Vor EZB-Zinsentscheid: Bremsen die Löhne die Inflationssorgen?


09.09.24 11:12
ETHENEA

Munsbach (www.anleihencheck.de) - Dr. Volker Schmidt von ETHENEA ist sich sicher: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Leitzinsen in ihrer Ratssitzung am kommenden Donnerstag in Frankfurt nochmals um 25 Basispunkte senken.

Eine stärkere Zinssenkung sei zunächst jedoch ausgeschlossen, so der Experte. In seinem Kommentar gebe er einen Ausblick auf den Zinspfad der europäischen Notenbank, Renditen und Zinsen sowie das Ende der inversen Zinskurve.

"Angetrieben von fallenden Energiepreisen ist die Inflation im August weiter gesunken - auf 2,2 Prozent. Daher ist die anstehende Zinssenkung keine Überraschung. Die Kerninflation ohne die volatilen Komponenten Energie und Nahrungsmittel liegt mit 2,8 Prozent allerdings weiterhin über dem Zielbereich", so Schmidt. "Stabil steigende Löhne treiben die Inflation bei Dienstleistungen sogar auf zuletzt wieder beschleunigte 4,2 Prozent an."

Andererseits habe EZB-Chefvolkswirt Philip Lane zuletzt erklärt, dass die Lohnsteigerungen in den kommenden Monaten deutlich zurückgehen würden. "Falls sich diese Einschätzung bewahrheitet und auch die Preise für Dienstleistungen deutlich langsamer steigen, sind auch Zinssenkungsschritte von 50 Basispunkten pro Zentralbanksitzung nicht mehr ausgeschlossen", sage Schmidt.

Viele der kommenden Zinssenkungen seien jedoch bereits in die Renditen am Kapitalmarkt eingepreist: "Die Renditen zehnjähriger Bunds verharren bei 2,25 Prozent und damit über dem Niveau vom Jahresanfang. Die Anleger sollten nicht erwarten, dass diese langfristigen Renditen oder die Zinsen für 10-jährige Hypothekenkredite noch einmal deutlich fallen werden."

Die Zinsstrukturkurve sei auf dem Weg der Normalisierung: Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen liege nur noch minimal unter den Renditen ihrer zweijährigen Pendants. "Mit weiteren Zinssenkungen wird die Inversion der Zinskurve dann Geschichte sein." (09.09.2024/alc/a/a)