Expansive Geldpolitik spricht für Gold


04.12.19 10:00
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Das Wachstum der Weltwirtschaft hat sich auch im 3. Quartal 2019 verlangsamt, so die Experten von Swisscanto Invest.

Eine Entwicklung, die sich 2020 fortsetzen dürfte, wenn auch in abgeschwächter Form. Die Talsohle im weltweit zur Schwäche neigenden Industriesektor scheine derweil erreicht oder zumindest in Sichtweite zu sein. Dem stehe aber eine weitere Eintrübung im Dienstleistungssektor gegenüber. Unterstützend für die globale Konjunktur würden die Aussichten auf ein Teilabkommen im Handelskonflikt zwischen den USA und China wirken.

Die Finanzmarktakteure scheinen unseren vorsichtigen Konjunkturoptimismus zu teilen, so die Experten von Swisscanto Invest. Die Aktienmärkte würden vielerorts auf neuen Höchstständen notieren. Die Luft werde aber immer dünner, da sich weitere geldpolitische Lockerungen oder deutlich bessere Konjunkturdaten nicht unmittelbar abzeichnen würden. Auch die Renditen hätten sich von ihren Tiefpunkten im Sommer verabschiedet und würden nach Erachten der Experten von Swisscanto Invest wieder ein den Konjunktur- und Inflationsaussichten angemessenes Niveau aufweisen. Von einem weiteren Anstieg des Renditeniveaus würden die Experten in naher Zukunft allerdings nicht ausgehen. Die Realrenditen würden folglich auf tiefem Niveau verharren, sodass die Opportunitätskosten des zinslosen Goldes niedrig bleiben würden.

Die Weltwirtschaft befinde sich insgesamt in einer immer noch schwachen Verfassung und die weiteren Aussichten würden sich momentan nur schwer einschätzen lassen. Insgesamt seien die Experten von Swisscanto Invest aber nach wie vor der Überzeugung, dass die Argumente überwiegen würden, die für eine Stabilisierung der Weltwirtschaft sprächen. Neben den Fortschritten im Industriesektor und der Aussicht auf einen Waffenstillstand im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit dürften auch die Notenbanken ihren Teil dazu beitragen. Aufgrund der nach wie vor (zu) niedrigen Inflation würden sie ihre ultra-expansive Geldpolitik noch längere Zeit fortsetzen und punktuell sogar weiter lockern. Die Finanzierungsbedingungen (Financial Conditions) seien denn auch so locker wie seit Jahren nicht mehr.

Die börsennotierten Unternehmen der Schweiz würden im Vergleich mit denen anderer Regionen nach wie vor durch eine hohe Wettbewerbsfähigkeit bestechen. Ihre Gewinnwachstumserwartungen seien nicht nur aufgrund steigender Umsätze, sondern auch wegen hoher Kostendisziplin überdurchschnittlich. Dafür seien Investoren bereit eine Prämie zu bezahlen, denn auch das KGV des Schweizer Markts liege über dem globalen Mittelwert. Sicherlich seien auch vom aktuellen Gewinn- und Margenniveau aus noch weitere Verbesserungen möglich, aber es werde schwieriger. Den Vorsprung gegenüber den anderen Regionen sollten Schweizer Unternehmen allerdings behalten. Insgesamt würden die Experten von Swisscanto Invest deshalb ein überdurchschnittliches KGV weiterhin für angemessen halten. Mit einem weiteren Anstieg sei - genau wie am globalen Markt - allerdings nicht zu rechnen.

Die politischen Turbulenzen in Südamerika und die wochenlangen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten in Hongkong hätten die Stimmung der Investoren in Bezug auf die Schwellenländer im November deutlich getrübt. Die Experten von Swisscanto Invest würden diese Entwicklung allerdings als vorübergehend erachten und mit einer Entspannung der Lage rechnen.

Die positiven Fundamentaldaten sollten also wieder in den Vordergrund treten. Dazu würden ein höheres Wirtschafts- und Gewinnwachstum als in den Industriestaaten, weiteres Zinssenkungspotenzial seitens der Zentralbanken sowie die relativ günstige Bewertung der Aktienmärkte zählen. Die Entwicklung beim Handelskonflikt betreffe die Schwellenländer allerdings stärker als die Industriestaaten. Das heiße, eine Verschärfung dürfte für unter-, eine Entspannung für überdurchschnittliche Aktienkursbewegungen sorgen.

Der Goldpreis sei seit dem Jahreshöchststand Anfang September um rund 6 Prozent gesunken, weil sich die geopolitischen Spannungen im Handelskonflikt und in der Brexit-Debatte etwas gelockert hätten. Die Vermeidung einer technischen Rezession in Deutschland habe die Befürchtungen einer stärkeren Wachstumseinbuße der globalen Wirtschaft gemildert. Die weiterhin expansive Geldpolitik der Notenbanken spreche jedoch nach wie vor für Gold. Die Realrenditen (inflationsbereinigten Renditen) würden global auf sehr tiefem Niveau verharren, sodass die Opportunitätskosten des zinslosen Goldes niedrig bleiben würden. Die Realrendite 10-jähriger US-Staatsanleihen habe in diesem Jahr zwischenzeitlich sogar im negativen Bereich gelegen. Eine Stabilisierung der globalen Wirtschaft könne für Gold auch positiv sein, wenn der deutlich überbewertete US-Dollar weniger als sicherer Hafen betrachtet werde und zyklische Währungen wieder an Stärke gewinnen würden. In US-Dollar gehandelte Edelmetalle würden von einer solchen Entwicklung profitieren. (04.12.2019/alc/a/a)