Corporate Bonds kauft man wie iTunes-Karten


26.02.19 10:15
HANSAINVEST

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Das neue Jahr hat nach acht Wochen bereits seinen eigenen Charakter entwickelt, auch am Rentenmarkt, so Christian Bender, Portfolio Manager bei der SIGNAL IDUNA Asset Management, der unter anderem den global agierenden Rentenfonds HANSAinternational (ISIN DE0008479080/ WKN 847908) verantwortet.

So habe sich die Zahl der als sicher wahrgenommenen Häfen in der jüngsten Zeit weiter reduziert. Ein guter Indikator dafür seien die Bundesanleihen, die wieder auf Rekordtiefs zusteuern würden. Und das, obwohl sich in den vergangenen zwei Jahren jenseits des Atlantiks attraktivere Zinssätze aufgebaut hätten und sich einige andere Notenbanken der westlichen Welt in Sachen Liquiditätsversorgung ebenfalls restriktiver verhalten würden, was auch dort wieder steigende Zinsen nach sich gezogen habe.

Die gestiegenen US-Dollar-Zinsen verbunden mit dem erstarkten US-Dollar hätten jedenfalls dazu geführt, dass andere Segmente Schläge hätten einstecken müssen. So habe sich die Refinanzierung der Anleihen in zahlreichen Emerging Markets erschwert. Und auch die Situation bei Unternehmensanleihen werde unangenehmer. Die Zahl der Unternehmen, die in einem normalen Zinsumfeld stark zu kämpfen hätten, aber die vergangenen Jahre überlebt hätten, weil die Refinanzierung so günstig gewesen sei, nehme zu.

Unternehmens- und Emerging-Market-Anleihen zu handeln, sei deshalb seit dem vergangenen Jahr schwerer geworden. Es komme im Corporate Bond Markt wieder stärker darauf an, am richtigen Tag unterwegs zu sein. Genau wie Smartphone-Nutzer wissen würden, dass es iTunes-Karten in den kommenden Monaten mindestens einmal mit 20 Prozent Rabatt geben werde, könne man sich im Corporate-Bond-Markt sicher sein, dass es Phasen gebe, in denen einige Marktteilnehmer ihre Risiken reduzieren möchten oder müssten - und dann gelte es zuzugreifen, sich vorher aber geduldig zu zeigen.

Momentan sehe man, dass die USA im Zinszyklus weiter vorangeschritten seien als ursprünglich gedacht, weswegen die Zinsen am langen Ende wieder nachzugeben beginnen würden. Insofern rechne man für 2019 auch nicht mehr mit zwei oder drei Zinserhöhungen der US-Notenbank. Und von der EZB erwarte man schon gar keinen Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik. Der Zug scheine abgefahren - und kehre sobald nicht um. Denn Italien verkrafte keinen Zinsanstieg. Und wenn man westeuropäische Politiker - und in ihrem Gefolge die nicht so unabhängige EZB - vor die Entscheidung stelle, die Einheit der Eurozone zu erhalten oder die Zinsstrukturen in höhere Lagen zu überführen, falle diesen die Entscheidung vergleichsweise leicht.

Konkret könne man sich vorstellen, dass der US-Dollar in den kommenden Wochen in eine überkaufte Situation hineinlaufen werde. Noch erscheine er vielen Investoren angesichts des wahrscheinlicher werdenden harten Brexits wie ein sicherer Hafen - und auch die plötzlich entflammten italienisch-französischen Streitigkeiten würden das Gefühl vermitteln, in Nordamerika dieser Tage besser aufgehoben zu sein. Aber das werde sich wieder drehen - spätestens nach dem Brexit oder aber der Europawahl.

Dann würden ein bereits zu Ende gehender Zinserhöhungszyklus in den USA und ein von seinem temporären Hoch fallender US-Dollar im Segment der Emerging Markets neue Chancen eröffnen. Und auf der Corporate Seite werde man im Zuge der sich verschärfenden wirtschaftlichen Situation - nicht zuletzt durch die Handelskonflikte und geopolitischen Krisenherde angefacht - sehen, wie viele Unternehmen von der bis dahin komfortablen Sofakante geschubst würden, die Investmentgrade-Rating heiße. Damit würden naturgemäß steigende Risikoaufschläge einhergehen und ein auch in kleineren Titeln ansteigendes Angebot, das von Investoren stamme, die in diesem Moment verkaufen müssten.

So würden sich Opportunitäten auftun, die zwar zusätzliche Recherche erfordern würden, um sich der wirtschaftlichen Möglichkeiten des emittierenden Unternehmens zu vergewissern - aber statt dem eigenen Portfolio zwei BBB-Emissionen beizumischen, sei eine Kombination aus einer höherwertigen Anleihe und einem Non-Investment-Grade häufig die attraktivere Wahl.

Und auch andere Kombinationen hätten ihren Reiz: Eine italienische Bankschuldverschreibung auf US-Dollar biete dieser Tage nicht nur einen in zweierlei Hinsicht höheren Zins - sie biete auch ein spezifisches Risikoprofil. Denn sollte sich die italienische Perspektive weiter eintrüben, werde das mit Sicherheit den Dollar stärken - was im Idealfall gerade bei kurzlaufenden Titeln zu einer angemessenen Kompensation führen sollte.

Währungen, Risikoaufschläge und Duration würden somit das Jahr 2019 prägen - und insofern würden zumindest einzelne Charakterzüge des alten auch die des neuen Jahres bleiben. (26.02.2019/alc/a/a)






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