EZB bereiten Inflationserwartungen weiter Sorge


20.05.16 08:30
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Gemäß des Protokolls der letzten EZB-Sitzung vom 20. / 21. April stuften die Notenbanker die Risiken für das Wachstum in der Eurozone verglichen mit dem vorangegangenen Treffen als etwas geringer ein, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Sorge bereite der Notenbank wohl vor allem, dass ungeachtet der Ölpreiserholung kein Anstieg der marktbasierten Inflationserwartungen zu beobachten sei. Zudem habe man sich besorgt geäußert, dass die Teuerungsrate durch die indirekten Effekte der geringen Ölpreise niedrig gehalten werden könnte. Bei der Adressierung der ungewünscht schwachen Inflation liege der Fokus laut Protokoll wohl weiter auf der Implementierung der bereits angekündigten Politikmaßnahmen, wie der Senkung des Einlagesatzes und der Verlängerung des Anleihekaufprogramms.

Darüber hinaus hätten sich die Notenbanker darauf verständigt, ihre extrem expansive Geldpolitik gegen die zuletzt auch aus der Politik wieder lauter gewordene Kritik entschlossener zu verteidigen und die Unabhängigkeit der Notenbank zu betonen. Zudem wolle man weiter entschieden dem Eindruck entgegenwirken, der EZB seien die Möglichkeiten zur Stimulierung der Inflation ausgegangen.

In Großbritannien hätten die Einzelhandelsumsätze im April um 1,3% gg. Vm. zulegen (4,3% gg. Vj.) und damit die Erwartungen deutlich übertreffen können (Konsens: 0,5% gg. Vm.). Das Britische Pfund habe in Reaktion auf die robusten Einzelhandelsumsätze weiter zugelegt und sei zum Euro zeitweise auf den höchsten Stand seit rund 3,5 Monaten gestiegen.

Der Philly FED-Index, der Einkaufsmanagerindex des Verarbeitenden Gewerbes aus der FED-Region Philadelphia, habe im Mai überraschend auf -1,8 Punkte nachgegeben (April: -1,6 Punkte). Mehrheitlich sei mit einem Anstieg auf +3,5 Punkte gerechnet worden. Damit sei der jüngste Wert ernüchternd ausgefallen, wobei sich Lage und Erwartung neuer Aufträge besonders schwach gezeigt hätten.

Mit Blick auf die Details sei jedoch positiv zu sehen, dass sich die Beschäftigungskomponente mit -3,3 Punkten (April: -18,5 Punkte) spürbar erholt habe. Impulse im Austauschverhältnis von Euro und US-Dollar seien allerdings durch den regionalen Bericht ausgeblieben, wohl auch weil das Pendant aus der FED-Region New York bereits zum Wochenbeginn enttäuscht habe und die Erwartungen daher gebremst gewesen seien. Der Euro notiere weiter bei rund 1,12 USD. (20.05.2016/alc/a/a)