Entwicklung der Inflation bleibt entscheidend


03.05.24 11:30
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Das FOMC-Meeting der Federal Reserve Bank (FED) in dieser Woche brachte wenig Bewegung in den Anleihemarkt, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.

Es bleibe bei der schon in den vorherigen Sitzungen kommunizierten Geldpolitik der US-Notenbank, während der FED-Vorsitzende Jerome Powell weiter davon spreche, die Zinsen senken zu wollen. Allerdings nur, wenn neue Daten zur Inflation diesen Schritt unterstützen sollten.

Letzteres scheine angesichts der zuletzt enttäuschend hohen Inflationsraten in den Vereinigten Staaten noch einige Monate dauern zu können.

Sogar Zinserhöhungen könnten inzwischen nicht mehr ausgeschlossen werden. Doch selbst bei hohen Inflationsraten dürfte es der FED schwerfallen, ihre Zinspolitik von den bereits intensiv diskutierten Zinssenkungen auf -erhöhungen neu zu justieren. Das gelte vor allem angesichts der im November anstehenden US-Präsidentschaftswahlen.

Dennoch würden die Experten davon ausgehen, dass die Entwicklung der Inflation entscheidend für die Richtung der US-Geldpolitik bleiben werde. Die Aktivität der Wirtschaft indes bleibe auf einem positiven Wachstumspfad. Auch wenn sie von einzelnen Analysten auf eine Verlangsamung der Aktivität in konjunktursensitiven Branchen hingewiesen worden seien.

Sofern das US-Zinsniveau noch eine Weile innerhalb der aktuellen Range handele, könnten riskante Anlagen davon profitieren. Natürlich stelle sich in diesem Monat dennoch die Frage danach, wie viele Marktteilnehmer dem gängigen Narrativ des "sell in May and go away" folgen würden.

Immerhin dürfte die neue Realität länger hoch bleibender Zinsen den Druck auf relativ schwache Schuldner bereits vergrößert haben. Doch solange das Risiko einer Rezession unter dem Teppich bleibe und keine neuen Zinserhöhungen auf die Agenda kämen, könnte dies genügen, um den Risikoappetit der Anleger noch für eine Weile am Leben zu halten.

In der Eurozone bleibe der erste Zinsschritt im Juni das wahrscheinlichste Szenario. Lediglich das Ausmaß der damit angestoßenen geldpolitischen Lockerung bleibe ein großer Unsicherheitsfaktor. Die dortige Wirtschaft sei im ersten Quartal um +0,3 Prozent (QoQ) gewachsen, was dem höchsten Anstieg seit Mitte 2022 entspreche. Aufgrund der angespannten Situation am Arbeitsmarkt dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) in Bezug auf weitere Lockerungen jedoch vorsichtig bleiben.

Für das Jahr 2024 bleibe eine Erwartung von zwei bis drei EZB-Zinssenkungen daher angemessen. Eine Divergenz der kommenden Zinsschritte zwischen FED und EZB von über 50 Basispunkten scheine jedoch unwahrscheinlich.

In Japan habe der Yen nach dem letzten Treffen der Bank of Japan (BoJ) unter erheblichem Druck gestanden. Als die japanische Währung die Marke von 160 gegenüber dem US-Dollar angesteuert habe, habe sich das japanische Finanzministerium Ministry of Finance (MoF) gezwungen gesehen, am Währungsmarkt zu intervenieren, um den Yen zu stützen.

Auch wenn die Intervention noch nicht offiziell bestätigt worden sei, scheine es, als ob das MoF japanische Yen im Wert von über 60 Milliarden US-Dollar erworben habe. So habe die Währung wieder zurück auf ein Niveau von 153 gegenüber dem US-Dollar gebracht werden können.

Allerdings lege ein Blick in die Vergangenheit nahe, dass Interventionen dieser Art häufig nur kurzfristig den gewünschten Effekt bringen würden. Für einen nachhaltigen Richtungswechsel bedürfe es in der Regel einem Wechsel in der geldpolitischen Ausrichtung des Landes.

Die Experten würden glauben, dass die BoJ die Ausweitung ihrer Bilanzsumme so schnell wie möglich beenden sollte. Denn damit stehe die Notenbank mit ihrer Politik den anderen relevanten Notenbanken diametral gegenüber.

Den Blick auf die Zukunft gerichtet scheinen die aktuellen Zinserwartungen für die Eurozone und die Vereinigten Staaten angemessen. Allerdings bleibe eine hohe Unsicherheit ob des weiteren Pfads der Zinspolitik, wobei riskante Anlagen zuletzt wohl eher ein positives Szenario eingepreist hätten.

Auch wenn es keinen klaren Grund dafür gebe, dass sich dies nun ändere, stelle sich die Frage danach, wann die Euphorie um das Thema Künstliche Intelligenz abebbe und Anleger nicht mehr auf ein halbvolles, sondern ein halbleeres Glas schauen würden.

Die Experten würden dennoch ein Szenario sehen, in dem die Märkte bis in den Sommer hinein steigen könnten. Hierfür bräuchte es jedoch eine Reihe freundlicherer Daten zur Inflation, bei einer Wirtschaft, die ihren gesunden Wachstumskurs fortsetzen könne.

Auf der anderen Seite wäre jede weitere Überraschung höherer Inflationsraten ein möglicher Katalysator für einen größeren Trendumbruch. Sollte sich dazu noch Zeichen einer Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität gesellen, spreche man in der Tat über größere Probleme. Die nächsten Datenpunkte zur Inflation würden die Experten daher mit großem Interesse erwarten.

Derweil bleibe der Fokus der Experten auf Anlagen mit einem aus ihrer Sicht opportunen Verhältnis aus Chance und Risiko gerichtet. Dazu würden sie aktuell das Setzen auf sinkende Kurse bei japanischen und UK-Anleihen mit langer Laufzeit zählen, oder Investitionen, die von einer steileren Zinskurve in den Vereinigten Staaten profitieren würden. (03.05.2024/alc/a/a)