EZB und Fed vor Zinspause? Zölle, Inflation & Märkte im Fokus


21.07.25 10:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Im Juli dürfte der HVPI im Euroraum stabil bei 2,0% bleiben, und auch die Kerninflation sollte bei 2,3% verharren, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Es würden keine wesentlichen Veränderungen in den zugrundeliegenden Inflationsdynamiken erwartet. Bemerkenswert sei, dass die länderübergreifenden Unterschiede bei der Gesamtinflation aktuell auf einem historisch niedrigen Niveau lägen, was der EZB Sicherheit gebe - nicht nur werde das Inflationsziel von 2% erreicht, sondern auch die Inflationskonvergenz zwischen den Mitgliedstaaten habe sich wieder normalisiert. Wie bereits zuletzt erwähnt worden sei, richte sich die Aufmerksamkeit nun insbesondere darauf, ob Präsident Trump die jüngst angedrohten Zölle von 30% auf EU-Exporte tatsächlich bestätigen werde. Die ebenfalls erscheinenden PCE-Inflationszahlen würden indessen nähere Aufschlüsse zur US-Inflationsentwicklung im Juni erlauben.

Es werde erwartet, dass die EZB die Leitzinsen nächste Woche unverändert belasse. Nach vier Zinssenkungen in Folge in diesem Jahr und drei Zinssenkungen im Jahr 2024 sei die EZB der Ansicht, dass sie sich nun etwas Zeit lassen könne und die Entwicklung der Daten beobachten könne. Die Inflation habe im Mai/Juni den Zielwert von 2% erreicht, was den EZB-Rat darin bestärke, dass die Inflationskrise hinter uns liege. Auf Sicht der nächsten 12 Monate bestehe wohl eher das Risiko einer Unterschreitung des Inflationsziels aufgrund der Stärke des Euro, der Entwicklung der Energiepreise und möglicher disinflationärer Auswirkungen von Zöllen.

Die Risiken würden daher zu einer weiteren Zinssenkung im Laufe des Jahres tendieren. Mit der erneuten Zoll-Eskalation durch Trump habe die ökonomische Unsicherheit erneut zugenommen. Wie die EZB-Prognosen vom Juni zeigen würden, würden US-Zölle als disinflationär bewertet, weshalb man den 1. August als neuen Zoll-Stichtag mit dovishen Risiken behaftet sehe. Der Markt scheine Trumps Zolldrohungen eher gelassen zu sehen und rechne mit keiner Zinssenkung im Juli und einer 50/50-Chance für eine Zinssenkung im September. Es werde erwartet, dass der Zinspause im Juli eine letzte Zinssenkung um 25 BP im September folgen werde.

Eine Woche später sei die Fed an der Reihe. Auch hier würden die Leitzinsen im Juli konstant behalten. Während sich die Zoll-Inflation in den jüngsten Datenveröffentlichungen nicht stark bemerkbar mache, deute die Stabilität auf dem Arbeitsmarkt darauf hin, dass sich die Fed mit Zinssenkungen noch etwas Zeit lassen könne. Inflation und Kerninflation seien im Juni gestiegen (2,7% bzw. 2,9% p.a.), doch die zugrunde liegende Dynamik sei nicht sehr besorgniserregend gewesen. Der nächste Arbeitsmarktbericht werde erst nach der Fed-Sitzung veröffentlicht, aber die jüngsten Arbeitsmarktdaten würden auf eine robuste Entwicklung hindeuten. Das Beschäftigungswachstum (ex Agrar) habe im Juni dem 3-Monats-Trend entsprochen und die Arbeitslosenquote sei sogar leicht auf 4,1% zurückgegangen. Es liege auf der Hand, dass die Fed auf eine deutliche Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt recht schnell reagieren würde. Solange dies nicht der Fall sei, ziehe es die Fed jedoch vor, das Ausmaß der Zolleffekte auf die Inflation noch abzuwarten.

Hinweise auf das Timing der Fed dürften bei der bevorstehenden FOMC-Sitzung im Mittelpunkt des Marktinteresses stehen. Sollte die Inflation weiterhin gedämpft ausfallen, sei eine Zinssenkung im September nicht auszuschließen. Sollte sich die Zoll-Inflation in den Zahlen stärker bemerkbar machen, scheine eine Zinssenkung im Dezember plausibler. Man halte den letzteren Fall für wahrscheinlicher.

Diese Woche sei durch eine merkliche Versteilerung der globalen Renditekurven gekennzeichnet gewesen. Insbesondere im 30-jährigen Segment sei der Aufwärtsdruck auf die Renditen stark gewesen. Die Duration scheine bei Anlegern derzeit nicht in der Gunst zu stehen. Fiskalische Risiken würden als ein Hauptproblem angesehen. Als Auslöser würden unter anderem die bevorstehenden Wahlen in Japan genannt, die den Weg für eine expansive Fiskalpolitik ebnen könnten. Und tatsächlich sei der Aufwärtsdruck auf langfristige JGBs im Juli besonders stark gewesen. Zinsmärkte anderer Benchmark-Länder hätten jedoch auch ihre eigenen Themen, sodass der Markt insgesamt für steigende fiskalische Risikoprämien anfällig sei.

In den USA verschlechtere der Big Beautiful Bill Act die fiskalischen Aussichten, im Vereinigten Königreich stünden die Umsetzungs-Risiken der Haushaltskonsolidierung im Fokus, und in Deutschland bzw. im Euroraum sei der Merz-Schock noch in Erinnerung und die Europäische Kommission suche nach Möglichkeiten, ihren mehrjährigen Haushalt zu erweitern. Zusätzlich zu diesen fiskalischen Schwachstellen würden die anhaltenden Angriffe auf die Unabhängigkeit der Fed durch Trump Aufwärtsdruck auf die langfristigen US-Renditen ausüben. Insgesamt seien die globalen Benchmark-Kurven also nicht so risikofrei, wie man meinen könnte.

EUR/USD habe zuletzt nach einem Jahreshöchststand von über 1,18 wieder etwas konsolidiert und handle aktuell knapp unter 1,16. Nichtsdestotrotz würden Themen wie Zolleffekte, der US-Staatshaushalt und die Unabhängigkeit der Federal Reserve auch weiterhin ein maßgeblicher Treiber für das Währungspaar bleiben. Eine detaillierte Einordnung des USD-Abschwungs im ersten Halbjahr sowie einen Ausblick für die nächsten Quartale finde man im Währungsausblick EUR/USD: "König USD wankt & korrigiert, aber kein Abgesang". (Ausgabe vom 18.07.2025) (21.07.2025/alc/a/a)