Argentinien senkt Zinsen trotz steigender Inflation


05.07.16 10:41
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - In Argentinien setzt die Notenbank auf Zinssenkungen, obwohl die jüngsten Inflationsdaten einen erneuten Anstieg des Preisdrucks verzeichneten, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Nach Angaben der argentinischen Statistikbehörde INDEC hätten sich im Mai die allgemeinen Verbraucherpreise im Großraum Buenos Aires (AMBA) im Vergleich zum Vormonat um 4,2% erhöht. Nach Vorwürfen, unter der Vorgängerregierung sei die amtliche Teuerung absichtlich zu niedrig ausgewiesen worden, habe Präsident Mauricio Macri der INDEC im vergangenen Jahr offizielle Veröffentlichungen zur landesweiten Preisentwicklung untersagt. Der zuvor vorgelegte Oktoberwert 2015 habe bei einer Monatsrate von 1,1% gelegen. Die nun inzwischen überarbeiteten Erhebungsmethoden hätten im Mai zudem höhere Preissteigerungen ergeben als dies zuvor von unabhängigen Diensten mit lediglich 3,5% erwartet worden sei.

In der Region "Buenos Aires-Stadt" sei der Preisanstieg mit 5,0% im Monatsvergleich hoch ausgefallen und habe sich in der Jahresrechnung auf 44% beschleunigt. Hinzu komme, dass die Monatsrate der um Energie- und Nahrungsmittel bereinigten Kerninflation nach 2,8% im April im Berichtsmonat auf 3,3% zugelegt habe. Die Preisdaten der mehrheitlich als Indikator für die Inflation außerhalb Buenos Aires betrachteten Provinz San Luis, hätten signalisiert, dass auch die Verbraucher außerhalb der Hauptstadt tiefer in die Taschen greifen müssten.

Die derzeit steigende Kerninflation lege nahe, dass die höhere Inflation in Argentinien wahrscheinlich vor allem das Resultat von Zweitrundeneffekte aus der Peso-Schwäche sowie der Anhebung öffentlicher Abgaben und Gebühren sei. Diese würden voraussichtlich auch in den kommenden Monaten spürbar sein, weshalb die Analysten erst im Herbst des laufenden Jahres einen zyklischen Hochstand erwarten würden. Per Ende 2016 würden die Analysten wieder mit einer Inflation von 38% rechnen. Vergleichbar seien auch die Inflationserwartungen über die kommenden zwölf Monate bei Umfragen in Argentinien von 30% im April auf jüngst 25% gesunken.

Mit den sinkenden Inflationserwartungen begründe die Zentralbank von Argentinien teilweise ihre jüngsten Zinssenkungen. Die Notenbank steuere ihre Zinspolitik gegenwärtig mit der Rendite einmonatiger Schuldverschreibungen (Letras del Banco Central "Lebac"), sowie einer Bandbreite von Reserve Repo- und Repogeschäften. Seit Anfang Mai hätten die Währungshüter den Satz für 35-tägige Lebac bereits um insgesamt 725 Basispunkte zurückgenommen, zuletzt am 29. Juni auf 30,75%.

Ob es sich dabei ausschließlich um eine Reaktion auf die Inflationsentwicklung handele, dürfe mit Blick auf die jüngsten Preisdaten bezweifelt werden. Es sei naheliegend, vielmehr an Sorgen der Notenbank über die mehr als 15%igen Kursgewinne des heimischen Peso zwischen März und Mai und die abschwächende Konjunktur (HSBC BIP-Prognose 2016: -1%) zu glauben. Die Analysten würden deshalb davon ausgehen, dass die Zentralbank ihre geldpolitischen Lockerungen generell fortsetzen werde, aber mit deutlich geringerem Momentum. Per Ende 2016 würden die Analysten einen Lebac-Satz um 29,5% erwarten. (05.07.2016/alc/a/a)