Eurozone: Niedriginflation und mehr Beschäftigung


26.08.16 12:27
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Bislang sind die europäischen Verbraucherpreise nur sehr zögerlich gestiegen, so die Analysten der Helaba.

Dies dürfte sich im August fortgesetzt haben. So werde sich der Preisanstieg in der Eurozone gerade mal auf schätzungsweise 0,4% (vorher: 0,2%) und in Deutschland 0,5% (vorher: 0,4%) im Vorjahresvergleich belaufen. Die Energienotierungen hätten sich im Sommer kaum verändert. Hingegen dürften die Nahrungsmittelpreise aufgrund der ungünstigen Witterungsverhältnisse weiter nach oben tendieren.

Bei regionalem Obst und Gemüse müsse mit Preiserhöhungen gerechnet werden. Bei Getreide seien allerdings aufgrund besserer internationaler Ernten kaum Veränderungen zu erwarten. In den Folgemonaten werde sich die Entlastung durch billige Energie ins Gegenteil verkehren. Die Rohölnotierungen dürften im vierten Quartal etwa ein Viertel über dem extrem niedrigen Vorjahresniveau liegen. Die Inflationsrate werde dann in der Eurozone auf etwa 1% zulegen, um sich im ersten Halbjahr 2017 bei rund 1,5% einzupendeln.

Der deutsche Arbeitsmarkt sei resistenter gegen konjunkturelle Schwächephasen geworden. Selbst sieben Quartale mit einem Wirtschaftswachstum von zum Teil deutlich unter 1% ab 2012 hätten den Beschäftigungszuwachs nicht unterbrochen. Auch habe das moderate Wachstum von rund 1,5% in den vergangenen Jahren ausgereicht, die Zahl der Stellen deutlich zu erhöhen. Im Juni 2016 seien annähernd 530 Tausend Menschen mehr beschäftigt als vor einem Jahr gewesen.

Dieser geringere Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Beschäftigung lasse sich u.a. auf den sektoralen Wandel zurückführen. Dies zeige aktuell die erfreuliche Entwicklung im nicht konjunktursensitiven Bereich "Pflege und Soziales". Dort seien für Mai 2016 mit 109 Tausend im Vorjahresvergleich die meisten neu geschaffenen Stellen ermittelt worden. Zusätzliche 48 Tausend sozialversicherungspflichtige Beschäftigte seien im Bereich "Gesundheit" eingestellt worden. Allerdings sei es auch zu deutlichen Zuwächsen bei konjunktursensitiven Unternehmensdienstleistungen und im Logistiksektor gekommen.

Die Arbeitslosenquote in Deutschland sei bis zuletzt gesunken. Im Juli habe sie saisonbereinigt bei 6,1% gelegen. Dank des starken allgemeinen Beschäftigungszuwachses habe der Zustrom von Flüchtlingen und Arbeitsmigranten bisher nicht zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote geführt. Die verfügbaren Frühindikatoren für den Arbeitsmarkt, wie das ifo-Beschäftigungsbarometer, würden eine Fortsetzung des positiven Trends signalisieren. Für die Arbeitslosigkeit im August könne mit einem moderaten Rückgang gerechnet werden. Auch in der Eurozone reiche das aktuelle Wachstum von rund 1,5% aus, um die Beschäftigung zu erhöhen. (26.08.2016/alc/a/a)