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EZB und Fed im Fokus: Wie Trump und Zölle die Inflation steuern könnten
07.07.25 08:55
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die Inflationszahlen der Eurozone für Juni (erste Schätzung) zeigten eine Inflationsrate von 2,0% p.a. und eine Kerninflation von 2,3% p.a. - sehr ähnlich zu unseren Erwartungen (2,0% bzw. 2,2% p.a.), so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Die Daten seien unauffällig gewesen, was die Märkte gut aufgenommen hätten. Die niedrige Güterinflation profitiere weiterhin vom stärkeren Euro, während die Dienstleistungsinflation mit 3,3% p.a. etwas erhöht bleibe, was den anhaltenden Kostendruck in personalkostenintensiven Sektoren widerspiegele. Für Juli würden die Analysten ähnliche Inflationszahlen erwarten. Ihr Fokus liege ganz auf der bevorstehenden Entscheidung von Präsident Trump über die endgültigen Zölle für EU-Exporte, die die Inflationsaussichten ändern könnte.
Der US-Arbeitsmarktbericht für Juni habe trotz der anhaltend erhöhten Unsicherheit erneut die Erwartungen klar übertroffen. So seien die Beschäftigungszahlen (exkl. Agrar) mit 147 Tsd. Stellen deutlich klarer gestiegen, als vom Konsens (110 Tsd. Stellen) erwartet worden sei. Dieser Zuwachs liege relativ genau am 12-Monatsschnitt, somit zeichne sich weiterhin kein drastischer Einbruch der Beschäftigungsdynamik ab. Aber nicht nur das: Auch die Arbeitslosenquote habe positiv überrascht, statt der erwarteten leichten Zunahme von 4,2% auf 4,3% sei es zu einer Abnahme auf 4,1% gekommen. Die dieser Entwicklung zugrundeliegende Dynamik sei dabei ebenfalls positiv ausgefallen. Neben den Arbeitsmarktdaten stehe aktuell vor allem der One Big Beautiful Bill Act im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit. Die finale Abstimmung im Repräsentantenhaus sei erfolgreich gewesen, sodass nun nur noch eine Unterschrift von Präsident Trump selbst fehle - wohl nur eine Formalität. Damit verschlechtere sich der fiskalische Ausblick der USA nur noch weiter, was Risikoprämien am US-Staatsanleihenmarkt erhöht halten sollte.
Auch während der nächsten Wochen würden makroökonomische Datenveröffentlichungen und geopolitische Events tonangebend bleiben. Auf der Datenseite würden dabei die US-Inflationszahlen für Juni (Veröffentlichung am 15. Juli) das Highlight darstellen. Nachdem die letzten Inflationsveröffentlichungen noch kaum Zolleffekte aufgewiesen hätten, stehe die Frage im Raum, ob dies weiterhin andeuern werde. Die übernächste Woche erscheinenden Juni-Daten zur Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen würden darüber hinaus Auskunft zum aktuellen wirtschaftlichen Momentum in den USA geben. In der Eurozone würden mit dem Sentix (7. Juli) und dem ZEW (15. Juli) indessen erste Vorlaufindikatoren für den Juli erscheinen. Diese sollten wohl auf eine weitere leichte Aufhellung der Stimmungslage hindeuten. Einen klaren Risikofaktor stelle das Näherrücken der Zoll-Deadline am 9. Juli dar. Einigungen zwischen den USA und ihren Handelspartnern wie zum Beispiel der EU seien bis dato noch Mangelware. Ein erneutes Hochkochen der Zollthematik, mit eventuellen neuen Zollankündigungen seitens Donald Trumps, könnte den ökonomischen Ausblick abermals mit einer erhöhten Unsicherheit belegen. Doch auch ein Aufschieben der Deadline oder erste Kompromisslösungen könnten nicht ausgeschlossen werden.
