ende des Prognosehorizonts (2022) die Mehrheit der FOMC-Mitglieder Leitzinsen am aktuellen Niveau als wahrscheinlichstes Szenario erachte, stimme mit der Einschätzung der Analysten der RBI als auch jener des Marktes überein.

Die Erfahrung moderater Inflationsdynamik selbst bei historisch niedrigen Arbeitslosenquoten während der langen Expansionsphase nach der Wirtschafts- und Finanzkrise könnte des Weiteren dazu beitragen, dass auch eine rascher als gedachte Konjunkturerholung nicht notwendigerweise eine baldige Erhöhung der Leitzinsen impliziere. Auf Nachfrage habe Powell betont, dass er "nicht darüber nachdenkt über steigende Leitzinsen nachzudenken".

In Summe würden die Analysten der RBI die Zinssitzung als dovish einschätzen, sowohl in Bezug auf die QE-Forward Guidance als auch auf den Konjunkturausblick, welche jedoch nicht überrascht haben sollte. Leitzinsen würden über eine längere Phase am aktuellen Niveau verharren und weitreichendes QE werde die Laufzeitenprämien auch in Zukunft dämpfen. Da unser aktueller Zinsausblick beide dieser Effekte reflektiert, sehen wir aufgrund dieser Zinssitzung keinen Anpassungsbedarf unserer Zinsprognosen, so die Analysten der RBI. (12.06.2020/alc/a/a)





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