Fed-Zinswende und Euro-Inflation: Darum blicken Investoren jetzt besonders genau hin


28.11.25 16:54
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Im November dürfte die Gesamtinflation im Euroraum unseren Schätzungen zufolge bei 2,3% liegen, die Kerninflation bei 2,5%, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Das sei eine leichte Beschleunigung der Gesamtinflation gegenüber Oktober (2,1%) und spiegle vor allem den Anstieg der Kerninflation (2,5% im Jahresvergleich gegenüber zuvor 2,4%) sowie einen weniger negativen Beitrag der Energiepreise wider. Obwohl die Kerninflation leicht angezogen haben dürfte, würden die Analysten dies aber nicht als Hinweis auf einen sich aufbauenden zugrundeliegenden Preisdruck werten. Neben den Inflationszahlen würden in der Eurozone einige Indikatoren aus der zweiten Reihe erscheinen. Die Analysten sähen bezüglich der nächsten Schätzung zum BIP-Wachstum der Eurozone im dritten Quartal die realistische Möglichkeit, dass es zu einer Aufwärtsrevision der initialen Schätzung von 0,2% p.q. auf 0,3% p.q. kommen werde. Dies liege darin begründet, dass das Wachstum in Italien nach oben revidiert worden sei (0% p.q. auf 0,1% p.q.), und dass neu verfügbare Handelsdynamiken eine starke Entwicklung ausgewiesen hätten. Die Arbeitslosenquote sollte sich im Oktober nach Schätzung der Analysten nicht verändert haben und somit weiter auf einem Niveau von 6,3% verharren. Des Weiteren würden erste nationale Zahlen zur Industrieproduktion im Oktober sowie weitere PMI-Schätzungen für November veröffentlicht werden.

In den USA seien die Auswirkungen des bereits vor einiger Zeit beendeten Shutdowns auch weiterhin im Datenkalender erkennbar. So würden nächste Woche laut dem Bureau of Economic Analysis die PCE-Inflationszahlen für September erscheinen. Zur Erinnerung: Die VPI-Zahlen für September seien bereits während des Shutdowns veröffentlicht worden, und hätten auf schwächere Preisdynamiken hingedeutet, als vom Konsens erwartet worden sei. Auch die PCE-Zahlen sollten gemäß der Konsenserwartungen und des Cleveland-Fed Nowcasts auf keinen akut steigenden Preisdruck hinweisen. Es müsse aber betont werden, dass die Inflationszahlen für November zum jetzigen Zeitpunkt wesentlich wichtiger sein werden als veraltete Zahlen von September. Die VPI-Inflation für November solle gemäß des Bureau of Labor Statistics allerdings erst am 18. Dezember erscheinen, während die Zahlen für Oktober gar nicht erst publiziert werden. Auch die BIP-Schnellschätzung für das dritte Quartal habe nun ein Erscheinungsdatum: Die Konjunkturmaßzahl werde am 23. Dezember erscheinen und sollte auf ein robustes Wachstum hinweisen. Doch nun zurück zur näheren Zukunft. Nächste Woche stünden auch die ISM-Indizes für November auf der Agenda. Diese hätten zuletzt unter dem Level der PMIs gelegen, wiesen aber dennoch ebenfalls auf eine solide Stimmungslage in den USA hin. Der ISM für das verarbeitende Gewerbe lag im Oktober bei 48,7 Punkte, sein Pendant für das nicht-verarbeitende Gewerbe bei 52,4 Punkten. Der Konsens gehe von einer leichten Verbesserung des verarbeitenden Gewerbes und einer leichten Verschlechterung des nicht-verarbeitenden Gewerbes aus.

Diese Woche sei geprägt von einem Abwärtstrend bei US-Treasury-Renditen gewesen. Die Unsicherheit über die Sitzung der Fed im Dezember sorge für unruhige Märkte. Nachdem der Chef der New Yorker Fed eine Zinssenkung bei der Dezembersitzung angedeutet habe, habe der Markt seine Erwartungen von einer Zinspause zu einer Zinssenkung geändert. Interessant sei, dass auch das lange Ende der Zinskurve deutlich reagiert habe. Der Markt ziehe also aus der Diskussion über eine Zinssenkung im Dezember eine längerfristige Einschätzung über den Kurs der Fed. In den kommenden Wochen werde auch die Diskussion darüber, wer im Mai 2026 die Nachfolge von Powell antreten werde, die Märkte beeinflussen. Es werde eine taubenhafte Wende für die Fed, aber die Frage sei, wie taubenhaft sie sein werde. Die Analystenprognose spiegle angesichts dieses Faktors eine taubenhafte Tendenz im Vergleich zur aktuellen Marktmeinung wider.

Auf den europäischen Märkten sei es ziemlich ruhig gewesen, abgesehen von ein paar Schwankungen am langen Ende der Kurve. Das kurze Ende der Bund-Kurve und auch die Euribor-Zinsen seien in letzter Zeit ziemlich stabil gewesen. Und es gebe kaum Grund zu glauben, dass sich das bis zum Jahresende ändern werde. Das Protokoll der EZB-Sitzung vom Oktober gebe keine nennenswerten Hinweise auf einen Kurswechsel. Unter den Mitgliedern des EZB-Rats gebe es weiterhin zwei Lager. Das eine Lager betone die Abwärtsrisiken für die Inflation angesichts eines stärkeren Euro und der Auswirkungen der veränderten globalen Handelspolitik. Das andere Lager betone die Aufwärtsrisiken für die Inflation angesichts fiskalischer Impulse und Störungen in den globalen Lieferketten. Beide Lager seien sich aber einig, dass angesichts der aktuellen Datenlage ein Leitzins der EZB von 2% beiden Risikodimensionen gerecht werde. Sollten sich die Risiken jedoch materialisieren, müsse die EZB handlungswillig sein, weshalb sich der EZB-Rat nicht offen zu einem stabilen Zinspfad am aktuellen Niveau verpflichten wolle. Die Analysten sähen die Hürde für eine Änderung der Leitzinsen in den kommenden Monaten aber als ziemlich hoch an. (28.11.2025/alc/a/a)