Eurozone: Inflation weiter auf dem Rückzug


01.03.16 08:40
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - In der Eurozone ist die Jahresrate der Konsumentenpreise im Februar gemäß der ersten Schätzung der europäischen Statistikbehörde "Eurostat" überraschend wieder in den negativen Bereich zurückgefallen, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Auf harmonisierter Basis (HVPI) habe sich demnach ein Minus von 0,2% ergeben (Januar: +0,3%). Den Währungshütern der EZB dürfte dabei besonders missfallen, dass sich neben den Energie- und Nahrungsmittelpreisen auch andere Bereiche des Warenkorbes auf dem Rückzug befinden würden. So sei die Kernrate ohne diese beiden Komponenten und ohne die Komponente "Alkohol" im Berichtsmonat ebenfalls stark (von +1,0% auf +0,7%) zurückgefallen und sorge dafür, dass das mittelfristige Ziel der Notenbank einer Inflation von "unter, aber nahe 2%" in immer weitere Ferne rücke.

Da sich die Inflationserwartungen zunehmend von dieser Marke nach unten entfernen würden, stehe die Geldpolitik unter Druck, den Ankündigungen von EZB-Präsident Draghi auf der Ratssitzung am 10. März auch Taten folgen zu lassen. Die Frage dabei werde sein, wie stark die Unterstützung im EZB-Gremium für eine Änderung der selbstauferlegten technischen Restriktionen z. B. in Bezug auf das Anleihen-Kaufprogramm sein werde. Der Euro sei nach Bekanntgabe der Daten zum US-Dollar spürbar zurückgefallen und nähere sich mit großen Schritten den wichtigen technischen Unterstützungen bei rund 1,08 USD. Ein Unterschreiten dieser Marke würde die Wahrscheinlichkeit für ein Wiedersehen mit dem Jahrestief 2015 bei knapp 1,05 USD deutlich erhöhen.

In den USA sei der Chicago PMI im Februar um 8,0 auf 47,6 Indexpunkte und damit - ebenso wie die anderen wichtigen regionalen Einkaufsmanagerindices (Empire State-, Philly-FED-Index) - in den kontraktiven Bereich zurückgefallen. Damit zeichne sich auch für die durch die stark vertretene Automobilindustrie geprägte FED-Region Chicago ein Verlust in der Output-Dynamik bei den dortigen Industrieunternehmen ab. Ein ähnliches Bild zeichne auch der nationale ISM-Index für die gesamte US-Industrie. Vor diesem Hintergrund dürften der im Dezember vollzogenen Erhöhung der FED Funds Rate in den kommenden Quartalen nur sehr graduelle Leitzinserhöhungen folgen.

Wie weitgehend erwartet habe die Notenbank in Australien auf ihrer heutigen Ratssitzung den Leitzins, die "Cash Rate" unverändert bei 2,00% belassen. Während die konjunkturelle Erholung außerhalb der Bergbauindustrie anhalte und sich der Arbeitsmarkt solide präsentiere, drohe die Inflation sich weiter von der mittelfristigen Zielmarke der Notenbank von 2 bis 3% nach unten zu entfernen. Im 4. Quartal 2015 habe die Jahresrate der Konsumentenpreise noch bei 1,7% gelegen, der anhaltende Rückgang der Ölpreise vor allem im Januar dürfte für das laufende Quartal indes einen niedrigeren Wert ausweisen.

Nach Angaben von Notenbankchef Glenn Stevens biete die niedrige Teuerung in den kommenden Monaten den Spielraum für eine expansivere Geldpolitik, sollte sich zeigen, dass die Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten die Nachfrageseite negativ beeinflussen würden. Die Analysten würden im 2. Quartal 2016 noch mit einer Leitzinssenkung um 25 BP rechnen.

Im dem seit 2001 anhaltenden Streit zwischen der Regierung in Argentinien und mehreren Hedgefonds gebe es offenbar eine Grundsatzeinigung, wonach das Land bereit sei, 75% der von den Gläubigern geforderten Summe zu befriedigen. Das argentinische Parlament müsse der Vereinbarung noch zustimmen, dies gelte nach Erachten der Analysten jedoch als durchaus realistisch. Eine Einigung könnte dem Land helfen, wieder Zugang zu den internationalen Kreditmärkten zu erhalten. (01.03.2016/alc/a/a)