Bei den Zentralbanken sei es diese Woche vor allem um das EZB-Zentralbank-Forum in Sintra gegangen. Hier habe es zwei wichtige Ereignisse gegeben. Erstens habe die EZB die Gelegenheit genutzt, um ein Update ihrer geldpolitischen Strategie vom Juli 2021 zu präsentieren. Dabei habe es nicht allzu viele Neuerungen gegeben. Die EZB räume jedoch ein, dass die Ereignisse der letzten Jahre die Geldpolitik weiterhin herausfordern würden. Das "Inflationsumfeld wird unsicher und möglicherweise volatiler bleiben". Außerdem erkenne die EZB, dass entschlossene oder anhaltende Reaktionen auf substantielle Abweichungen vom Inflationsziel notwendig seien. Somit rechne die EZB damit, dass zukünftig die geldpolitischen Zyklen kürzer und häufiger werden könnten. Was die Instrumente angehe, habe die EZB die bestehenden geldpolitischen Instrumente bestätigt, sodass neben den Leitzinsen auch Anleihekäufe und Refinanzierungsgeschäfte wichtig bleiben würden.
Zweitens gebe es bei der EZB-Konferenz in Sintra immer eine hochkarätige Panel-Diskussion zur Geldpolitik mit den Chefs von EZB, Fed, BoJ, BoE und diesmal auch der Bank of Korea. Auf die Frage ihrer Einschätzung der jüngsten Inflationszahlen meine EZB-Chefin Lagarde, das "Ziel sei erreicht" und "man solle das langsam anerkennen", was als hawkisch erscheine. Lagarde sehe keine Verpflichtung zu einem bestimmten Zinspfad und wolle sich weiterhin von den Daten leiten lassen. Sie habe sich nicht zum Wechselkurs geäußert, aber betont, dass die Stärke des Euro auch ein Grund für den Anstieg des EUR/USD-Wechselkurses sei. Im Gegensatz zu Lagarde sehe Fed-Chef Powell die Leitzinsen in den USA mittelfristig niedriger. Die Frage sei nicht die Richtung, sondern der Zeitpunkt. Er hat eine Zinssenkung im Juli nicht ausgeschlossen, aber nach dem letzten Arbeitsmarktbericht halten die Analysten der RBI das für sehr unwahrscheinlich. Der Fokus verlagere sich nun auf die Inflationsdaten. Wenn sich die "Zoll-Inflation" im Sommer nicht in den Inflationszahlen niederschlage, scheine eine Zinssenkung im September wahrscheinlich. Sollte sich die "Zoll-Inflation" jedoch in den Inflationszahlen widerspiegeln, sei eine Zinssenkung im vierten Quartal das wahrscheinlichere Szenario. Datenabhängig zu agieren, sei somit auch für die Fed das oberste Gebot. (Ausgabe vom 04.07.2025) (07.07.2025/alc/a/a)
Die Daten seien unauffällig gewesen, was die Märkte gut aufgenommen hätten. Die niedrige Güterinflation profitiere weiterhin vom stärkeren Euro, während die Dienstleistungsinflation mit 3,3% p.a. etwas erhöht bleibe, was den anhaltenden Kostendruck in personalkostenintensiven Sektoren widerspiegele. Für Juli würden die Analysten ähnliche Inflationszahlen erwarten. Ihr Fokus liege ganz auf der bevorstehenden Entscheidung von Präsident Trump über die endgültigen Zölle für EU-Exporte, die die Inflationsaussichten ändern könnte.
