Bank of Japan-Entscheidung: Langeweile in Tokio, Zielinflation in der Kritik


21.11.13 13:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die monatlichen geldpolitischen Sitzungen der Bank of Japan (BoJ) strahlen derzeit eine gewisse Langeweile aus, so die Analysten der Nord LB.

Erneut bleibe alles beim Alten: Die japanische Notenbank bleibe beim Umfang ihres Quantitative Easing und ändere auch sonst keinerlei Zielvorgaben. Sie habe zudem am Wording des Policy Statements wenig adjustiert.

Derweil werde die Erreichbarkeit des Inflationsziels unter Volkswirten diskutiert. Laut einer Bloomberg-Umfrage sehe eine Mehrzahl - 22 von 37 befragten Ökonomen - die Notwendigkeit, dass das Ziel mindestens nach hinten verschoben werden müsse. Kuroda sei diesbezüglich befragt worden und habe aber zu Protokoll gegeben, dass es seiner Ansicht nach zu früh sei, einen Politikwechsel zu diskutieren, zumal die Wirtschaftsentwicklung positiv sei.

Die Notenbank selbst erwarte derzeit die Kerninflation bei 1,9% zum April 2015. Die Analysten würden dies durchaus für realistisch halten. Allerdings dürfe man dabei den Effekt der Konsumsteuererhöhung im April 2014 nicht vergessen. Um diesen bereinigt sei das Ziel schon ein ganzes Stück weiter entfernt. Zudem bringe die Anhebung der Abgabe von 5% auf 8% die Gefahr mit sich, dass die Konsumenten, wenn sie mit einer sehr starken Konsumzurückhaltung reagieren würden, die Preise wieder ins Rutschen bringen könnten. Im Extremfall drohe hier sogar eine Deflation. Die weniger optimistischen Volkswirte würden zumindest dem Szenario fallender Inflationsraten, also einer Disinflation, eine höhere Wahrscheinlichkeit zuweisen.

Die Kritiker der Steueranhebung würden gerne auf den negativen Effekt im Jahr 1997 verweisen, als das Land die Steuer von 3% auf 5% angehoben habe. Dabei werde aber gern vergessen, dass zum einen die Asienkrise zu dieser Zeit schon am Laufen gewesen sei und zum anderen, dass die damalige Regierung Hashimoto wenig geschickt mit dem Timing und der Maßnahme selbst agiert habe, sodass es nicht überrasche, dass Japan in die Rezession gerutscht sei und die Deflation sich verankert habe. Shinzo Abe sei dies durchaus bewusst, deswegen starte er mehrere Konjunkturprogramme - das nächste werde im Dezember beschlossen -, um den negativen Effekt abzufangen. Zudem würden sich sowohl Japan als auch die Weltkonjunktur in einer robusteren Verfassung befinden.

Die Analysten seien hier eher optimistisch, dass es gelinge, die japanischen Konsumenten bei Laune zu halten, auch wenn sie gerne häufiger betonen würden, dass die Reformprogramme der Regierung noch ausbaufähig seien.

Langeweile in Tokio - die japanische Notenbank ändere weder an ihrem geldpolitischen Programm, noch am Wording des Policy Statement etwas. Gouverneur Haruhiko Kuroda habe sich jedoch der Frage stellen müssen, ob das Inflationsziel nicht zu optimistisch sei. Mittlerweile würden viele das im April 2013 auf zwei Jahre veranschlagte Ziel, eine Preissteigerungsrate von 2% zu erreichen für nicht mehr vertretbar halten. Kuroda habe zu Protokoll gegeben, dass es noch zu früh für eine Anpassung der Maßnahmen sei, zumal die Konjunkturentwicklung positiv sei.

Der kritische Punkt werde sein, wie der japanische Konsument auf die Konsumsteueranhebung im April 2014 reagiere. Die Regierung bringe ein neues Konjunkturprogramm im Dezember auf den Weg, das ebenso wie das letzte die negativen Folgen der Steuer abfangen solle. Aufgrund der robusten Entwicklung der Konjunktur in Japan und im Ausland würden die Analysten es für möglich halten, dass den Japanern das Kunststück gelinge, auch wenn sie da nunmehr eher in der Minderheit seien. (21.11.2013/alc/a/a)