Auch während der nächsten Wochen würden makroökonomische Datenveröffentlichungen und geopolitische Events tonangebend bleiben. Auf der Datenseite würden dabei die US-Inflationszahlen für Juni (Veröffentlichung am 15. Juli) das Highlight darstellen. Nachdem die letzten Inflationsveröffentlichungen noch kaum Zolleffekte aufgewiesen hätten, stehe die Frage im Raum, ob dies weiterhin andeuern werde. Die übernächste Woche erscheinenden Juni-Daten zur Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen würden darüber hinaus Auskunft zum aktuellen wirtschaftlichen Momentum in den USA geben. In der Eurozone würden mit dem Sentix (7. Juli) und dem ZEW (15. Juli) indessen erste Vorlaufindikatoren für den Juli erscheinen. Diese sollten wohl auf eine weitere leichte Aufhellung der Stimmungslage hindeuten. Einen klaren Risikofaktor stelle das Näherrücken der Zoll-Deadline am 9. Juli dar. Einigungen zwischen den USA und ihren Handelspartnern wie zum Beispiel der EU seien bis dato noch Mangelware. Ein erneutes Hochkochen der Zollthematik, mit eventuellen neuen Zollankündigungen seitens Donald Trumps, könnte den ökonomischen Ausblick abermals mit einer erhöhten Unsicherheit belegen. Doch auch ein Aufschieben der Deadline oder erste Kompromisslösungen könnten nicht ausgeschlossen werden.
Bei den Zentralbanken sei es diese Woche vor allem um das EZB-Zentralbank-Forum in Sintra gegangen. Hier habe es zwei wichtige Ereignisse gegeben. Erstens habe die EZB die Gelegenheit genutzt, um ein Update ihrer geldpolitischen Strategie vom Juli 2021 zu präsentieren. Dabei habe es nicht allzu viele Neuerungen gegeben. Die EZB räume jedoch ein, dass die Ereignisse der letzten Jahre die Geldpolitik weiterhin herausfordern würden. Das "Inflationsumfeld wird unsicher und möglicherweise volatiler bleiben". Außerdem erkenne die EZB, dass entschlossene oder anhaltende Reaktionen auf substantielle Abweichungen vom Inflationsziel notwendig seien. Somit rechne die EZB damit, dass zukünftig die geldpolitischen Zyklen kürzer und häufiger werden könnten. Was die Instrumente angehe, habe die EZB die bestehenden geldpolitischen Instrumente bestätigt, sodass neben den Leitzinsen auch Anleihekäufe und Refinanzierungsgeschäfte wichtig bleiben würden.
Zweitens gebe es bei der EZB-Konferenz in Sintra immer eine hochkarätige Panel-Diskussion zur Geldpolitik mit den Chefs von EZB, Fed, BoJ, BoE und diesmal auch der Bank of Korea. Auf die Frage ihrer Einschätzung der jüngsten Inflationszahlen meine EZB-Chefin Lagarde, das "Ziel sei erreicht" und "man solle das langsam anerkennen", was als hawkisch erscheine. Lagarde sehe keine Verpflichtung zu einem bestimmten Zinspfad und wolle sich weiterhin von den Daten leiten lassen. Sie habe sich nicht zum Wechselkurs geäußert, aber betont, dass die Stärke des Euro auch ein Grund für den Anstieg des EUR/USD-Wechselkurses sei. Im Gegensatz zu Lagarde sehe Fed-Chef Powell die Leitzinsen in den USA mittelfristig niedriger. Die Frage sei nicht die Richtung, sondern der Zeitpunkt. Er hat eine Zinssenkung im Juli nicht ausgeschlossen, aber nach dem letzten Arbeitsmarktbericht halten die Analysten der RBI das für sehr unwahrscheinlich. Der Fokus verlagere sich nun auf die Inflationsdaten. Wenn sich die "Zoll-Inflation" im Sommer nicht in den Inflationszahlen niederschlage, scheine eine Zinssenkung im September wahrscheinlich. Sollte sich die "Zoll-Inflation" jedoch in den Inflationszahlen widerspiegeln, sei eine Zinssenkung im vierten Quartal das wahrscheinlichere Szenario. Datenabhängig zu agieren, sei somit auch für die Fed das oberste Gebot. (Ausgabe vom 04.07.2025) (07.07.2025/alc/a/a)
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